GLOSSARY

Lexikon der Fachausdrücke für die einzelnen Teile eines Spielwerkes und anderer Fachbegriffe

Glossar / Glossary
(derzeit ~ Stichwörter)

Mäander Tischmäander Liegender Windfang Liegendes Federhaus

Die Terminologie von eiou.at weicht von Helmut Kowars unentbehrlichem Buch Musical Boxes from Prague and Vienna (Wien, [Mai] 2019) nur bei ganz wenigen Begriffen geringfügig ab.

Tune = gamme = Melodie (Kowar) Musikstück = piece of music (eiou.at) : Da bei einem Durchlauf der Walze öfters nicht nur eine, sondern zwei und manchmal sogar drei Melodien, Motive, Themen gespielt werden, verwenden wir auf eiou.at bei dem unverfänglichen Ausdruck „Musikstück“, das eine oder mehrere Motive, Themen oder Melodien eines oder mehrerer Komponist*innen (soweit bekannt) enthalten kann. Die Gleichsetzung von air, tune und melody (zum Beispiel bei https://mbsi.org/glossary/) ist missverständlich! Wenn ein Musikwerk aus einem „Zweifachen“, also einem Tanz mit zwei „Melodien“ oder Themen (sogar mit Taktwechsel!) zitiert, ergibt sich ja schon von selbst, dass es aus zwei Melodien bzw. Themen zitieren muss! Das historischen Vorbild dieser Terminologie stammt übrigens aus dem Jahr 1831! Und wenn man Juristen nachsagt, dass es gewohnt sind, sich sprachlich korrekt auszudrücken, findet sich ein Beleg dafür, dass sich ein Jurist eine Aktentasche „mit drei Musikstücken“ herstellen ließ,


„scratch“ (eiou.at): (Zer)kratzen (ungezielt, unabsichtlich)
im Gegensatz zu

 

„scribe“ (eiou.at): „Einritzen“ im Sinne von Schreiben auf einer Metalloberfläche, wobei das Englische „scratch“ auch mit „Kratzen“ übersetzt werden kann, nicht jedoch im „Spielwerk-Deutsch“, das deutlich zwischen unabsichtlichem Zerkratzen und absichtlichem Einritzen unterscheiden muss! Siehe das Stichwort scratch.


„Tooth = Zunge“ (eiou.at): Schmerzlich müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass in England und Amerika der Begriff der „teeth“ für den tonerzeugenden und daher schwingenden Teil des Spielwerkes, die Zungen des Kammes, üblich ist. Da Zähne nicht schwingen können, bleiben wir im Deutschen bei den „Zungen“, im Englischen bei den weit verbreiteten „teeth“. Somit ist die Übersetzung des Wortes „teeth“ auf „Spielwerk-Deutsch“ „Zungen“, im anatomischen Sinn kann man „tooth“ natürlich nur mit „Zahn“ übersetzen.

1-2-1-2 oder 1-2-3-4 etc.

Siehe Sternrad

Abhang, Absenkung, slope

Siehe Senke

Abspielgeschwindigkeit

Siehe bei Windfang

acier, en acier (frz.)

Stahl, aus Stahl

Abstand zwischen zwei benachbarten Zungenspitzen, engl. tip to tip distance

Der Abstand zwischen zwei benachbarten Zungenspitzen muss umso grösser sein, je mehr Musikstücke auf der Walze gestiftet sind. So klingt zum Beispiel ein großes Spielwerk, das 12 Musikstück spielt, mit einem Kamm mit großen Abständen zwischen den Zungenspitzen, da ja Platz für elf leer durchlaufende Spuren vorhanden sein muss, dazu ein Beispiel, recht dünn. Wollen Sie raten, wie viele Muwikstücke ein Spielwerk hat, wenn es aussieht (bitte hier klicken)?

adjustable tune changer

Manuell zu betätigender Musikstückwechsel-Hebel (ohne automatisch erfolgendem Wechsel der Musikstücke). Siehe auch Musikstückwechslerwalze

ailette (frz.)

„Flügelchen“, Flügel

air brake, (governor)

the fan fly on the endless screw of the governor, Windfang

air vane

Windfang

angled cut out of the bedplate Siehe Ausnehmung der Grundplatte

angular gear

Winkelgetriebe, right-angled drive.

Antriebs-Drehmoment Siehe Kette und Schnecke

Antriebsrad

Der Boden des Federhauses greift mit seinem Zahnkranz in das Ritzel(rad) ein und treibt damit das Spielwerk an.

anvil

Anvil (wörtlich übersetzt Amboss), laut https://mbsi.org, Stichwort anvil, “The piece of steel protruding from the bottom of a cylinder musical box comb tooth which holds the damper pin and damper in place.”

Durch das Ausfräsen der Zungenspitzen von den Basszungen beginnend bis in etwa den Bereich der 3. Oktave entstehen kleine podestartige Verdickungen der Zungen, der „Ambosse, anvils“, die in Richtung zum Diskant zu immer flacher und pultförmiger werden, bis sie schließlich ganz verschwinden.

PICT+INFO

Gemeint ist also die stählerne Verdickung unterhalb der Zunge, welche sich direkt an die Zungenspitze anschließt. An bzw. auf dieser Verdickung werden die Stahl- oder Pergamentdämpfer befestigt und die Bleigewichte angelötet. Wobei das Ende eines Stahldämpfers in einem gebohrten Loch sitzt und mit einem keilförmigen Messingstift (damper pin) befestigt wird. Die Pergamentdämpfer sind daran angeklebt. Die Bleigewichte der Bässe sind darauf angelötet. Die kräftigsten Stahldämpfer bei großen Schweizer Spieldosen, z. B. von Nicole, stecken in einem Loch im Bleigewicht und sind mit Messingstiften befestigt. Bei den höheren Tönen befinden sich die Bohrungen in der Stirnseite der "Ambosse". In dieser Bohrung steckt der Stahldämpfer und wird mit einem Messingstift fixiert. Oftmals wird dieser Stift mit einem Tropfen erwärmten Bienenwachs versiegelt. Bei den österreichischen SW sind alle Dämpferarten (Pergament und Federkiel) auf den Unterseiten der Zungen im zungenspitzennahen Bereich mit Schellack angeklebt. Denn auch hier befindet sich die stählerne podestartige Verdickung, welche durch das Ausfräsen der Zungenspitzen entsteht. Im Diskantbereich verschwindet diese podestartige Verdickung, weil die Dicke der Zungenspitze immer geringer wird je höher der Ton erklingen soll. Hier gibt es keinen „Amboss“ mehr. Weil es ab einem gewissen Bereich diese podestartige stählerne Verdickung an der Zungenunterseite, also den „Amboss“ nicht mehr gibt, werden die Dämpfer dort direkt auf die Zungenunterseiten aufgeklebt. Dies betrifft überwiegend den Bereich der Federkieldämpfer. (Hans-Jürgen Eisel)

Äolsharfe

Siehe einen kurzen Artikel

arrêt automatique (frz.)

Start-Stopp-Mechanismus

Aufhänger (für die Aufzugsfeder)

Dieser hakenartig geformte Teil ist zumeist aus Stahl, extrem selten aus Messing, das für diesen Zweck zu weich ist. Recht häufig sieht man von aussen eine kreisrunde silbrig schimmernde Verformung an der Wand des Federhauses an der Stelle: das ist der Stahl des Aufhängers, der das weichere Messing zu verformen beginnt. Diese Werke wurden offenbar viel gespielt und weisen entsprechend auch einen starken Verschleiss der Zungenspitzen auf, an denen die Stifte der Walze Kerben hinterlassen haben. PICT

Aufhänger, Aufhängevorrichtung der Grundplatte (bei Vertikalmontage), engl. hanger

Durch eine Ausbuchtung am oberen Rand der Grundplatte kann ein Spielwerk vertikal montiert werden. PICT

Aufzugsbegrenzung

Um nicht das neu aufgezogene Spielwerk mit voller Federkraft, also zu schnell abspielen zu lassen und das fast ganz abgespielte gegen Ende zu langsam, verhindert das Malteserkreuz, eine Erfindung Genfer Spielwerkmacher, daher auch geneva stop genannt, das volle Aufziehen und ebenso das Abspielen schon vor dem Erlahmen der Federkraft.

Aufzugsdorn

„spring arbor“, engl., wörtlich übersetzt „Aufzugsfeder Dorn“, Federkern, mit dem Sperrklinkenrad. Unterschiedlich stark und lang dimensioniert, bei Olbrich-Werken manchmal mit einer (römischen) Nummer versehen, („Dornnummer“), da offenbar gesamte Federhäuser bei Zulieferfirmen bestellt wurden.

Aufzugsfeder

„main spring“, „ressort“ (frz.), mit zwei Ausnehmungen für den Aufhänger (aus Stahl) am Federhaus (aus Messing) und den Mitnehmer am Dorn. PICT. Rzebitschek-Aufzugsfeder: PICT.

Aufzugshebel

Ein solcher findet sich beim Ratschenaufzug, der bei österreichischen Spielwerken nicht üblich war. Selten sieht man Umbauten, die teilweise gar noch aus der Entstehungszeit des Spielwerkes zu stammen scheinen, offenbar Einzelanfertigungen auf besonderen Wunsch des Kunden. Einen serienmäßigen Einbau von Aufzugshebeln hat es jedenfalls nicht gegeben.

Aufzugslöcher, verschließbare, rod control for opering und closing the winding squares

... schützen das Innere der Bilderuhr und damit auch das Spielwerk vor Verstaubung.

Aufzugsschlüssel

Siehe Spielwerkschlüssel

Ausklappbare Seitenwand

Siehe drop flap, siehe endflap

Ausnehmung (-kerbe) unten am Kammträger

Siehe Kammträgerkerbe

Ausnehmung (-kerbe) unten am Walzenkloben (cylinder bearing)

Ausnehmung oder Kerbe (die vorne spitz zulaufen muss) am Kloben zur Erleichterung der Entnahme durch einen Schraubenzieher. PICT. (Auch bei Wiener Spielwerken).

Austauschwalze, rechange cylinder

Bis etwa 1880, komplizierter Walzenwechsel, der oft nur vom Uhrmacher durchgeführt wurde. In der Zeit nach 1880 wurden die leicht auch vom Besitzer vorzunehmende Wechselwalzen modern.

Zu einer Übersicht Walzenwechsel.

Austauschwalze, Tauschwalze, rechange-cylinder

Die zu Scheizer Spielwerken mitgelieferten zusätzlichen Walzen, deren Platzbedarf oft die Anfertigung eines eigenes Möbelstück er erforderlich machte, konnten nur dirch einen Fachmann getauscht werden, der das erforderliche Werkzeug besaß. Die rechange cylinder kam vor 1870 auf und konnten sich nicht durchsetzen, im Gegenteil zu wesentlich späteren Wechselwalzen. Bei diesen kann durch eine spezielle (patentierte) mechanische Vorrichtung der Walzenwechsel von Laienhand vorgenommen werden.

Von den Austauschwalzen-Spielwerken aus Wien hat sich zumindest ein bekanntes Exemplar erhalten: PICT. Auch unter den Schweizer Spielwerken sind solche Spielwerke selten, sodass nur zwei Beispiele genannt werden können: Die Bremond-Spielwerke 12779 und 13444.

barillet (1) (frz.)

Federtrommel, Federhaus

barillet (2) (frz.)

„Kurzwalzenspielwerk“, deren Walze kürzer ist als die Länge des Spielwerkes, zum Einbau in Schnupftabaksdosen. Die Konstuktion ist sehr platzsparend: Die Stifte sitzen außen an der Federtrommel!

barrel of the spring

Federhaus

Bass-Mandoline

Siehe Organocleide

Basszungen auf der rechten Seite

Bei Spielwerken aus Prag und Wien befinden sich die Basszungen zumeist auf der rechten Seite, während sie bei den Schweizer Spielwerken links sind. Fragt sich nur: Wo ist rechts?

Baumschwamm

Als Baumpilze werden im weitesten Sinne alle Pilze bezeichnet, die Holz besiedeln und abbauen (Xylobionten). Diese Pilze werden wissenschaftlich als lignicole Pilze bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine sehr große ökologische Gruppe, die Arten verschiedener Pilzgruppen einschließt. Möglicherweise wurden statt den Korken, die in die Walzen Wiener Spielwerke zu deren Stabilisierung eingeführt wurden, gelegentlich auch Stückchen von Baumschwamm oder Zunderschwamm verwendet.

bayleaf-teeth

Wörtlich übersetzt Lorbeer-Zähne

bearing

Wörtlich übersetzt: Träger. Siehe Kloben

bed plate

Grundplatte

Beilagscheibe (bei der Kammschraube)

„comb washer“, Beilag-, Zwischen- oder Unterlegscheibe, stets aus weicherem Metall als die zu verbindenden Teile, sie soll eine bessere ‎Verteilung der Andruckkraft auf den Kamm erzielen. Bei österreichischen Spielwerken in den allermeisten Fällen fehlend. Die (wenigen) Ausnahmen bestätigen die Regel: PICT

Bestiftungsschablone

Bei der Übertragung eines Musikarrangements auf eine weitere Walze muss eine Schablone verwendet worden sein, die man heute als Bestiftungsschablone bezeichnen würde. Wie dieses Hilfsmittel damals genannt wurde, ist nicht überliefert.

Es kann auch durchaus vorkommen, dass zeitnah angefertigte Spielwerke wie etwa Rzebitschek-Nummern 718 und 1116 dieselben Musikstücke aufweisen.

Bilderuhren

In Bilderuhren fanden in Frankreich, in der Schweiz und in Österreich viele Spielwerke ihr Zuhause.

Im AAIMM-Journal N° 69, Musiques Mécaniques Vivantes, 1. Trimester 2009, beschreibt J.-P. Arnault Bilderuhren mit Walzenspielwerk, die Napoleon auf Schlachtenbildern darstellen. (Das mechanische Musikinstrument, Nr. 105, 2009, S. 56)

In Österreich erwarben sich zuerst Prof. Kristian Sched und dann im Gespann mit Lilly Setzer große Verdienste um die Erforschung qualitätsvoller Uhren im Allgemeinen und von Bilderuhren im Besonderen. Sie haben ab Ende der 1970-er Jahre bzw. ab etwa 2010 ein in dieser Reichhaltigkeit nicht für möglich gehaltenes Angebot zusammengetragen und viele Daten nd wertvolles Bildmaterial für die Nachwelt gerettet.

Last but not least hat der wohl bedeutendste lebende Uhr- und Uhrmacherforscher, Stephan Andréewitch, ab 1979 Bedeutendes geleistet: Er hat schon viele Millionen (!) an genealogischen Daten gesichtet, um 2021 ein Fachbuch über Wiener Uhrmacher herauszubringen. Auch Andréewitchs Schwerpunkt seines Antiquitätenangebots sind antike hochwertige Wiener Uhren.

Bilderuhren aus der Zeit vor oder um 1830 weisen, wenn sie österreichischer Proveninz sind, zumeist Sektionalkammspielwerke aus Wien auf, und die Musikwerke in deutschen Bilderuhren kommen zumeist aus der Schweiz.

Bimetallkorrosion (Kontaktkorrosion, galvanische Korrosion)

Bimetallkorrosion ist eine elektrochemischer Vorgang zweier verschiedener Metalle, bei den Spielwerken des Kammes aus Eisen mit dem Messing des Kammträgers.

Allerdings gibt es noch eine dünne Zinnschichte zwischen dem Kamm und dem Messing, und eine weitere Schichte Lot, welche die Bleigewichte an dem Basszungenbefestigen. Es gibt also in dem Kamm-Kammträger-Verbund insgesamt fünf Metalle, sodass eine Bimetallkorrosion im engeren Sinne bei Spielwerken nicht vorliegt.

Fest steht, dass das Messing des Kammträgers nicht leidet, sondern leider ausgerechnet der tonproduzierende und auf jeden Schwund seiner Masse mit einer Erhöhung des Tones reagierende Kamm. Beim Rostvorgang entsteht ein galvanisches Korrosionselement, vergleichbar mit einer kurzgeschlossenen Batterie: Infolge des erzeugten Stroms wird der weniger korrosionsbeständige) Werkstoff (der Kamm) durch Elektrochemisches Abtragen zerstört.

Bei fortgeschrittener Korrosion ist der Kamm nicht mehr zu stimmen und damit unwiederbringlich zerstört: PICT

blanks, ébauches, Rohwerke, roulants

Einige Hersteller wie zum Beispiel Edmund Fornachon lieferte auch oder überwieged Rohwerke aus, bei denen auf der Grundplatte Walze und Kamm schon vormontiert waren. Die Bestiftung musste noch vorgenommen werden. Siehe eine kleine Zusammenstellung zum Thema Rohwerke

Bleifraß

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Hadernpapier (von Lumpen) durch Holzschliffpapier abgelöst, da die Nachfrage nach Papier enorm stieg. Holzpapier ist billiger, aber es zerfällt und vergilbt schnell und ist auch oft nicht säurefrei. Blei wird jedoch durch Säuren sehr stark angegriffen, dagegen durch alkalisches Milieu eher konserviert.

Durch die Verbindung von Blei mit Kohlendioxid entsteht weißes Bleikarbonat. Eine saure Atmosphäre, wie sie etwa in einer Essigfabrik herrscht, kann das Blei völlig zerfressen. Bei den Gewichten oder „Bärten“ der Spielwerkzungen ist der Bleifraß bei den einzelnen Zungen unterschiedlich ausgeprägt, das eine Gewicht kann mehr, das benachbarte weniger, und dessen Nachbar wieder stärker befallen sein.

Bleigewicht (engl. resonator)

Von der Grösse des Bleigewichtes hängt die exakte Tonhöhe ab. PICT+INFO

Bleigewicht der letzten Basszunge, lowest tooth tuning weight

Dieser Spielwerkteil ist öfters ein wichtiger Informatationsträger, da in ihm öfters die Musikzahl eingeritzt wurde. Seltener haben auch sich hier auch Arbeiter wie z. B. Rzebitschek, Petak, Tichy verewigt.

Wenn ein Bleigewicht breiter als die Zunge ist, wie dies bei der letzten und damit längsten Basszunge manchmal vorkommt, wird der Ton dadurch besonders hoch oder tief?

blued steel screws

Gebläute Stahl- (Kamm-) Schrauben

Boden des Spielwerkfaches

Da sich am Boden des Spielwerkfaches manchmal der Musikzettel (oder dessen Reste) mit den Musiknummern befindet, darf man eine genaue Inspektion nicht auslassen. Manchmal sieht man auch nur einen unscharf begrenzten etwas helleren rechteckigen Fleck, der dadurch zustande kommt, dass das Holz etwas weniger gebräunt ist. An dieser Stelle befand sich ursprünglich der Musikzettel, der sich jedoch abgelöst hat. Eine peinlich genaue Inspektion der Löcher für die Schrauben ist ebenfalls von Nöten. Manchmal verrät sich der Austausch eines Spielwerkes nur dadurch, das eine einzige Schraube nur einen Millimeter daneben positioniert ist, was man allerdings mit Beilagscheiben eventuell perfekt kaschieren kann! Spuren eines Austausches des Spielwerkes kommen gar nicht so selten vor, wenn man nur ganz genau hinsieht. Von einem besonders krassen Fall gibt es ein Bild: PICT

bois durci

Bois Durci moulded cases, with horn cover to movement, with moulded designs on the lid. See also ebonite.

Genau genommen ist allerdings bois durci etwas anderes, nämlich eine Erfindung von François Charles Lepage aus dem Jahr 1855. Aus Sägemehl und Albuminen, einfachen Proteinen, lässt sich nach einem speziellen Herstellungsverfahren gehärtetes Holz herstellen.

So genanntes bois durci ist also ein Produkt aus Naturkautschuk, echtes bois durci ein Produkt aus Sägemehl.

Bolzen in der Nähe des Großen Walzenrades ...

... gibt es drei:

1.) Der erste befindet sich am Start-Stopp-Hebel, in eine Rille auf der Aussenseite das Großen Walzenrad eingreifend, PICT, PICT.

2.) Der „Walzen-Mitnehm-Bolzen“ auf der Innenseite des Großen Walzenrades, PICT.

3.) Auf der Aussenseite des Walzendeckels ist der Verschubbolzen, der vom Sternrad gesteuert wird, PICT.

box

Siehe Kassette

bracket

Kloben

brass bed plate

Messing-Grundplatte

brass rosette comb washers

Siehe Beilagscheibe

Brücke

Beide Kloben bilden zusammen funktionell eine Brücke, eigentlich Überbrückung, die an der Grundplatte angeschraubt ist.

Brückenfuß

Kloben

Brückenkammträger

Siehe Kammträger

cabinotier

Worterklärung

cage

„Käfig“, Windfanggetriebe

cam

Nocken. Siehe Sternrad

cam tooth

Eine Zacke eines Sternrades, siehe dort

cam step

Niveaustufe eines Sternrad-Nockens, siehe Sternrad

cap plate

Decksteinplatte

Carillon

Glockenspielwerk (bei Barockuhren). Keeß und Blumenbach bezeichneten jedoch auch noch 1823/1830 die Kammspielwerke als Carillons

Cartel-Spielwerke

Unter Cartel-Spielwerken verstand man im 19. Jahrhundert solche, die größer als die kleineren Tabatieren-Spielwerke waren und in Wanduhren vom Carteluhren-Typ eingebaut wurden. Aufzugsdorn- und Walzenwelle sind parallel angeordnet, man spricht von einem „stehendem Federhaus“. Anfänglich waren die Basszungen auf der Windfangseite, also rechts, wie bei den österreichischen Spielwerken, zu finden. Bald wurde die sonst übliche Bauweise der Schweizer Spielwerke übernommen, das heisst, die Basszungen wanderten auf die linke Seite in die Nähe des Federhauses. Um die Begriffsbestimmung hat sich Paul Bellamy große Verdienste erworben.

Cartel-Werke aus der Produktion von Junod, Aubert & Cie (J.A.C.) wurden mit dem Begriff „Cartel-Werke aus der Jura-Region“ beworben. (Bellamy, Paul, The Nicole Factor, S. 247; Paul Bellamy, in DMM 116, 2013, S. 67; Paul Bellamy, The origins of the musical box)

Cast frame

Gusseisengrundplatte

Carteluhr

Wanduhr

cast iron bedplate

gusseiserne Grundplatte

Castagnetten, castanets, castanettes

Kastagnetten, nach dem französischen Wort castagnettes, spanisch castañuelas) sind paarweise zu spielende muschelförmige, meist hölzerne Klappern von etwa fünf Zentimetern Durchmesser, die zur rhythmischen Begleitung geeignet sind. Das Perkussionsinstrument besteht aus zwei schalenförmig ausgehöhlten Muscheln (conchas), die normalerweise aus Hartholz gefertigt sind, heute aber oft auch aus glasfaserverstärktem Kunststoff hergestellt werden. Mit dem an einem Ende angebrachten Band, das die beiden Kastagnettenblätter lose miteinander verbindet, werden die Muscheln an einem Finger (in der Regel am Daumen, befestigt. Mithilfe der anderen Finger lässt man die Schalen schnell und rhythmisch gegeneinanderschlagen.

In den Spieldosenbau, PICT, zogen eine Vorrichtung, die den Kastagnettenklang mehr oder weniger gut simuliert, etwa irgendwann nach 1860 Einzug. Ein genaues Jahr können wir leider nicht angeben.

Chatulle (Schreibweise der „Schatulle“ im frühen 19. Jahrhundert)

Siehe Kassette

click

Sperrklinke

click spring

Sperrklinkenfeder

change lever, (repeat lever)

Musikwechsler, Musikwechselschieber

change snail

Sternrad

chevron

Schwalbenschwanzkamm

Chor-Effekt

Siehe voix celeste

cock plate

Decksteinplatte

cogwheel

Wörtlich übersetzt „Zahnrad“, gemeint ist das Ritzelrad, das Gegenstück dazu ist der Hohltrieb oder Laternentrieb

coquelet

„junger Hahn“, Decksteinplatte

comb

Kamm

comb base

Kammträger

comb base (inside)

Innenseite des Kammträgers

comb washer

Beilagscheibe (bei der Kammschraube)

comb with three screws

Spielwerke mit drei Kammschrauben

counting tags

Strichmarkierungen

crank (engl.) Siehe Kurbel
crank lever (engl.) Siehe Kurbel
crank handle (engl.) Siehe Knauf

crochet de tambour (frz.)

Aufhänger, wörtlich übersetzt „Haken des Zapfens zum Verschließen des Spundlochs des Federhauses“, von aussen als kreisrunde silbrige „Verfärbung“ der Wand des Federhauses erkennbar. PICT

croix de Malte (frz.)

Malteserkreuz

cylinder

Walze

 

cylinder bearing, cylinder bridge

Walzenkloben

cylinder cover plate, end of cylinder

Siehe Walzendeckel

cylinder end cap

Siehe Walzendeckel

cylinder pins setting device

Walzenstiftsetzmaschine

Dämpfer (PICT)

Auf der Unterseite der Zungenspitze sind kleine Lamellen aus Federkiel oder Pergament angeklebt. Diese haben im Normalfall keine Funktion, bzw. erst dann, wenn knapp nach dem Anriss der Zunge noch weiterer erfolgt. In diesem Fall berühren die Stifte zuerst die Dämpfer, die das Schwingen der Zungen beenden, sodass in zweites bzw. weiteres Mal in sauberer Ton erklingen kann.

Wenn die Dämpfer verschleissen oder ganz verloren gehen, bemerkt man das an den Dämpfergeräuschen. Auch das Säurebad, in das manche unerfahrene Uhrmacher die Spielwerke legen, tut den Dämpfern nicht gut. Mit Pech werden sie aufgelöst und müssten dann alle erneuert werden. Dies ist eine Arbeit, die viel Erfahrung und Übung erfordert. Wird zur Herstellung der Dämpfer modernes Plastikmaterial verwendet, kommt es sehr auf dessen Steifheit an, und vor allem auf den Erfahrungsschatz des Spielwerkrestaurators im Umgang mit dem neuzeitlichen Material. Weitere Details mit weiteren Bildern siehe in einer diesbezüglichen DOKU.

Dämpfer aus Messing

Die Verwendung von Messingdämpfern gab es nur während einer kurzen Episode in der Kammspielwerkgeschichte. Mit diesem Metall wollte man die Dämpfergeräusche eliminieren, bemerkte aber sehr schnell, dass die weicheren Messingdämpfer eine sehr kurze Lebensdauer hatten. Daher ging man schnell wieder auf Stahldraht über.

Deckstein

„jewel“, „garnet“, „endstone“, „rubis“: Kleines Halbkügelchen aus rotem Glas, (kein echter Rubin!), für die Welle des Windfanges, PICT. Bei Schweizer Spielwerken findet sich öfter ein türkisfarbiges Glas, das in Prag und Wien nicht verwendet wurde.

Decksteinplatte, Deckplättchen, cap plate, cock plate, jewel plate, coquelet (frz.)

kleine, den Deckstein haltende Platte am oberen Windfangkloben.

Manchmal ist das Deckplättchen recht massiv ausgeführt, wie z. B. bei einer Spieldose mit der Nummer 2701, Design der Musiktafel: Links eine Dame mit Noten in der Hand und rechts ein Harlekin, beide mit Spitzhüten.

détente

Start-Stopp-Hebel

detente

Sperrklinke

diamond shaped

tune sheet

Dicke Walze

Eine stärker dimensionierte Walze als sonst üblich erlaubt eine längere Spieldauer. Dadurch können eventuell zwei Musikstücke pro Umdrehung erklingen. Diese Neuentwicklung begann in der Schweiz, z. B. bei F. Lecoultre, und kam von dort aus auch nach Böhmen und Wien.

Distanz zwischen den Zungenspitzen, tip-to-tip-distance

Bitte hier klicken

Distanzhalterscheibchen (distance piece, spacer)

domed brass comb washer Spielwerke wurden zumeist nicht direkt auf den Boden der Spielwerkfaches, auf den Rahmen einer Bilder oder in die Kassette angeschraubt, sondern aus Gründen der besseren Klangentfaltung in einem Abstand von etwa vier bis sieben Millimeter, und zwar durch die EInfügung von kleinen hölzernen Scheibchen bzw, Beilagscheiben.

Bei manchen Spielwerken können die Gewichte der Basszungen, wenn sie angezupft werden, sogar über die Grundplatte hinausragen. Wenn diese direkt auf die Unterlage geschraubt wurde, klingen die Bässe nur sehr schlecht. In solchen Fällen hilft eine nachträgliche Montage von Distanzhalterscheibchen. Siehe auch Stelzenmontage.

domed brass comb washer

Gewölbte Messing-Beilagscheibe für die Kammschrauben (wurden nur in der Schweiz und eventuell auch in Frankreich verarbeitet), nicht jedoch in Böhmen und Wien

„Doppelte Basszunge“, („Basszahn“ sollte eher vermieden werden, weil ja Zungen beweglich sind und Zähne nicht, engl: „double bass comb tooth“, „last bass comb tooth with two tips“) / „dreifache“ Basszunge

Wenn die letzte Basszunge etwa doppelt so breit wie die anderen Zungen ist und statt einer Zungenspitze deren zwei aufweist, spricht man von einer „Doppelte Basszunge“. Die entsprechenden Stifte auf der Walze sind jedoch nur für die innere (linke) Zungenspitze vorhanden, ein Belegstück dafür, dass die äußere (rechte) auch angezupft wird, hat H.-J. Eisel wurde noch nicht gefunden.

The term „double bass tooth“ should rather be avoided, because while the comb teeth are movable and cylinder pins are not, better is „double bass comb tooth“, (Rzebitschek: „lowest bass comb tooth with two tips“) (Translation: Bill Wineburgh).

Eine „dreifache“ Basszunge ist eine besonders breite letzte Basszunge: PICT

Siehe auch den Übersichtsartikel „Besonders schmale oder dünne Walzen und Zungen

Dorn

Aufzugsdorn

Dornnummer

Nummer in römischen Ziffern auf dem Aufzugsdorn

double bass comb tooth

See „Doppelte Basszunge“

„Drahtdämpfer“, besser Stahldämpfer,

wie bei den Schweizer Spielwerken üblich waren gibt es bei österreichischen Spielwerken nicht. Siehe „Etouffoirs ...“

„Dreifache“ Basszunge,

PICT, siehe auch oben bei der „doppelten Basszunge“

„Dreiohren-Grundplatte“

Gusseisen-Gundplatten (cast iron bedplates) müssen nicht rechteckig sein, sie können auch drei Ausbuchtungen aufweisen.

An der Seite, wo sich die Feder und der Aufzugsteil befinden, sind immer die beiden Ausbuchtungen, weil dort durch die Beanspruchung durch die Kräfte für den  Aufzug eine solide Befestigung mit dem Schatullenboden mit zwei Schrauben nötig ist. Gegenüberliegend reicht eine Schraube. PICT

Die Aussparungen für die Schrauben sind gleich mitgegossen! Das erspart den Arbeitsschritt des Bohrens der drei Löcher in die Grundplatte, was zudem in Gusseisen problematisch ist, da das spröde Material schlecht bearbeitbar ist und die Gefahr des Zerspringens besteht. (Hans-Jürgen Eisel)

An manchen Dreiohrengrundplatten ragen die Ohren über das Niveau der Grundplatte nach unten hinaus, d.h. sie sind dicker als die Grundplatte. Damit werden die Distanzscheiben eingespart, damit die Grundplatte nicht direkt auf  dem Schatullenboden aufliegt. Die Grundplatte hat somit nur an drei Punkten Kontakt mit dem Schatullenboden und das ist vorteilhaft für die Übertragung der Schwingungen (was wieder ein eigenes Forschungsobjekt wäre).  Wenn die Ohren keine dickere Stärke als die Grundplatte haben muss Distanz zum Boden geschaffen werden, das erfolgt meist durch Holzleisten oder Holzscheiben. (Hans-Jürgen Eisel)

Wurde bisher Dreiohren-Grundplatten fast nur bei Wiener gefunden. Bei den Prager Spielwerken siehe bei der Firma Maly die Nrn. ab 7192.

Die Wiener Spielwerkfabrikanten kauften bzw. bestellten offenbar die Gußeisen-Grundplatten bei einer der zahlreichen Metallgussfirmen. Die Durchbohrung einer eisernen Grundplatte zwecks Befestigung der Kloben für Federhaus, Walze und den Windfangblock ist um einiges mühsamer als bei solchen aus Messing.

drive bar

Verschubbolzen, siehe beim Musikwechsel-Mechanismus und Walzenverschub

drive pinion = drive wheel

Ritzel(rad)

drop flap box

Kassette, bei der der linke Seitenteil ausklappbar ist, hinter dem eine Trennwand mit einer Ausnehmung für den Aufzugsdorn und der Aufzugsschlüssel und auch die drei Regulierungshebel verborgen sein können. Eine solche Konstruktion der Originalkassette kommt bei Spielwerken aus Prag und Wien serienmäßig nicht vor. Selten kann hier auch eine Bildschmuckplakette angebracht sein: PICT

ébauches

Siehe blanks

Ebonit, ebonite

Ebonit ist aus Naturkautschuk und Schwefel hergestellter besonders harter Gummi, der gut spanabhebend bearbeitet werden kann. 1851 wurde Ebonit von Charles Goodyear zum Patent angemeldet. Der Name des fast schwarzen Werkstoffs nimmt auf Ebenholz (englisch ebony) Bezug. (Wikipedia). See also bois durci

edge of the bedplate

Siehe Seitenfläche der Grundplatte

end of cylinder

Siehe Walzendeckel

endflap

Die ausklapbare linke Seitenwand des Holzgehäuses der Spieldose

endless, endless screw

Siehe Schnecke
Spiral-geared shaft driving the air-vane

endless screw fan

Windfang

endstone

Deckstein

Engelsstimmen

Siehe voix celeste

Erratische Bestandteile

sind eigens eingebaute, vermutlich für einen bestimmten Zweck bestimmt gewesene Teile, die jedoch keinen Kontakt mit anderen Bstandteilen des Spielwerke (mehr) haben und daher funktionslos (geworden) sind. Sie irren im Spielwerk herum, (lat. errare, herumirren). PICT

escutcheon

Schlüsselschild, PICT

étouffoirs en acier, soit a spiraux, (s'étouffer, frz., ersticken; acier, frz., Stahl)

Siehe Drahtdämpfer, Stahldämpfer, frei übersetzt „Dämpfer aus Stahl, nämlich in Spiralform“. Diese umständliche Ausdrucksweise soll zum Ausruck bringen, dass es sich um eine besonders gute Technologie handelt, und um ein haltbares Material, und nicht nur um leichter verschleissende Federkieldämpfer, wie sie in Wien und Prag verwendet wurden. PICT

expressif, expression

Anderer Name für den Fortepiano-Effekt bei Henri Lecoultre, bei andere Herstellern nur ein Hinweis darauf, dass man das besonders ausdrucksvolle Arrangement durch eine Ausfertigung der Walze mit verschieden langen Stiften, die Töne unterschiedlicher Lautstärke produzierte, erzielen wollte. Manchmal hat man den Eindruck, dass EXPRESSIF auch nur als Modewort gebraucht, ohne dass bei der Anfertigung der Spieldose besondere Techniken zur Anwendung gekommen wären.

fat cylinder

Siehe Dicke Walze

Feder

1.) Aufzugsfeder PICT
2.) spiralförmige Walzenfeder zur Verschiebung
3.) lamellenartige Feder für den Start-Stopp-Mechanismus
4.) lamellenartige Feder für die Sperrklinke des Start-Stopp-Mechanismus
5.) lamellenartige Feder für die Sperrklinke des Federhauses.


Stahlfeder

In den Jahren 1834 (nicht 1824) und 1859 verwendete Anton Olbrich den Ausdruck Stahlfeder für die Zungen, auch Einsidl gebrauchte 1850, bei Eröffnung seiner Fabrik, den selben Ausdruck. Noch 1885 bezeichnete sich Alois Bartl als Erzeuger von Stahlfeder-Spielwerken!

Die allererste Verwendung des Wortes „Stahlfeder“ geht auf Keeß 1823 zurück! Von ihm dürfte Olbrich den Ausdruck übernommen haben.

Federfett

Nur wenn die Feder gut eingefettet ist, funktioniert sie geräuschlos. PICT

Federhaus / barrel of the spring / spring house / spring motor

„Spring motor barrel“, „Federtonne“, bei Olbrich-Werken mit Werknummern unter 4000 mit einer Rille nahe dem Zahnkranz, deren Funktion unklar ist. Im Federhaus ist die Aufzugsfeder, die eine Spannung benötigt, um das Spielwerk abzuspielen.

Der Zahnkranz auf der walzennahen Seite des Federhauses überträgt seine Kraft auf das Ritzelrad.

Meistens ist die Lötfuge des Federhauses nur schwer zu erkennen, manchmal sieht man sie aufgrund des veränderten Korrosionseverhaltens jedoch sehr schön: PICT

Wenn die Sperrklinke nach unten gedrückt wird, entspannt sich die Feder schlagartig. Sollte der Schlüssel auf dem Aufzugsdorn stecken, kann er die Finger der Hand des Restaurators empfindlich verletzen.

Ein integrierender Bestandteil bei allen österreichischen Spielwerken sind zwei Kartonscheiben, die Vibrationsgeräusche vermeiden sollen. Rzebitschek-Spezialist Hans-Jürgen Eisel fand vor allem solche mit dem so genannten alten deutschen sowie französischen Blatt.

Und was passiert, wenn der er runde Spielkarten-Ausschnitt bei einer früheren Reparatur irrtümlich entfernt wurde? Wenn eine Federwindung den Deckel oder den Boden des Federhauses berührt, kann es beim Abspielen unangenehm „klirren“ und „scheppern“, wobei vor allem die Basszungen betroffen sind und Resonanzgeräusche verursachen. H-J. Eisel weiß Abhilfe: Es müssen zwei Kartonscheiben, am besten wieder Ausschnitte einer Spielkarte, eingelegt werden, eine zum Federhausboden und die andere zum Federhausdeckel. Wenn auch nur eine fehlt, kann es zu den beschriebenen Nebengeräuschen kommen. Bei Olbrich wurden auch Skatkarten (der Firma Koller in Wien) gefunden.

Umlaufendes Federhaus, wie man es bei der überwältigenden Mehrheit der Spielwerke vorfindet, dreht sich das das Federhaus samt dem Zahnkranz. Das Gesperre ist aussen, das Maltereserkreuz innen.

Festes Federhaus: Hier dreht sich nur der Zahnkranz, das Gesperre ist innen, das Maltereserkreuz aussen. Beispeile gibt es nur aus der Frühzeit der Spieluhrenära: PICT

Die Ausnehmung der Grundplatte für die Aufnahme des Federhauses ist zumeist muldenförmig gestaltet und mit einer Zahnkranzrille versehen.

Federhausblock

Die Gesamtheit Federhaus und Federhauskloben wurde zumeist von einem Hersteller gefertigt. PICT

Federhausboden

„innen“, walzen- und kammnahe, mit dem Malteserkreuz

Federhausdeckel

„spring barrel lid“, bei Olbrich und anderen Wiener Spielwerken manchmal mit einer (oft römischen) Nummer versehen, bei frühen Rzebitschek mit einem „H“. Die „Ausnehmung am Federhausdeckel“ (zur Entfernung des Deckels) bzw. „Ölschlitz“ (zur Zugabe von Öl, „oil slot“), ist bei Prager Werken meist drei- oder rechteckig bzw. kantig, bei Wiener Werken meist kreissegmentartig (die Seltenheit der Ausnahmen bestätigt die Regel)

Federhauskloben

Äusserer und innerer („outer“ and „inner motor bridge“), zur Befestigung des Federhauses an der Grundplatte.

Bei den frühen Spielwerken finden sich

kleinere Formen und auch, wie die folgende Abbildung eines Spielwerkes von Peter Götz zeigt,

größere rechteckige, die das gesamte Federhaus überragende Varianten.

Federhausnaher Walzendeckel

Der oft mit den Werk- (und Musik-) Nummern beschriftete Walzendeckel

Federhausnummer PICT

Nummern (mit römischen Ziffern) auf dem Federhausdeckel weisen darauf hin, dass entweder Zulieferfirmen ihre Produkte, die sie an die Brüder Stern oder an die Brüder Olbrich geliefert haben, markiert haben oder dass vielleicht eine der beiden Firmen Olbrich auch an andere Spielwerkhersteller Federhäuser samt Dorn verkauft hat. Manchmal tragen auch die zugehörigen Dorne und das Sperrklinkenrad dieselbe Markierung.

Federhausrille

Die zahnkranznahe Federhausrille ist nur bei Spielwerken von Anton Olbrich unter der Werknummer 4000 zu finden

PICT PICT

Die Funktion ist ungeklärt. Es darf angenommen werden, dass man die Mehrarbeit der Anfertigung der Rille in Kauf nahm, um einen (uns heute leider unbekannten) Vorteil zu erzielen.

Federkern

Aufzugsdorn

Federnmusik

Die neu aufkommenden Spielwerke, wie sie Antoine Favre 1796 erfunden hat, hieß ganz am Anfang, knapp nach 1800, Federnmusik, weil der Ton nicht mehr von Glocken, sondern von Stahlfedern erzeugt wurde.

Federtonne

Federhaus

Feder der Sperrklinke des Start-Stopp-Mechanismus

Sperrklinke des Start-Stopp-Mechanismus

Fiktive Namen für Werkzeuge

Siehe „Grundplattenfixator“ und siehe die „Kammheber“. PICT

Finger (Musikwechselfinger)

Musikwechsler, ANIM PICT.

Unter dem Finger ist die „Befestigungsfläche“, (ein rechteckiges Messing, das entweder unverschieblich an die Grundplatte angeschraubt wurde oder durch ein Hin- und Herschieben in oder ausser Funktion gesetzt werden kann: PICT, PICT,

oder ein rechteckiger „Schlitten“, der in einer flachen Ausnehmung der Grundplatte, der „Schlittenbahn“, beweglich montiert ist: (ANIM PICT), die Führunsnocken des Schlittens halten diesen in der Bahn: PICT

Bei den spröden gusseisernen Grundplatten (cast iron bedplates) kann die Handfläche des Fingers auch von aussen angeschraubt sein, wie ein Onlay: PICT.

Finger (Malteserkreuzfinger)

Siehe Malteserkreuz, PICT Zusammenstellung von Schweizer Spielwerkherstellern (derzeit fast Firmen)

Firm fixes

H.A.V. Bulleid verstand unter „fixe Herstellungsdaten“ oder „firm fixes“ Datierungsangaben, die sich unumstößlich auf ein bestimmtes Datum oder Jahr beziehen (zitiert nach Bellamy (2019), S. 229).

Fragt sich nur: Was ist unumstößlich? Wenn beispielsweise ein Walzer von Johann Strauß, egal ob Vater oder Sohn, im Dezember eines bestimmten Jahres uraufgeführt wurde und der erste Klavierauszug im Februar des darauffolgenden Jahres erschien, kann das Spielwerk wann entstanden sein? Im Dezember oder im Februar?

ANTWORT: Beides ist möglich. Wenn Anton Olbrich als Augen- und Ohrenzeuge der Uraufführung eine zweite Stimme herausgehört und diese auch arrangiert hat, besagte zweite Stimme aber im Klavierauszug fehlt, ist das ein Beweis dafür, dass die lithographierten Noten nicht als Grundlage gedient haben können sondern nur das Gedächtnis des Spielwerkmachers, der bei der Uraufführung anwesend war. (Helmut Kowar, persönliche Mitteilung).

Noch schwieriger ist die Situation bei Volksliedern, die in die klassische Musik eingewandert sind und dadurch eine zweite Welle der Popularität erlebt haben, wie das beim „Rákóczi-Marsch“ der Fall war.

Firmenzeichen, Firmensignete

Siehe eine Zusammenstellung von Schweizer Spielwerkherstellern in der sich viele Firmenzeochen befinden (derzeit etwa Stück)

Fixierstift

Positionsstift (dowel)

Flötenspielwerke

Zu einer Übersicht

Flugdachartiger Kamm

Ein über die Kammbasis hinausragender Kamm, häufiger bei Wiener, seltener bei Prager Spielwerken vorkommend. Dazu eIn Beispiel für ein Maly-Werk.

Flugrost

Flugrost bezeichnet bei Spielwerken eine beginnende Korrosion von Eisen oder Stahl. Die beginnende Sauerstoffoxidation auf der Oberfläche des Kammes, wie sie durch zu hohe Luftfeuchtigkeit entstehen kann, schwärzt die betroffenen Teile, sie sind von Flugrost behaftet, den man nicht mehr wegwischen kann.

Rost wird es dann, wenn er nicht nur die Oberfläche betrifft sondern tiefer ins Metall eindringt. Bei einer jahrzehntelang zu hohen Luftfeuchtigkeit rostet das Metall von außen nach innen.

Rost kann auch die Stifte der Walze betreffen. Hans-Jürgen Eisel berichtet, dass er Pins gesehen hat, welche fast nur noch aus Rost bestanden. Äußerlich noch ziemlich gut aussehend brachen sie bei Berührung brechen wie Glas, weil nur noch innen noch ein nadeldünner Rest von metallischem Eisen vorhanden war.

foot

Fuß

Fortepiano

Auf zwei verschiedenen Kämmen, einem (grösseren) Forte- und einem leiseren (Piano-Kamm) werden verschieden laute Töne erzeugt. Entweder werden die Zungen durch verschieden lange Pins angerissen, oder der Piano-Kamm besitzt leichtere Bleigewichte und dünnere Zungen und klingt deshalb leiser (INFO).

Fuß (der Spielwerkkassette), pedestal, foot

Die Standfüsse (pedestals, feet) der Spielwerkkassetten müssen es ermöglichen, den Resonanzboden frei schwingen zu lassen. PICT

Fuß (der Grundplatte), pedestal, foot

Bei gusseisernen Grundplatten sind manchmal vier Standfüsse vorgesehen, sodass keine (hölzernen) Distanzscheiben notwendig sind. PICT

Führungsnocken

des Schlittens, siehe Finger (Musikwechselfinger)

Führungsstift

Siehe Positionsstift (dowel)

Funktionslose Teile Erratika
fusee Kette und Schnecke

Galgen

Siehe Windfangkloben

Galvanische Korrosion

Siehe Bimetallkorrosion und siehe evetuell Flugrost

Gammennummer

Musiknummer

Garantie

Gab es auf Spielwerke so etwas wie eine Garantie, deren Urkunde quasi als Bestandteil des Lieferungsumfanges gewesen wäre? Wenn es das gegeben hat, wird als Garantiebeleg die Rechnung gewesen sein. Immerhin garantierte der Uhrmacher einer viersäuligen Alabastersäulen-Empireuhr zumindest ein Jahr lang, wie in einer Anzeige vom August des Jahres 1825 und in einer weiteren Anzeige vom November sowie vom Dezember desselben Jahres nachzulesen ist!

Rzebitschek versprach in einer Anzeige eine „vieljährige Garantie“.

garnet

Siehe Deckstein

gear train block

Räderwerkblock

Gebläute Zwischenscheiben oder Schrauben PICT

Gebläute („angelassene“) Zwischenscheiben oder Schrauben: Thermisch behandelter Stahl. Die Stahlteile werden dazu langsam und vorsichtig bis etwa 300° oder 400° C erhitzt („angelassen“). Das Metall überzieht sich dabei mit einer hauchdünnen, kornblumenblau schimmernden Schicht Magnetit (Fe3O4) (Watch-wiki). Gewöhnlich wird das Bläuen oder Anlassen nach dem Härten angewendet.

Gehärteter Stahl wird umso weicher, je höher man ihn anlässt (Wikipedia). Einen praktischen Wert hat diese Bläuung bei Schrauben von Spielwerken nicht, sie dient rein dekorativen Zwecken.

Es gibt auch ein Beispiele für angelassene Zungen eines Sektionalkammes

Geneva stop-work

Malteserkreuz

Geruckeltes Einschlagen einer Ziffer (oder eines Buchstaben)

wird im Englischen gerne mit stuttered (gestottert) übersetzt. Bitte hier klicken.

Gesperr

Sperrklinke , Sperrklinkenfeder und Sperrrad bilden eine funktionelle Einheit, alle müssen exakt passen, damit der Augzugsmechanismus funktionieren kann.

Geteilter Windfang

Siehe WindfangPICT

Glatzige Stellen auf der Walze

Siehe Walzenglatze

Gleichstimmungsmarken, Gleichstimmungsmarkierungen

Siehe Stimmmarken

Getriebeblock

„gear train block“, siehe Windfanggetriebe (siehe dort)

goujon

Positionsstift (dowel)

governor

Windfang, lateinisch: gubernare: leiten, lenken, regieren

governor blades

Siehe Windfang

„great wheel“

Siehe Großes Walzen(zahn)rad

grid pattern

Raster

Großes Walzen(zahn)rad („great wheel“)

Das „Große Walzen(zahn)rad“ ist auf der Walzenwelle fix montiert über das Windfanggetriebe mit dem Windflügel mechanisch verbunden. Auf der Innenseite ist noch das Sternrad (PICT) aufgeschraubt, das die Verschiebung der Walze und damit den Musikwechsel ermöglicht. PICT

Auf der Aussenseite des Großen Walzenrades ist eine Rinne („gulley“) für den Stoppbolzen am kurzen Scheenkel des Start-Stopp-Hebels.

Wenn der Stoppbolzen des Start-Stop-Hebels in eine kleine Ausbuchtung einrastet, dreht sich der Start-Stop-Hebel, sodass an dessen anderen der Windfangstopper in den Windfang eingreift und das Spielwerk zum Stillstand bringt.

Auf der Innenseite des Großen Walzenrades ist ein Bolzen für die Mitnahme der Walze montiert. Weitere Ausführungen dazu siehe die Bildlegende in PICT.

Grundplatte (bed plate)

(„bed plate“) ist meist aus Messing, „Messinggrundplatte“ („brass bed plate“), und ab etwa den 1875-er Jahren auch aus Gusseisen („cast-iron bed plate“), dessen Herstellung kostengünstiger war.

Solche Gusseisengrundplatten wurden in der Musikwerkfabrik Rzebitschek nicht hergestellt, sehr wohl aber bei den Wiener und Schweizer Herstellern und in Prag von Alois Maly.

Geriffelte (engl. reeded) Grundplatten kommen nur bei den Schweizer und franz. Spielwerken vor.

Die Ausnehmung der Grundplatte für die Walze und die Bleigewichte wird im Lauf des 19. Jahrhunderts immer grösser und entwickelt sich von einer schmalen länglichen Form, „small cut out“, die nur der noch recht schlanken Walze den Platz frei macht, bis zu einem „wide cut out“ und einer breiten polygonalen Ausformung, die auch dickere oder sogar fat cylinder aufnehmem kann und die Bleigewichte des Basses, auch „wide and joined quare cut out under bass comb leads“ genannt.

Die Seitenansichten („side of the bedplate“) der Grundplatte müssen besonders bei frühen Olbrich-Spielwerken, gelegentlich auch bei denen anderer Hersteller, genau auf das Vorhandensein etwaiger Einritzungen untersucht werden.

Wenn Bauteile wie das Federhaus oder doe Bleigewichte der Basszungen über die Unterseite der Grundplatte hinausragen, sind Distanzhalterscheibchen (distance pieces, spacer) unerlässlich.

Grundplatte: Ausnehmung (oder Wanne) für den Musikwechselschieber

Diese Ausnehmung ist entweder genau so dimensioniert, dass der Musikwechselschieber genau hineinpasst,

oder die Wanne ist zu seicht, PICT, sodass der Schieber über das Niveau der Grundplatte hinausragt,

oder zu wenig tief, sodass der Schieber die Wanne nicht ganz ausüllt, PICT.

Grundplatte: Ausnehmung für das Federhaus

Diese Ausnehmung lässt das Federhaus durch Grundplatte durchgreifen

Grundplatte: Ausnehmung für die Walze bzw. Walze und Bassgewichte (PICT)

Diese Ausnehmung lässt die Walze Federhaus durch Grundplatte durchgreifen

„Grundplattenfixator“

Fiktiver Namen eines schraubstockartigen Werkzeuges bei der Spielwerkherstellung. Es muss ein Art Schraubstock gegeben haben, in das die Grundplatte eingespannt worden ist. Hier ist von einem „Grundplattenfixator“ oder „Spielwerk-Schraubstock“ die Rede. Wie dieses Werkzeug früher benannt wurde, wissen wir nicht. PICT, PICT

gulley Siehe Großes Walzenrad und siehe Start-Stopp-Mechanismus

Gusseisen-Grundplatte, cast frame

Siehe auch Grundplatte.

Auf die gusseiserne Grundplatte werden ebenso wie wie bei denen aus Messing diverse Kloben aufgeschraubt. Bei den kleinstformatigen Spielwerken (mit zwei eng benachbarten Kammschrauben), also bei äusserst preiswerten Billigprodukten, sind bei den aus einem grauen Metall gegossenen Grundplatten auch eventuell schon Kloben ersetzende Vorrichtungen vorgesehen, sodass die Assemblierung möglichst schnell und einfach erfolgen kann.

handle (engl.) Siehe Knauf
hanger (engl.) siehe Aufhänger
Händlersignatur Vortäuschung einer Eigenproduktion durch die Signatur eines zugekauften ungemarkten Gegenstandes (wie Uhr- oder Spielwerkes)

harpe eolienne

Please, click here

Harmoniphóne

Die Firma Ducommun-Girod benannte ab etwa 1860 ihre Orgel-Spieldosen Harmoniphónes (Bulleid 323), (siehe Ducommun-Girod 1612), auch L'Épée übernahm diese Bezeichnung (samt dem Akzent auf dem Buchstaben o)!
hasp Schloss der Kassette

„Harpe Harmonique Piccolo“

Siehe quatour (unecht)

Himmelsstimmen

Siehe voix celeste

Hohldorn

Siehe die eigene Seite über Spielwerkschlüssel

Hohltrieb PICT, PICT

Laternentrieb, ist nur bei den allermeisten Spielwerken der Brüder Josef und Anton Olbrich und baugleich bei vielen von Einsidl zu finden, der sie von Olbrich direkt oder dessen etwaiger Zulieferfirma bestellt haben dürfte. Wenn man einen Laternentrieb mit einer Leiter vergleichen will, könnte man die kleinen, in diesem Fall runden „Trittbretter“ als Sprossen bezeichnen. Diese sind bruchgefährdet, ohne jedoch dass eine einzelne defekte „Sprosse“ die Funktion beeinträchtigen würde.

hooked teeth

Ab 1847 bei Spielwerken von Henri Jpseph Lecoultre: Die Zungenspitzen sind nach oben etwas abgeknickt

Inch

englisches Längenmaß, siehe Zoll, 1 in = 2,54 cm.

Innenseite des Kammträgers

Die von aussen nicht einsehbare Seite des Kammträgers, wo bei ungemarkten Spielwerken die Musiknummer eingeritzt sein kann.

inner governor wall

Senke der inneren Wand des Windfangblocks

interchangeable cylinder

Siehe Wechselwalze

iron bed plate

Grundplatte

jeu de timbres

siehe Timbre

jewel

Deckstein

jewel plate

Deckstein

Josef-Olbrich-Einsidl-Konjunktion

Zuammenarbeit oder Geschäftsbeziehung zwischen Josef-Olbrich und der Firma Einsidl

Justierloch

Da sich die Walze zum Musikstückwechsel auf der Welle verschieben können muss, ragt in den Walzendeckel ein Bolzen hinein. Dieser so genannte Walzen-Mitnahme-Bolzen reicht damit einmal etwas mehr und einmal etwas weniger in die Walze hinein. Für diesen Walzen-Mitnahme-Bolzen muss natürlich eine entsprechende (quadratische) Öffnung im Walzendeckel vorgesehen sein. Das ist natürlich auch immer der Fall, sonderbarerweise findet sich jedoch neben der Öffnung für den Walzen-Mitnahme-Bolzen eine weitere, kleiner dimensionierte Öffnung, das runde Justierloch. Mehr darüber beim PICT

Justierstift

Positionsstift (dowel)

Kamm

Der aus mehreren Sektionen oder einem einzigen Block („single section comb“) bestehende tonproduzierende Teil des Spielwerkes, der von Rzebitschek gerne als „Klavier“ bezeichnet wurde, der Herzstück der Olbrichschen „Stahlfedernharmonie“. Am Kammgriff ist der Kamm mit der Grundplatte je nach Größe mit drei bis mehr als zehn Schrauben montiert.

Man beachte auch die folgenden Stichwörter, die mit „Kamm-“ beginnen, insbesondere auch den Abschnitt, wie der Kamm angefertigt wird, wie er im Kapitel Kammfräse von Niko Wiegman beschrieben wird.

„Kammbasis-Ausnehmung“ oder „Kammbasiskerbe“ („Kammträger-Ausnehmung“ oder „Kammträger-Kerbe“)

Fast nur bei Prager, insbesondere bei Rzebitschek-Spielwerken finden sich zwei nur wenige mm lange Ausnehmungen unten an der Kammbasis sind für den Einsatz eines Schraubenziehers zur leichteren Entfernung des Kammträgers gedacht.

Vielleicht gab es sogar einen speziell konstruiertes Werkzeug, der vielleicht „Kammheber“ genannt wurde. PICT, PICT

Sehr selten ist die Kammbasis-Ausnehmung auch bei einem Wiener Spielwerk zu sehen: PICT


Die Unterseite des Kammträger findet man zumeist eine durchgehend Rille. Sie verleitet dazu, diese Art der Ausformung der Unterseite des Kammträgers mit einer Brücke, und zwar einer (sehr) breiten Brücke zu vergleichen, daher brückenartig bzw. in der Art einer (breiten) Brücke.


Wenn die Rille nicht durchgehend ausgeformt ist sondern an einer Seite geschlossen, spricht man von einem Krokodilmaul-Kammträger.


Wenn beide Schmalseiten verschlossen sind, spricht man von einer Rahmenkonstruktion der Unterseite des Kammträgers bzw. einem Rahmen-Kammträger.

Kammbock

Siehe Kammträger

Kammfräse

Wenn in eine rechteckigen Stahlplatte mit einer Fräse bzw. Säge in regelmäßigen Abständen eingeschnitten wird, entstehen die vom Kammgriff abgehenden Zungen.

Wenn, wie bei einigen Spielwerken von Rzebitschek, die Zungen leicht unregelmäßig und keinesfalls geradlinig geschnitten sind,

PICT,

könnte rein theoretisch ein krummer Schnitt mit einem diamantierten Draht in der Art eines Laubsäge durchgeführt worden sein. Allerdings hat es diesen Draht den laut Niko Wiegman im 19. Jahrhundert noch nicht gegeben. Auch in Jacots Katalog von 1899 fehlt ein solches Utensil.

Die folgende Passage ist Niko Wiegman, Spielwerkrestaurator in Hilversum, Niederlande, zu verdanken (persönliche Mitteilungen vom 24. bis 27. Januar 2019):

Zwei Sägen werden mit einem Abstandsring zusammengeklemmt. Die Dicke des Abstandsringes ist genau der Abstand zwischen den Zungenspitzen und dieser hängt natürlich von der Anzahl der Musikstücke ab. Man beginnt mit dem Bass, daher auch die zwei Spitzen der letzten Basszunge, der so genannten „doppelten Basszunge“. Dann wird die Säge an den Kamm angesetzt und diese fräst ihn aus und lässt nur die Zungenspitzen stehen.

Nach Fertigung der ersten Spitze werden die zusammengeklemmten Sägen (oder der Kamm) verschoben um die nächste Zungenspitze zu fräsen. Das Ausmaß der Verschiebung hängt von der Anzahl der geplanten Musikstücke ab.

Dann sägt man mit dem Sägeblatt die Schlitze zwischen den Zungen heraus.

Eine krumme Sägeblatt-Führung passiert dann, wenn die Säge stumpf wird und zuviel Kraft aufgewendet werden muss. Dann ist eine Zunge zu breit und die andere zu schmal. „Ich vermute, dass dann der Werkmeister die Arbeit fortgesetzt hat und der Arbeiter für den Rest des Arbeitstages Aufräumarbeiten zu erledigen hatte.“

Dann wird die Säge etwas verschoben, um wieviel, hängt wieder von der Anzahl der Musikstücke ab. Dieser Vorgangsweise wird so lange fortgesetzt bis der Kamm fertig gefräst ist.

Danach wird der Kamm gehärtet, indem der auf 850 Grad erhitzt und schnell abgekühlt wird. Dann allerdings ist der Kamm zu hart und spröde und muss daher nochmals auf 300 Grad erhitzt werden, dann hat er genau die nötige Härte. Dann erst wird das Blei aufgebracht und danach kann der Kamm gestimmt und intoniert werden.

Der Klang hängt von der Härte ab und vom Profil der Zunge. Um einen guten Klang zu erzielen bedarf es viel Erfahrung.

[Man vergleiche dazu das Stichwort Kammhärtung.]

Auf Youtube gibt es ein Video „How is it made“ von Reuge

Bei Sekunde 55 wird der Rohling gestanzt.

Bei Sekunde 60 sieht man, wie die Verengung der hohe Töne im Diskant gefräst wird, die Zungen sind schon ausgefröst, danach wird die die Spitze gefertigt.

Ende der Ausführungen von Niko Wiegman und Danksagung an ihn!

Kammgriff

Der mit den Kammsschrauben an die Grundplatte angeschraubte massive Teil des Kammes wird auch Kammgriff genannt. Auch bei einem Kamm zur Haarpflege gibt es einen Kammgriff, aus dem aber die Zinken oder Zähne ragen. Bei Spielwerken ist oft von Zähnen oder Zungen die Rede. Da weder Zinken noch Zähne schwingen können, ist der Ausdruck „Zungen“ zu bevorzugen.

Kammhärtung

In der Spätzeit der österreichischen Musikspielwerke kam ein härterer oder stärker gehärteter Stahl zum Einsatz. So wie ein Wiener Hammerklavier vom Anfang des 19. Jahrhunderts zwar leiser, aber obertonreicher, „lieblicher“ klingt, geht besonders bei den späten Olbrich-Werken der Charme des Klanges der frühen Produktion verloren. Die späten Werke spielen zwar lauter, der Klang kann jedoch oft spitz und spröde werden, besonders bei den Sopranzungen. Die Prager Werke, klanglich den Wiener sehr häufig überlegen, hielten ihr hohes Klangniveau besser als ihre Wiener Konkurrenzprodukte.

„Kammheber“

Fiktiver Namen eines Instrumentes zur Entnahme des Kammträgers, der an der Kammbasiskerbe angesetzt haben muss.

Kammkerbe

Gemeint: Kammträger- (basis-)kerbe

Kammmarke

Kammnummer oder Kammmarke

Kammmontage mit Lötzinn

Der Kamm wurde an den Kammträger und durch den hindurch auch an die Grundplatte nicht nur angeschraubt sondern auch angelötet. Spuren des Lötzinns finden sich häufig: PICT

Kammnummer

Kammnummer oder Kammmarke

Kammrille

Rille am Kammgriff am Übergang zu den Zungen

Kammsäge

Siehe Kammfräse.

Kammschraube

comb screw, gebläut oder nicht gebläut,
mit einem kürzeren oder längeren Hals,
mit zylinderförmigem Kopf,
mit planem oder kugelsegmentartigem Scheitel, mit einer Rille am Scheitel für den Schraubenzieher,
mit Markierungen (Rillen) am Kammschraubenhals:
1.) fehlend (erste Schraube, Zählung von links nach rechts)
2./3.) etc. eine, zwei (etc.) Markierungen für die zweite, dritte (etc.) Schraube PICT

Kammträger / Kammbock / Kammbasis / „comb base“

Wenn man das Spielwerk einer Portaluhr durch das Fenster der Spielwerkfaches betrachtet, lässt ein annähernd rechteckiger Messingblock lässt schon beim ersten Hinsehen auf ein Musikwerk von Rzebitschek schließen,

ein sich nach unten verjüngender Messingblock auf solche aus dem Herkunftsort Wien und eventuell auf die Firma Slawik und Preissler. PICT

Ein Stahlblock wurde bei österreichischen Spielwerken nur von Einsiedl / Sagan (Werknummern unter 1000) verwendet.

Abgeschraubt ist auf der Unterseite, die der Grundplatte zugewandt ist, eine Rille zu sehen. diese muss genau untersucht werden, ob sich ein Monogramm findet. Bisher wurde nur „JO“ gesichtet, was wohl nur Josef Olbrich heissen kann. Warum die Firma, welche die Kammträger zulieferte, die Kammträger für J. O. eigens markiert hat, ist unbekannt.

Auf der den Bleigewichten zugewandten und daher von aussen nicht sichtbaren Seite sind bei Wiener Spielwerken vor allem aus der Spätzeit oft Nummern zu finden, die entweder die Musikprogrammnummer oder die Werknummer bedeuten können. Es wurden bisher nur Nummern in den 2000-ern bis 4000-ern gefunden. Warum manchmal zwei (zumeist 4000-er) Nummern eingeritzt wurden, ist unklar. Vielleicht bestanden nebeneinander zwei unterschiedliche Nummerierungssysteme.

Der Kamm ist auf dem Kammträger aufgelötet. Das verraten Spuren des Lötzinns, die man oft auch dort finden kann, wo sie nichts verloren haben (PICT). Lockert sich diese Lötverbindung, liegt der Kamm an dieser Stelle hohl. Dadurch werden die betroffenen Zungen leiser und sie können eventuell „scheppern“, ein unerwünschtes Resonanzgeräusch. Abhilfe schafft eine Neuverlötung an dieser Stelle.

Kammträgereckausnehmung

Rzebitschek-Eck, PICT

Kammträger-Papierstreifen

Gar nicht so selten findet sich unter dem Kammträger ein Papierstreifen. Wenn dieser nur den hinteren Teil des Kammträgers unterlegt, wird der Kamm dadurch gekippt und die Zungenspitzen  werden in Richtung der Grundplatte abgesenkt. Damit werden die Zungen zeitlich eher angerissen und der Anhub, also das Anheben der Zunge durch einen Walzenstift bis zur Freigabe, vergrößert und damit die Tonstärke erhöht.

PICT

Der Papierstreifen am hinteren Teil des Kammträgers führt natürlich nicht dazu,  dass die Zungenspitzen näher an die Walze geführt werden. Aber auch die oben beschriebene Kippung führt zu der gewünschten Anhebung der Lautstärke. (Hans-Jügen Eisel)

Kammträger-Papierstreifen

Gar nicht so selten findet sich unter dem Kammträger ein Papierstreifen. Wenn dieser nur den hinteren Teil des Kammträgers unterlegt, wird der Kamm dadurch gekippt und die Zungenspitzen  werden in Richtung der Grundplatte abgesenkt. Damit werden die Zungen zeitlich eher angerissen und der Anhub, also das Anheben der Zunge durch einen Walzenstift bis zur Freigabe, vergrößert und damit die Tonstärke erhöht.

PICT

Der Papierstreifen am hinteren Teil des Kammträgers führt natürlich nicht dazu,  dass die Zungenspitzen näher an die Walze geführt werden. Aber auch die oben beschriebene Kippung führt zu der gewünschten Anhebung der Lautstärke. (Hans-Jügen Eisel)

Kassetten (Originalkassetten)

Im Gegensatz zu den Schweizer Originalkassetten, die besonders in der zweiten Hältfe des 19. Jahrhunderts aufwändig gearbeitet waren, etwa mit einem furniertem Gehäuse und mit einem Deckel mit Einlegearbeiten, sind die Prager und Wiener Kassetten zumeist aus schlichtem Fichten- der anderem Weichholz ohne Furnierung und Einlegearbeiten gestaltet. Nur die Firma Rzebitschek hatte an etwa 1875 einen (oder mehrere) Tischler unter Vertrag, die aufwändige und sehr geschmackvolle Kassetten herstellten.

Am Anfang des 19. Jahrhunderts war noch von „Schatullen“ („Chatoullen“) die Rede gewesen, eine Ausdrucksweise, die sich später verlor.

Auf der Unterseite der Originalkassetten aus Prag und Wien findet sich sehr häufig der aufgeklebte Musikzettel, von dem jedoch oft nur mehr Reste vorhanden sind. In diesem Fall findet manchmal auch ein mit Bleistift geschriebener Vermerk der Werk-und Musiknummer. Eine Einstempelung der Werknummer wie bei den Schweizer Musikwerken findet sich bei österreichischen Spielwerken nicht, und der Musikzettel (zumeist aus stärkerem Papier) ist bei den Schweizer Kassetten fast immer auf der Innenseite des Deckels angenagelt zu finden, soferne er sich erhalten hat.

Kautschuk Aus Naturkautschuk und Schwefel wurden dunkelbraune Gehäuse für kleinformatige Spielwerke hergestellt. Siehe Ebonit und bois durci
Kette und Schnecke Bei Uhren mit Federzugantrieb ist die Kraft der Zugfeder bei vollem Aufzug höher als kurz vor deren völligen Entspannung. Um diesem Abfall der Energie beim Antrieb einer Uhr entgegenwirken zu können und damit eine gleichmäßige Kraft für den Antrieb der Uhr zur Verfügung zu haben, benötigt man ein stufenloses Getriebe. Der wirksame Durchmesser (Krafthebel) der Schnecke kann genau auf die Kraftkurve der Zugfeder abgestimmt werden und erfüllt somit die mechanischen Ansprüche für die Lösung dieses Konstruktionsproblems. Als Verbindungsglied zwischen Schnecke und Federhaus wurden Darmsaiten oder Ketten verwendet. Normalerweise sind Schnecke und Federhaus gleichläufig, sie haben also die gleiche Drehrichtung. (watch-wiki)
Klavier Von Rzebitschek gerne verwendeter Ausdruck für Kamm

Kleinformatige Spielwerke

oder small size music boxes bzw. petite musiques weisen eine Kamm- oder Walzenlänge von etwa 7 cm auf, weil nur ein begrenztes Platzangebot zur Verfügung steht wie z. B. in den Schnupftabaksdosen, die eine gewisse Grösse nicht überschreiten dürfen, da sie in kein Kleidungsstück mehr passen. Die Anzahl der Zungen beträgt meist 28 bis 72, zwei bis vier Kammschrauben, zwei, drei, vier oder sechs Musikstücke spielend.

Begriffsverwirrung: Im Gegensatz zu den Kleinstformatigen Spielwerken werden die kleinformatigen small size music boxes allerdings manchmal auch als middle-ranged music boxes bezeichnet (Piguet 2004, p. 263).

Kleinstformatige Spielwerke, small size music boxes, richtig eigentlich: very small boxes

12 oder 18 bzw. 19 Zungen umfassende Spielwerke, selten nur eine, meist zwei Kammschrauben, ein einziges Musikstück spielend.

Kloben (bearing, bracket) Lagerhalter, dient der Befestigung des Federhauses, der Walze und der Windfangblockes an die Grundplatte
Knauf

Der walzenförmige Griff des Ratschenaufzuges oder rundliche Griff der Kurbel

Konjunktion

Konjunktionen, also Hinweise auf „Verbindungen“ bzw. „Kooperationen“ zwischen Spielwerkfabriken gibt es zumindest drei:

Die Rzebitschek-Maly-Konjunktion, die
Maly-Salisch&Nowak-Konjunktion und die
Josef-Olbrich-Einsidl-Konjunktion.

Kontaktkorrosion

Siehe Bimetallkorrosion und siehe evetuell Flugrost

Kontinuierliche Musikwiedergabe

Siehe plerodenique box

Korrodierter Kamm

Siehe Bimetallkorrosion und siehe evetuell Flugrost

Korrosion

Siehe Bimetallkorrosion und siehe evetuell Flugrost

Krokodilmaul-Deckplatte

Der Querbalken des Galgens der Aufhängung des Windfangschnecke und das Deckplättchen oder die Deckplatte können, wenn als Reparatur ein unpassender weil zu großer Deckstein eingesetzt wurde, auseinanderklaffen. In diesem Fall wird man an ein Krokodilmaul erinnert.

Krokodilmaul-Kammträger

Die Unterseite des Kammträger findet man zumeist eine durchgehend Rille. Wenn diese nicht durchgehend ausgeformt ist sondern an einer Seite geschlossen, spricht man von einem Krokodilmaul-Kammträger, z. B. bei einem unnummerierten Olbrich-Werk

Kurbel (crank)

Kurbelaufzug, stabförmiges (lever), an einem Ende in einem Maschinengestell drehbares Maschinenelement (crank) mit einem Knauf (knob). Am freien äußeren Ende befindet sich ein rechtwinklig auf dem Stab befestigter Handgriff (Handkurbel). Siehe auch vertical folding crank-drive

Kurzwalzenspielwerk

Barillet (2)

lantern wheel, lantern pinion

Laternentrieb, Hohltrieb

Laternentrieb

Hohltrieb

leaf spring

Blattfeder

Lederzug zum Öffnen des verglasten Staubschutzdeckels

oder leather glass-lid lifter, der oft auch mit dem Firmensignet verziert war.

levier de remontoir (frz.)) Lederzug zum Öffnen des verglasten Staubschutzdeckels

Aufzugshebel

limaçon (frz.)

wörtlich übersetzt „Schnecke“, gemeint: Sternrad, das allerdings erst ab einem 4-Musikstücke-Werk schneckenhausartig geformt ist (1-2-3-4).

longue march

Zwei oder mehr Federgehäuse und der Schnitt der dafür verantwortlichen Zahnräder ermöglichen eine möglichst lange Spieldauer. PICT, PICT

Lötlinie (Lötfuge)

Siehe Walze bzw. Federhaus

lowest bass comb tooth with two tips (Rzebitschek only)

See „Doppelte Basszunge“

Lowest tooth tuning weight

Bleigewicht der letzten Basszunge

„Magician and Temple boxes“

See „Zauberer und Tempelautomaten“

Malteserkreuz, Malteserkreuzfinge

Zumeist am Federhausboden angebrachtes Rad mit einem Finger, („male stopwork“, frz. „doigt d'arrêtage“), das in das Malteserkreuz („female stopwork“, frz. „croix de Malte“) (✠) eingreift, PICT. Damit wird ein zu starkes Aufziehen ebenso verhindert wie eine zu geringe Spannung der Aufzugsfeder. Damit wird sichergestellt, dass das Spielwerk nicht zu schnell oder zu langsam spielt. Das Malteserkreuz dient also also als Aufzugsbegrenzung.

Bei Spielwerken aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts findet man das Malteserkreuz manchmal aussen auf das Federgehäuse montiert (PICT), später setzte sich die Innenseite, also der Boden des Federgehäuses durch.

Kerbe am Malteserkreuz: Wenn am Malteserkreuz eine Kerbe zu finden ist, kann das nur eine Beschädigung sein. Eine Kerbe zur leichteren Entnahme ist nicht notwendig, weil nach Enfernung der Schraube das Malteserkreuz von selbst abfällt. Eine solche Kerbe (PICT) hat also keine Funktion! (Hans-Jürgen Eisel)

Maly-Salisch&Nowak-Konjunktion

Zusammenarbeit bzw. Geschäftsbeziehung oder Übernahme eines Warenbestandes zwischen den Firmen Maly und Salisch & Nowak

Mandoline

Siehe Organocleide

„Mandoline Expression“

Siehe quatour (unecht)

Markierungen der gestimmten Zungen am Kammträger

 

Siehe Stimmmarken

Markierungen unter dem Windflügel

Siehe die Markierung auf der Oberseite des Windfangblockes

Melodienzettel, -karte, -plakette

Da es sich nicht um Melodien, sondern um Musikstücke (die ein oder mehrere Motive oder Musikstücke eines oder mehrerer Komponisten beinhalten) handelt, siehe Musikzettel-, -karte oder -plakette.

Messingbeilagscheibe, Messingrosettenbeilagscheibe

brass screw washer, Beilagscheibe

Mitnehmer

Haken am Aufzugsdorn für die Aufzugsfeder

moderateur (frz.)

Siehe Räderwerkblock

Muldenförmige Ausnehmung der Grundplatte für das Federhaus

Siehe das diesbezügliche Foto

Musikanzeiger, tune indicator

Mechanische Vorrichtung welche auf die Nummer des jeweils gespielten Musikstückes zeigt

Musiknummer

Die Musiknummer, eigentlich Musikprogrammnummer, gibt die Nummer des Musikprogrammes an. Wenn in der Offizin des Spielwerkherstellers eine Bestellung für eine bestimmte Musiknummer einlangte, konnte mit Hilfe einer Schablone die entsprechende Bestiftung der Walze vorgenommen werden, und ein Kamm mit einer dazu passenden Stimmung hergestellt werden.
Eine lückenlose Vergabe dieser Nummern ist bei keinem Hersteller nachgewiesen und auch nicht wahrscheinlich.
Bei den späteren Olbrich-Werken sind oft vierstellige Zahlen (meist in den Viertausendern) am rechten Walzendeckel oder auf der Innenseite des Kammträgers händisch eingeritzt. Es wurde also nicht einmal ein einheitliches Nummernsystem verwendet.

Musikprogramm

Gesamtheit der Musikstücke, bei österreichischen Spielwerken also meistens 2 , seltener 3, noch seltener 4, und extrem selten mehr Musikstücke.

Musikprogrammnummer

Das Musikprogramm, zwei oder mehr Musikstücke, ist zumeist federhausnahe auf der Grundplatte eingeschlagen, bei späten Wiener Spielwerken auch oft auf dem Walzendeckel.

Musik-Sofortstopp-Hebel

Hebelvorrichtung mit der sich das Abspielen eines Musikstückes augenblicklich unterbinden lässt. Oft handelt es sich um nachträgliche, mehr oder weniger fachmännisch ausgeführte Einbauten, ein seltener Beleg einer offenbar originalen oder zumindest sehr alten Vorrichtung ist hier zu sehen: PICT

Musikstück

Ein Musikstück besteht aus einer oder mehreren Melodien oder Motiven aus einer oder mehreren Kompositionen und dauert im Durchschnitt 40 bis 60 Sekunden. Diese Limitierung ergibt sich aus der Größendimension der Walze. Umgangssprachlich wird zumeist das Wort „Melodie“ verwendet, was insoferne nicht ganz korrekt ist, weil manchmal in einem Musikstück auch zwei Melodien oder Motive vorkommen können.
Zu einem zeitgenössischen Beleg der Verwendung des Wortes „Musickstück“ (mit „ck“) beim Olbrich-Spielwerk Nr. 4859 bitte hier klicken.

Welches ist das erste Musikstück?
Dieses wird nach der Rückführung der Walze in die Ausgangsposition gespielt, das damit verbundene Geräusch ist vor allem bei Spielwerken mit mehr als zwei Musikstücken deutlich zu hören. Bei Zwei-Musikstück-pro-Umdrehung-Werken muss man manchmal sehr aufassen, um es wahrzunehmen.

Musikstückanzeiger

Der Pfeil oder Zeiger (aus Metall) zeigt auf einer Nummernskala die Nummer des Musikstückes an.

Auf die letzte Ziffer, 6, zeigend

Noch bequemer ist eine zweite Musiktafel (zumeist in verkürzter Form): PICT

Musikstückwechslerwalze

Bei einem manuell vorzunehmenden Wechsel kann der Finger durch die Sonderkonstruktion einer kleinen „Musikstückwechsler-Walze“´ersetzt sein: PICT

Musikstückwechsel-Hebel; Musikwechsler, Musikwechselschieber, change lever, repeat lever, adjustable tune changer

Manuell zu betätigender Musikstückwechsel-Hebel, siehe auch Musikstückwechslerwalze.

Manchmal findet sich am rechten Ende eine kleine konvexe Ausbuchtung oder Auswölbung,
 
deren Funktion unklar ist. Mit einem Klick auf das Bild gelangt man zu dem jeweiligen Spielwerk, einem ungemarkten Werk und der Nr. 7048-478 von Willenbacher & Rzebitschek.

Musikstückwechslerwalze

Bei einem manuell vorzunehmenden Wechsel kann der Finger durch die Sonderkonstruktion einer kleinen „Musikstückwechsler-Walze“´ersetzt sein: PICT

Musikwechsler, Musikwechselschieber, change lever, repeat lever

Bei österreichischen Spielwerken meist nicht von aussen zu bedienen, wurde er fabriksmäßig stets auf „Wechsel“ eingestellt.

Musikwechselmechanismus, Musikwechselhebel

a) „Sternrad“, engl. snail, das allerdings erst ab einem 4-Musikstück-Werk wirklich schneckenhausartig geformt ist (1-2-3-4). Wenn der „Stern“ vier Zacken mit unterschiedlichen Niveaustufen aufweist, können zwei oder vier Musikstücke abgespielt werden: 1-2-1-2 oder 1-2-3-4. Siehe das Stichwort „Sternrad“. PICT

b) „Finger“, der am Musikwechselhebel montiert ist und das „Sternrad“ weiterdreht und damit den Wechsel der Musikstücke bewirkt

PICT

c) „Verschubbolzen“, „register bar“, „drive bar“, zylinderförmiger Stift am Walzendeckel, durch den der „Melodienwechsler“ (= das „Sternrad“) den Verschub der Walze auslöst, falls die

d) „Spiralfeder“ genug Spannung hat und die Teile nicht verharzt oder verschmutzt sind. Bei den frühen Spielwerken finden sich auch Blattfedern, wie ein Beispiel zeigt.

Musikwechsler, Musikwechselschieber, change lever, repeat lever

Bei österreichischen Spielwerken zumeist nicht von aussen zu bedienen, wurde er fabriksmäßig stets auf „Wechsel“ eingestellt.

Musikzahl

Zahl

Musikzettel, Musikkarte, Musiktafel, Programmzettel, Musikplakette (aus Metall)

Der Musikzettel (auf dünnem Papier) wurde bei den österreichischen Spielwerken bei Rahmen- oder Bilderuhren (frame or picture clocks) seitlich auf das Gehäuse bzw. auf innen auf die Hinterwand geklebt, bei Portaluhren auf der Innenseite des hinteren Verschlussdeckel des Spielwerkfaches montiert.

Musikzettel (auf dünnem Papier) kommen auch bei den Schweizer Spielwerkenkassetten vor, viel öfter handelt sich es jedoch bei diesen um

 

Musikkarten oder Musiktafeln (aus deutlich stärkerem Papier bzw. dünnem Karton, „tune card“, „tune sheet“, besser [Musik-] Programmzettel, „programme sheet“, Ord-Hume S. 79), wie sie sich sich bei österreichischen Spielwerken nicht finden. Sie sind an die Innenseite des Deckels mit vier Ziernägeln montiert. Besonders luxuriös sind die

 

Musikplaketten aus Messing mit Gravur der Komponistennamen bzw. der Titel der Musikstücke oder Opern, aus denen diese stammen. Man findet diese zumeist auf der Innenseite des Deckels des Kassette (oft mit einem Spielwerk von Nicole Frères oder anderer besonders aufwändiger Werke anderer Hersteller), wo sie mit vier kleinen Schrauben befestigt sind.

 

Für eine Musikplakette aus ZInn gibt es ein schönes Beispiel einer Spieldose von Nicole Frères.

 

Nieten

Eine gebrochene Aufzugsfeder kann man weder kleben, schweissen, löten und sollte man auch nicht unbedingt erneuern, wenn dies nicht aus anderen Gründen ratsam erscheint.

Nieten ist die einzige schonende Möglichkeit, die beiden Bruchstücke dauerhaft miteinander zu verbinden. (H.-J. Eisel)

Notationslinien

Zirkulär rund um die Walze laufende Hilfslinien zur Erleichterung der Kontrolle, ob die Stifte richtig gesetzt wurden. N. sind bei den Schweizer Spielwerken Standard und kommen bei Wiener ausnahmslos nicht vor, wenn man von den wenigen Spielwerken Anton Olbrichs absieht, die auf der Walze (!) mit AO gemarkt sind. Diese weisen jeweils seitlich und in der Mitte einige wenige Notationslinien auf.

Note of repair

Reparaturvermerk, is not the date of the manufacturing of the musical cylinder movement.

Nulllinie, (besser Nullstreifen), auf dem nicht bestiften Teil der Walze, dem tune gap

Punktierte Linie auf der Walze zur Kennzeichnung der Spitzen der Zungen. Die Anzahl der Punkte stimmt also mit der Anzahl der Zungen überein.

Bei Schweizer finden sich statt der Nulllinie fast immer nur Rasterlinien, deren Anzahl mit der Zahl der Zungen des Kammes ebenfalls im Verhältnis von 1: 1 korreliert. PICT, PICT. Siehe Walze und siehe Sternrad

Nummernquotient (NQ)

Das Verhältnis zwischen Werknummer und Musikzahl, der Nummer des Musikprogrammes gebt Auskunft darüber, wie groß die Zahl ist, die man im Buchdruckwesen als „Auflagehöhe“ bezeichnet, also wieviel Exemplare von einem Buch gedruckt wurden, in unserem Fall wieviel Spielwerke mit dem selben Musikprogramm ausgestattet wurden.

Rzebitschek: rund 12
Bei der Firma Rzebitschek ist schon bei den 8000-er-Werknummern ein NQ von 12 festzustellen, dies ergibt also ein Durchschnitt von 12 Spielwerken von einem Musikprogramm. Es ist wohl davon auszugehen, dass sich die Herstellungskosten dadurch etwas verringert haben.

Anton Olbrich: etwa 20, später etwa 12
Anton Olbrich sen. begann mit einem NQ von rund 20, eine Zahl, die dann etwas sank und beim Junior bei rund 12 endete.

Josef Olbrich: ca. 10, später 4
Josef Olbrich sen. begann (nach einem Einstieg in das Nummernsystem seines Bruders Anton) mit einem NQ von rund 10 und endete bei etwa 4.

Einsidl: ungefähr 2, später ungefähr 4
Beim jungen Franz Einsidl findet man einen Quotienten von etwa 2, die Musiknummern waren etwa halb so hoch wie die Werknummern. Im Durchschnitt wurden also von einem Musikprogramm nur zwei hergestellt. Bei den Einsidl-Werken in den 4000-ern finden sich Musikprogramme mit den 1000-ern, der Quotienten beträgt also etwa 4.

Fazit: Je größer eine Firma war, um so rationeller konnte die arbeiten. Ob der NQ allerdings direkt als Maßstab der wirtschaftliche Prosperität angesehen werden darf, ist insoferne zu verneinen, weil diese auch von den Werbekosten abhängt, die einen mehr oder weniger großen Erfolg gehabt haben können.

Oil slot

Ölschlitz am Federhausdeckel

Olbrich-Einsidl-Konjunktion

Josef-Olbrich-Einsidl-Konjunktion

Olbrich-Rille am Federhaus

Bitte hier klicken!

Ölschlitz

am Federhausdeckel

Originalkassette

Siehe „Uhrenspielwerk“

Organocleide, Mandoline

Wenn eine Gruppe gleichgestimmter Zungen mehrfach zur Verfügung steht, kann wie bei einer Mandoline eine schnelle Abfolge dieser Tonfolge erklingen werden, entweder am ganzen Kamm verteilt oder nur auf den Bassbereich („Bass Mandoline“). Zu H. A. V. Bulleids Meinung zu Bremonds Mandolines bitte hier klicken. Diese Innovation wurde schon in den späten 1840-er Jahren angewendet, und erstmals 1848 von Louis Jaques & Fils erstmals ausgestellt,

outer motor bridge

Äusserer Federhauskloben

Ovalstempel

Musikwerkefabrik Rzebitschek und Gebrüder Stern

Palais royale Nähutensilien

Das Palais Royal, früher Palais Cardinal, ist ein Pariser Stadtpalast im 1. Arrondissement, etwa 150 Meter nördlich des Louvre. Das Palais beherbergt heute in seinem Haupttrakt den Staatsrat (frz. Conseil d’État), im Westflügel die Comédie-Française und den Verfassungsrat (frz. Conseil constitutionnel) und im Ostflügel das Kulturministerium.

Als weitere Wortbedeutung ist der Begriff „Palais Royal“ ein Synonym für kostbare Fingerhüte und kunstvoll gearbeitete Nähzeug-Utensilien, gesuchte Sammlerstücke in kostbaren Gehäusen, die öfters mit einem (Sektionalkamm-) Spielwerk ausgestattet sind. Dazu ein Beispiel.

For collectors of thimbles needlework tools, and needlework boxes some of the most beautiful and sought-after pieces are known collectively as „Palais Royal“.

Palmette

Eine Markierung auf der Oberseite des Windfangblocke von Rzebitschek-Spielwerken, Diese Markierungen sind entweder Erkennungszeichen von Zulieferfirmen oder bei Eigenproduuktion Typenbezeichnungen. Anstatt der Palmette findet man auch einen Punkt oder ein kursives S bzw. oft keine Kennzeichnung.

Papierstreifen unter dem Kammträger

Siehe Kammträger-Papierstreifen

papillon (frz.)

Windflügel; Windflügeltypen Palais Royale Nähutensilien

parachute

Safety check device which prevented music box springs from suddenly uncoiling, patentiert von Mermod Freres. PICT

pawl

Sperrklinke

pawl spring

Sperrklinkenfeder

pedestal

Fuß

petite musiques

Siehe Kleinformatige Spielwerke

Piccolo

Spezialeffekt, der dadurch erzielt wird, dass einige Sopranzungen etwas höher gestimmt sind. Bellamy, Nicole Factor, S. 159

pivot

Siehe Startstophebel

plerodiénique box

Cylinder music box with the cylinder made in two parts, each of which shifts laterally outward from the center at a different time to provide continuous music during the normal tune-changing process (https://mbsi.org/glossary_terms). Since ~1870.

polytype music boxes

Polytype music boxes showcase the flexability of cylinder movements.

PICT

Most fixed-cylinder movements with combs play acording to a set method of notation, executed from a comb, or combs, to complete the desired tone; for mandoline, the pinning is set to repeat a series of same-notes across a comb tuned to groups of pitches and for forte-piano, two combs were utilized to create the soft and loud tones required to suit the music. (https://www.bonhams.com/auctions/18414/lot/21/)

Positionsstift (Fixierstift, engl. dowel)

Positionsstifte oder auch Fixierstifte weisen sechs Einzelteile eines Spielwerkes, nämlich

1.) der kammnahe Federhauskloben,

2.) und 3.) beide Walzenkloben und die

4.) Windfangplatine und

5.) und 6.) der untere sowie der obere Schneckenkloben‎ und

7.) das Windfangblock auf: PICT

Bei Prager Spielwerken sind die Positionsstifte am Kamm (ausser bei den ganz frühen) immer zu sehen,

PICT,

Bei Wiener Spielwerken wurden die Positionsstifte zur Kammfixierung zwar verwendet, durchbohren aber nicht und sind daher nicht von aussen zu sehen. (H.-J. Eisel)

Ein seltener Anblick (PICT) ist ein der Länge nach angeschnittener Positionsstift des Kammträgers.

potence (frz.)

„Galgen“, Oberer Windfangkloben

pouce (frz.), Zoll, (Daumen große Zehe), Längenmaß

Heute werden inch und pouces gleich gesetzt, 1 pouce = 1 inch.

In der Schweiz des 19. Jahrhunderts war der Umrechnungmodus 15 pouces = 16 inch oder 3 pouces = 3 1/4 inch. Der pouce war also eine Spur länger als das Inch. Details

Produktionsnummer

Siehe Werknummer

programme sheet (Programmzettel)

Der Musikzettel oder Musikprogrammzettel ist eine bessere Bezeichnung für die nicht ganz korrekte Benennung „tune card“ oder „tune sheet“, wörtlich übersetzt der zu vermeidende und auf dieser Webseite verpönte „Melodienzettel “, worauf schon Ord-Hume, S. 79, hinwies: „tune sheet, more properly programme sheet“)

pull string start/stop (engl.)

Faden zur manuellen Auslösung des Spielwerkes. Stoppen lässt sich der Ablauf jedoch (entgegen dem Versprechen des englischen Fachausdruckes, in dem das Wort stop ja vorkommt) nicht, dieser muss automatisch erfolgen. Die genaue Übersetzung ins Deutsche müsste also Faden zur Betätigung des Start-Stop-Hebels lauten.

Pultkassette

Kassette mit einer höheren Hinterwand und niedrigeren Vorderwand und einem schräg eingebauten Deckel. Durch die schräge Einschaumöglichkeit macht der Einbau verzierte Grundplatten einen Sinn.

quadruple spring motor drive

Vierfaches Federhaus, PICT

quatour (echt)

Ab etwa 1885 produzierten einige Schweizer Hersteller Werke mit vier Tonkämmen, die unterschiedlich gestimmt waren und unterschiedliche Klangvariationen wiedergeben konnten.

quatour (unecht)

Unechte Quatuor-Werke wiesen weniger als vier Tonkämmen auf, nahmen für sich jedoch in Anspruch, eine „Quatuor“ zu sein, da sie durch verschiedene Tonzungen-Härtegrade, durch spezielle Zylinderbestiftungen und durch Arrangements, wie sie auch bei den echten Quatuor-Werken verwendet wurden, diesen gleich kommen wollten bzw. tatsächlich ein nahezu gleiches musikalisches Ergebnis erzielten.

Sie nannten sich z. B.
„Harpe Harmonique Piccolo“,
„Mandoline Expression“,
Sublime Harmonie“,
„Sublime Harmonique Piccolo“,
„Sublime Harmonique Quatuor“,
„Sublime Harmonique Tremolo“.

Österreichische Spielwerkhersteller verwendeten diese Herstellungsmethoden nicht.

Räderwerk

Historischer, von Rzebitschek 1841 verwendeter Begriff, siehe Windfanggetriebe

Räderwerkblock

„gear train block“, „cage“ (frz.), siehe Windfanggetriebe.

Rahmenkammträger, rahmenartige Konstuktion der Unterseite des Kammträgers

Siehe Kammträger

raised pins = upset dents

Pins created by forcing up pieces of metal with the help of a chisel. Invented 1958 by the Léon Jaccard SA (INFO) and also adopted by Otto Jaccard, Jean Calame and MAP.

raiser

Anstieg oder Anstiegsteil des Sternrades, siehe dort

raked (engl.: geneigt), raken, neigen, als Lehnwort aus den Englischen (to rake: neigen, oder the rake: der Neigungswinkel)

Raked (auf „Denglisch“) bedeutet, dass die Stifte in Laufrichtung der Walze zwischen 10 bis 40 Grad geneigt sind. Das heißt sie stehen nicht senkrecht in einem 90-, sondern in einem 80- bis 50-grädigen Winkel (in Laufrichtung der Walze) aus dem Zylinder heraus, (engl.: „in a rake of 50 to 80 degrees“).

Unter „raken“ bezeichnet man den Arbeitsvorgang, alle Stifte einer Walze mit dem oben beschriebenen Neigungswinkel („the rake“) zu versehen. Raken wird bei einer langsamen Rotation der Walze (ca. 40 U/min) entgegen der Abspiel-Laufrichtung) durchgeführt, indem eine Stahlkante präzise an die rotierende Walze herangeführt wird bis sich die Stifte zum gewünschten Neigungsgrad umlegen.

Durch das Raken werden die technischen Paramenter des Anzupfens der Zungen durch die Stifte (pins) vorteilhaft verändert, und zwar gleich doppelt:
1.) Der Verschleiß der Zungenspitze durch die Reibung zwischen Stiftfläche und Zungenspitze wird minimiert, das Anzupfen erfolgt präziser.
2.) Der Kontakt des Stiftes mit dem Dämpfer erfolgt effektiver, bevor er die Zungenspitze berührt, somit wird Dämpfung der Zunge verstärkt. (Hans-Jürgen Eisel)

Genauere quantitative Angaben, welche Spielwerkhersteller „gerakt“ (sprich: „gerejkt“) haben und welche nicht, sollen im Frühjahr oder Sommer 2020 nachgeliefert werden. Nach einem ersten Gefühl haben die Prager Spielwerkmacher häufiger den zusätzlichen heiklen Arbeitsvorgang des Rakens durchgeführt als ihre Wiener Kollegen.

Raster auf der Walze (grid pattern)

Vor allem üblich bei Schweizer Spielwerken, in Wien nur bei einigen Götz-Spielwerken und inkomplett bei einigen sehr frühen Olbrich-Werken als Hilfslinien bei der Fertiung

ratchet click

Sperrklinke

ratchet handle, crank handle

Siehe Ratschengriff = Ratschenknauf = Ratschenkopf

ratchet pawl

Sperrklinke

ratchet wheel

Sperrklinkenrad („ratchet wheel“, „to ratchet something“, engl., wörtlich übersetzt: „etwas hochkurbeln“)

Ratschenaufzug, Ratschenhebel

Aufzug des Spielwerk durch die Betätigung des Ratschenhebels.

Der Ratschenaufzug wurde nur sehr selten vor 1845/50 hergestellt, in ganz großem Stil jedoch erst ab etwa 1860.

Der enorme Vorteil dabei ist, dass dieser Hebel im Gegensatz zum Augzugsschlüssel nicht verloren gehen kann. Bei österreichischen Spielwerken gab es keinen serienmäßigen Einbau eines (teuren) Ratschenaufzuges, jedoch spätere nachträgliche Einbauten eines solchen sind bekannt.

Beim Ratschenhebel unterscheidet man den Ratschengriff oder Ratschenkopf oder Ratschenknauf (Abbildung: mit Einstempelung einer Werknummer bzw. eines Herstellersignets, häufig bei späten Heller-Spielwerken, weniger geläufig bei den seltenen Soualle-Werken) und den Ratschenhebel im engeren Sinne oder Ratschenhals.

Ein seltenes Bespiel eines Cartel-Spielwerkes aus der Zeit zwischen 1810 und 1820 findet sich auf folgendem Bild: PICT

Rebicek-Eck

PICT

rechange cylinder

Siehe Austauschwalze

Reed

Eine vibrierende Metallzunge erzeugt einen Ton

Reeded

geriffelt, siehe Grundplatte

repairman´s stop (stop-at-once)

Hebel für die sofortige Unterbrechung des Ablaufes eines Spielwerkes. Findet sich nur bei Spielwerken aus der Schweiz. Bei solchen aus Österreich wurde gelegentlich eine dem selben Zweck dienende Vorrichtung in die jeweilige Uhr eingebaut.

repeat lever (change lever)

Musikwechsler, Musikwechselschieber

Resonanzphänomene ...

..., die durch benachbarte Zungen entstehen können, waren ein Problem der Frühzeit der Spielwerk- bzw. Sektionalkamm-Ära.

Abhilfe schufen
Schwalbenschwanz- (Chevron-) Kämme
zweireihige Anordnung von alternierend kurze und langen Zungen
Zickzackkämme

Diese Sonderformen entstanden in einer Zeit, als Dämpfer noch nicht bekannt oder sich noch nicht durchgesetzt hatten. Gleich gestimmte Zungen fangen dann alle gemeinsam zu schwingen an, wenn nur eine der gleich gestimmten Zungen angezaupft wird. Je weiter diese gleich gestimmten Zungen auf einem Kamm auseinander liegen, umso geringer ist dieser Resonanz- bzw Mitschwing-Effekt. Der Grund dafür ist wohl die Dämpfung bei der Ausbreitung der Schallwellen im Körper.

resonator

siehe Bleigewicht.

ressort

Aufzugsfeder

reverse comb, reversed comb

Bass teeth on the right. Dies ist der Normalfall bei den Spielwerken aus Prag und Wien, jedoch umgekehrt im Vergleich zu den Schweizer Fabrikaten. Die seltenen Ausnahmen bestätigen die Regel:

In der Schweiz entstanden anfänglich Spielwerke mit den Basszungen rechts, jedoch wechselten diese bald auf die linke Seite.

In Wien könnten um 1806 einige Spielwerke nach Schweizer Vorbild gebaut worden sein. Der Autor, Keess, ist zwar glaubwürdig, es ist jedoch leider kein einziges Exemplar nachgewiesen.

Aus der Spätzeit der Schweizer Produktion sind einige wenige Beispiele von „reversed combs“ zu finden, ohne dass man wüsste warum. In Wien und Prag wurden nie Spielwerke mit „Basszungen links“ gebaut, wenn man von der hypothetisch möglichen aber nicht nachgewiesenen obgenannten Ausnahme von 1806 absieht.

right-angled drive

Winkelgetriebe, angular drive

right hand crank

PICT

„Ringelschwanz“-Rzebitschek-Zweier,
„ring tailed
Rzebitschek-2“

, die für die Firma Rzebitschek charakteristische Type des Zweiers, deren Schriftgießerfirma nur an einen einzigen Spielwerk-Hersteller lieferte, an die Firma von Rzebitschek.

Ritzel, Ritzelrad

Engl. „pinion“, „drive pinion“, „drive wheel“, im Windfanggetriebe auch „bay leaf pinion“ (sinngemäß „antreibende“) (in die Endlosschraube eingreifende) Ritzel). Als das Ritzel wird stets das kleinere von zwei Zahnrädern bezeichnet, egal, ob es das angetriebene oder das antreibende ist. PICT

Ritzen (engl. scribe)

Vermerke auf Messingteilen werden geritzt, im Englischen geschrieben, und nicht gekratzt!

rod control for opering und closing the winding squares

siehe Aufzugslöcher

Rohwerke

Siehe blanks

Rost

Siehe Bimetallkorrosion und siehe evetuell Flugrost

Rouage à balance

Bitte hier klicken

roue deuxième

Windfanggetriebe

roue motrice

Antriebsrad

roue première

Windfanggetriebe

roue première

Windfanggetriebe

roulants

Siehe blanks

Rubin, rubis (frz.)

Deckstein (aus Glas, niemals ein Rubin!)

Rückstell- oder Walzenverschubfeder

Die Walzenverschubfeder, auch Rückstellfeder genannt, bringt bei einem Zwei-Musikstücke-Werk nach dem Abspielen des zweiten Musikstückes die Walze wieder in die Ausgangsposition zurück. Sie hat mehrere Windungen, etwa drei bis fünf, in der Spätzeit der Spielwerke, ab 1880, evetuell nur zweieinhalb. Aufgrund des Kostendruckes durch die billige Schweizer Konkurrenz sanken die Preise von 20 bis 25 auf 18 Gulden oder noch weniger.

Rückkehr oder Rückfall

Siehe Sternrad

„Run“, schneller Durchlauf (mit desaströsen Folgen)

Zum ungebremsten schnellen Durchlauf des Zylinders bis zu völligen Entspannung der Feder kommt es bei einem Bruch des Zapfens der Windfangwelle (oder künstlich ausgelöst durch die Entfernung des Windfanges, wenn die Feder aufgezogen ist).

Wenn der Zapfen unter dem Deckstein wegbricht, kippt die Welle zur Seite, und die Feder entspannt sich mit einem lauten Geräusch binnen weniger Sekunden. Dabei werden die Stifte des Zylinders des betroffenen Musikstückes verbogen oder brechen ab, ebenso können eine oder mehrere Zungen abbrechen. Ein Run lässt sich nur durch eine Reparatur beheben, die in der Regel den materiellen Wert des Spielwerkes übersteigt.

Die Entdeckung der Folgen eines Runs anhand der fehlenden oder umgebogenen Stifte ist manchmal gar nicht si leicht. Die Stifte des zweiten bzw. aller weiteren Musikstücke sind ja unversehrt und kaschieren daher den schweren Defekt der betroffenen Spur.

Ein guter Artikel in der Zeitschrift TMB ist auszugsweise mit einem Klick hier nachzulesen.

Rutschkupplung

Wenn sich zwei Dorne, eine an der Schnecke („endless“), an der die Windflügel montiert sind, und der zweite am Start-Stopp-Hebel, miteinander kreuzen, und der Dorn an der Endlosschraube mit einer Rutschkupplung versehen ist, unterbleibt das hässliche Geräusch nach dem Abspielen des Musikstückes.

 

Wenn sich die Rutschkupplung durchzudrehen beginnt, muss man sie wieder aktivieren. H.-J. Eisel warnt davor, die Rutschkupplung nur mit einer Zange zusammen zu zwicken. Das konnte gegenteiligen Effekt haben und das Problem nur noch verschärfen. Eisel stellt die Rutschkupplung so ein, dass er den Dorn vorsichtig von der Endlosschraube herunterzieht, dann die Rutschkupplung zusammendrückt, und dann wieder einsetzt.

 

Bedauerlicherweise haben die Firmen von Franz Rzebitschek und Anton Olbrich (senior) (PICT) vom Prinzip der Rutschkupplung nicht allzu häufig Gebrauch gemacht. Von anderen Spielwerk-Herstellern sind keine solchen Bauteile bekannt geworden.

Rzebitschek-Eck

PICT

Rzebitschek-Firmenstempel

Langstempel (rechteckig)
Ovalstempel (Franz R.)
Ovalstempel (Gustav R.)

Rzebitschek-Maly-Konjunktion

Eine zeitweilige Kooperation noch zu bestimmenden Ausmaßes zwischen der weltweit bekannten Firma Rzebitschek, die ihre Produkte immer mit ihrem Firmensignet versehen hat,  und der wesentlich kleineren Prager Firma Maly, die ihre Spielwerke zumeist ungemarkt ausgeliefert oder nur auf nicht von aussen sichtbaren Teilen mit dem Firmenschriftzug versehen hat. Diese Entdeckung wurde von Hans-Jürgen Eisel am 20. Februar 2019 gemacht, auf eiou.at erstmals am 21. Februar 2019 veröffentlicht. Mehr ...

Schatulle (Schreibweise im frühen 19. Jh.: „Chatoulle“)

Siehe Kassette

Scheibenspielwerk

Der Genfer Uhrmacher Antoine Favre-Salomon wendete 1796 zum ersten Mal das Prinzip der klingenden Stahlzunge in einem Scheibenspielwerk für eine „automatisch musizierende Taschenuhr“  an. Flache kleine Glockenspielwerke hatte es vorher schon gegeben, aber für den Enbau in eine Taschenuhr waren diese noch immer viel zu groß. Das allererste vorgestellte Spielwerk wurde jedoch in eine Tabakdose eingebaut, die Bedeutung dieser Erfindung wurde bereits 1796 als überaus wertvoll für die Automaten-Uhrmacherei“ angesehen.

Der Idee der Miniaturisierung ist in besonderem Maße das Scheibenspielwerk („turntable musical movement“ verschrieben, Ord-Hume, Abb. 2). Bei einer Scheibe mit Stiften sind diese alle „sur plateau“.

Ein von einem Wiener Kleinuhrmacher signiertes Scheibenspielwerk wurde bisher nicht gefunden, es ist aber durchaus möglich, dass auch in Wien Experimente angestellt wurden und dass einzelne Exemplare überlebt haben könnten. Eine österreichische Scheibenspielwerkproduktion in größerem Stil hat es jedenfalls nicht gegeben, sonst müssten sich zeitgenössische Berichte darüber finden lassen. Bei den abgebildeten Exemplaren, PICT, ist es nicht auszuschließen, dass auch welche in Wien entstanden und Schweizer Vorbildern nachgebaut sind. So lange jedoch keine eindeutig signierten Werke auftauchen, ist die vorige Annahme jedoch reine Spekulation. Noch heute ist besonders in Deutschland der Ausdruck „Spieluhr“ geläufig, während im Österreichischen heute eher der Begriff des „Spielwerkes“ üblich ist.

Schelllackfüllung

Siehe Walze

Schlitten

siehe Finger (Musikwechselfinger)

Schlüssel

Siehe die eigene Seite über Spielwerkschlüssel

Schlüsselhalm

Siehe die eigene Seite über Spielwerkschlüssel

Schnecke, umgangssprachlich und nicht ganz richtig „Spindel“, „volant“ (frz.)

Der Windfang und die Windfangwelle, die im Mittelteil als Endlosgetriebe ausgeformt ist, bilden die Schnecke oder das Schneckengetriebe.

Beim Spielwerk treibt allerdings nicht die Schnecke das Getriebe an sondern umgekehrt, das Getriebe setzt die Schnecke mit dem Windfang in Bewegung, damit durch den hohen Luftwiderstand des Windfanges die Ablaufgeschwindigkeit herabgesetzt wird.

Eine sehr schöne Animation zeigt die Funktion in Wikipedia.

Mit dem Schneckenhaus hat der Begriff Schnecke nichts zu tun, sondern damit, dass die Schnecke ein Zahnrad antreibt, das sich schneckartig langsam bewegt.

Schneckenbrücke

Windfangkloben

Schneckenrad (Schneckenzahnrad)

Siehe Windfang

Schneller Durchlauf

Siehe run

Schneckenwelle

Siehe Windfang

Schwalbenschanzkamm

Siehe comb of the chevron type, PICT, aussen die Basszungen und nach innen hin immer kürzer werdende Zungen. Zweck: Minimierung von störenden Resonanzen durch benachbarte Zungen

scratch

bedeutet im Englischen sowohl kratzen, verkratzen, als auch ritzen, einritzen. Dies führt zuein fatalen Übersetzungsfehlern, denn im Deutschen sollte man nur das Wort „ritzen“ verwenden, für das im Englischen korrekt „scribe“ reserviert ist, ein schreiben mit einem spitzen Gegegstand.

Zusammenfassung: Das Wort Ritzen, engl. scribe, verwendet man für die Anbringung von Vermerken auf Messinggegenständen, wie Grundplatten, Windfängen etc. Doch kratzt, also zerkratzt und damit beschädigt schon sein Spielwerk?

screw washer / brass srew washer, (comb bearing)

(Messing-)Beilagescheibe unter (Kamm-)schraube

Seitenfläche der Grundplatte, edge of the bedplate

Eine genaue Inspektion ist vor allem bei frühen Olbrich-werken wichtig, da sich hier manchmal Einritzungen der Arbeiter (Monogramme ihrer Namen oder Angaben zu den Musikstücken) finden lassen.

Es ist eine federhausnahe, walzennahe, windfangnahe und kammnahe Seitefläche zu unterscheiden.

Bei Rzebitschek-Spielwerken finden sich oft quadratische, knapp einen Millimeter große Vertiefungen, die wohl auf ein schraubstockartiges Werkzeug zurückzuführen ist, das eine exakte Positionierung erlaubt. Dies ist vermutlich eine Errungenschaft des Werkzeugerfinders Alois Willenbacher, mit dem Franz Rzebitschek anfänglich assoziiert war.

Bei Wiener Spielwerken sind diese kleinen quadratischen Marken nie zu sehen!

Bei Schweizer Spielwerken sind hier manchmal sogar auf gusseisernen Grundplatten Angaben zu finden, wie etwa Zahlen, welche von den Herstellern von Rohwerken (auch blanks, ébauches oder roulants genannt) stammen. PICT

Sektionalkamm

Die Sektionen umfassen eine bis maximal sechs Zungen.

Spielwerke aus Wien: Sektionalkammspielwerke wurden bis mindestens 1836 hergestellt, wie durch das Hobellied mehrfach belegt ist. Dies setzt allerdings voraus, dass diese Melodie zuerst in Ferdinand Raimunds „Verschwender“ von 1836 Eingang fand. Es ist vielleicht zwar nicht ganz ausgeschlossen, dass Raimund dieses rasch populär gewordene Musikstück schon vorher (mit anderem Text) sang, allerdings widerspricht diese Annahme allem, was bisher zu diesem Thema publiziert wurde. Daher ist eine Erstreckung der Verwendung der Sektionalkämme in Wien so gut wie gesichert.

In Prag, also bei Willenbacher & Rzebitschek, war man zu diesem Zeitpunkt, also Mitte der 1830-er Jahre, bereits bei der Werknummer 8000 angelangt, die mit 1835/1836 zu datieren sind. Eine durchgehende Nummerierung bei den Rzebitschek-Werken ist zwar nicht ausgeschlossen aber eher unwahrscheinlich. Vor den 8000-er-Werken (ohne Kammrille) gab es bei Rzebitschek die Kammrillen-Spielwerke, die natürlich auch keine Sektionalkämme mehr aufwiesen. Ungemarkte Sektionalkamm-Spielwerke von Rzebitschek sind bisher nicht als solche erkannt worden. Das heißt natürlich nicht, dass es sie nicht gegeben hat. Wenn man in der Firma Willenbacher & Rzebitschek 1831 bei Werknummer 4199 angelangt war, müssen zahlreiche Spielwerke mit den Werknummern der 3000-er Werke vorher entstanden sein.

Zusammenfassung: In Prag wurden Sektionalkammspielwerke nur bis Mitte bzw. Ende der 1820-er Jahre hergestellt, in Wien endet deren Ära etwa zehn Jahre später!

Senke= Absenkung, engl. trough, später als als Abhang, engl. slope, ausgeformt,bei dem der Wiederanstieg nur gering oder so gut wie gar nichts vorhanden ist

 

(Zungenspitzennahe oder walzennahe) Senke der inneren Wand des Windfangblockes“, „sloped inner governor wall, which is near to the cylinder“

 

 

Die Funktion der „Zungenspitzennahen (oder walzennahen) Senke der inneren Wand des Windfangblockes“, ist unklar. Vorbild sind die Spielwerke des Genfer Spielwerkfabrikanten François Nicole, die ihrerseits auch ihre Schweizer Kollegen beeinflusst haben dürften.

PICT (Willenbacher & Rzebitschek)

PICT (Maly-Spielwerk),

PICT (weiteres Maly-Spielwerk),

Bei Spielwerken aus Wien fehlt diese Absenkung oder Senke (trough) oder Abhang (slope) immer.

Bei den frühen Spielwerken handelt es sich eher u eine Senke, bei den späteren und vor allem bei den Prager Spielwerken, die nicht von Rzebitschek gefertigt wurden, eher um einen sprungschanzenartigen Abhang mit nur einem kleinen, flachen oder gänzlich fehlenden Wiederanstieg knapp vor dem Ende: PICT (Rzebitschek)

(Engl. translation: Bill Wineburgh, der „slope“ als Kurzbezeichnung für „slope of the inner governor wall“ vorschlägt).

Seriennummer

Werknummer

side of bedplate

Grundplatte

single section comb

Kamm aus einem Stück

single section comb

Kamm aus einem Stück

Seriennummer

Siehe Werknummer

single section comb

Kamm aus einem Stück

slope, sloped inner governor wall

Senke der inneren Wand des Windfangblocks

small cut out of bed plate

Siehe Grundplatte

small size music boxes

Siehe Kleinformatige Spielwerke

Sperrklinkenfeder

pawl spring oder click spring, siehe Federhaus

Sperrklinkenrad, (Sperrrad)

ratchet wheel on spring arbor, („ratchet wheel“, „to ratchet something“, engl., wörtlich übersetzt: „[etwas] hochkurbeln“), PICT, siehe Federhaus

Sperrklinke des Start-Stopp-Mechanismus

Durch die Feder der Sperrklinke des Start-Stopp-Mechanismus wird diese an den Start-Stopp-Mechanismushebel gedrückt, sodass ein einwandfreies Funktionieren gewährleistet ist und kein „run“ entstehen kann.

Sperrrad

Sperrklinkenrad

Spielwerke

ausserhalb von Uhren

Spielwerkschluessel

Siehe die eigene Seite über Spielwerkschlüssel

Spielwerkschraubstock

Siehe „Grundplattenfixator“

Splint

Sicherungselement in Form eines kleinen Metallstiftes, welcher der Lagesicherung verbundener Bauteile dient. Bei Spielwerken findet man Splinte (nicht Splints!) z. B. beim
1.) Aufzugsdorn, beim
2.) Ritzelrad, und bei der
3.) Sperrklinke des Startstoppmechanismus.

spring arbor

Aufzugsdorn

spring barrel

Federhaus

spring barrel cover, spring barrel lid

Federhausdeckel

spring end of cylinder

federhausnaher Walzendeckel

spring house

Federhaus

spring motor barrel, spring motor

Federhaus

square cut out of bed plate

Siehe Grundplatte

Stahldämpfer,

wie bei den Schweizer Spielwerken üblich waren gibt es bei österreichischen Spielwerken nicht. Siehe „Etouffoirs ...“

Stahlfeder

Feder

Stahlfedern-Harmonie

Feder

Start-Stopp-Hebel-Bolzen

Start-Stopp-Mechanimus

Start-Stopp-Hebel-Dorn oder Windfangstopper

Start-Stopp-Mechanimus

Start-Stopp-Hebel

Der so genannte „lange Arm“ des Start-Stopp-Hebels greift mit einem Dorn in den Windfang ein, und der so genannte „kurze Arm“ mit einem Bolzen in eine Rinne („gulley“) des Großen Walzenzahnrades, sodass der Abspielvorgang angehalten wird. Der pivot oder Drehpunkt befindet sich dort, wo die beiden Arme miteinander verbunden sind.

Start-Stopp-Mechanismus (start/stop mechanism)

Wenn der Stoppbolzen des Start-Stopp-Hebels in eine Nut bzw. Ausbuchtung der Rinne („gulley“) auf der Aussenseite des Großen Walzenrades einrastet, wird der Start-Stopp-Hebel gedreht und damit greift an dessen anderem Ende ein dünner langer Dorn, der Windfangstopper, in den Windfang ein. Dies hat genau in dem Augenblick zu erfolgen, wenn die Nulllinie (besser Nullstreifen) erreicht ist, sodass das Spielwerk genau am Ende das Musikstückes zu spielen aufhört.

„Start-Stopp-Hebel-Bolzen“: Siehe PICT.

„Start-Stopp-Hebel-Dorn“ oder „Windfangstopper“: Zusätzlich befindet sich am Start-Stopp-Hebel ein Dorn, siehe links den nach oben zeigenden Pfeil, der nach Beendigung des Musikstückes in den Windflügel eingreift, und ebenfalls den Durchgang beendet. Wenn das Spielwerk sehr häufig gespielt wurde, hinterlässt dieser Dorn seine Spuren am Windfang, vor allem, wenn dieser aus einem sehr dünnen Messingblech besteht! Siehe PICT.

Durch ein perfektes Zusammenspiel der beiden Teile des Dorn-Bolzen-Duo des Start-Stopp-Hebels wird also beide das Abspielen des Musikstückes beendet.
Es sind beide Teile des Duos des Start-Stopp-Hebels notwendig, um das Spielwerk ordnungsgemäß abzuschalten, indem der Dorn in die Rotationsbahn des Windflügels eingreift und diesen dadurch anhält:
•Fehlt der Bolzen, wird der Start-Stopp-Hebel mit Dorn durch die Feder kontinuierlich nach oben gedrückt und stoppt das Spielwerk.
•Fehlt der Dorn, kann der Windflügel nicht blockiert werden und das SW spielt bis zum Ende der Federkraft, sollte man meinen! Aber da der Bolzen in die Nut des großen Walzenrades eingreift, wird es dadurch angehalten. Diese Variante des Stoppens ist jedoch unerwünscht, da sich der Bolzen in der Nut verklemmt und diese Situation nur mit erheblichem Druck auf den Start-Stopp-Hebel beendet werden kann, um das Spielwerk wieder spielen zu lassen. Außerdem funktioniert ohne dem Bolzen der Start-Stopp-Mechanismus nicht mehr, welcher durch einen kurzzeitigen Auslöseimpuls aktiviert wird. (H.-J. Eisel)

In den Uhren wird die Auslösung des Spielwerkes nicht durch ein sekundenlanges Ziehen oder Drücken des Start-Stopp-Hebels nach unten ausgelöst sondern durch den kurzeitigen Impuls eines nach unten fallendes Blei-Gewichtes, welcher den Start-Stopp-Hebel nur für Bruchteile einer Sekunde nach unten drückt. Dieser kurze Impuls reicht aus, dass die Sperrklinke den Start-Stopp-Hebel arretiert und der Dorn dauerhaft den Windflügel freigibt, bis der Bolzen wieder in die Nut des großen Walzenrades eingreift. Beide Teile des Start-Stopp-Mechanismus korrespondieren miteinander und müssen präzise justiert sein. (H.-J. Eisel)

Díky perfektnímu souladu obou součástek (hrotu a čepu) spouštěcího mechanismu se zastavuje přehrávání skladby. Aby se strojek správně zastavil, jsou potřebné obě součástky spouštěcí a zastavovací páčky, přičemž hrot zasahuje do rotační dráhy otočného listu a tím ho zastavuje:
•Pokud chybí čep, je spouštěcí a zastavovací páčka a hrot kontinuálně vytlačována pružinami směrem nahoru a hrací strojek se tak zastavuje.
•Mohli bychom si myslet, že pokud chybí hrot, nemůže být otočný list regulátoru otáček zastaven a strojek hraje do té doby, než se pružina natáhne do původního stavu. Tak tomu však není! Strojek se zastaví, protože se do rýhy na velkém kole válce zasune čep. Tato varianta zastavení přehrávání však není žádoucí, protože se čep v rýze zaklíní a tuto situaci lze napravit jen značným tlakem na spouštěcí a zastavovací páčku. Teprve pak může strojek znovu hrát. Spouštěcí mechanismus bývá aktivován krátkým impulzem, ale bez čepu nefunguje. (H.-J. Eisel)

V hodinách se hrací strojek nespouští sekundovým stažením nebo stlačením spouštěcí páčky, nýbrž krátkým impulzem olověného závaží, který páčku táhne dolů pouze po dobu zlomku sekundy. Tento krátký impulz stačí na to, aby zarážka páčku zablokovala v určité poloze a hrot uvolnil otočný list, dokud znovu na velkém kole válce nezapadne do rýhy čep. Obě části spouštěcího mechanismu jsou ve vzájemném souladu a musí být precizně seřízeny. (H.-J. Eisel)

St. Croix style-Nummerierung

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Stelzenmontage (stilt mounting)

Wenn bei der Montage statt der vier bis sieben Millimeter dicken hölzernen Distanzhalterscheibchen nicht mehr ausreichen sondern durch einen Hohlzylinder ersetzt werden müssen, spricht man von einer Stelzenmontage.

PICT

Dies ist zumeist durch die Höhe des Spielwerkfaches bedingt: Wenn dieses etwas zu hoch geraten ist und man trotzdem das Loch für den Spielwerkschlüssel genau in der Vertikalen genau in die Mitte des Sockels setzen will, muss man zur Stelzenmontage greifen.

Manchmal wurde ein älteres Spielwerk (aus einer schlankeren Empireuhr) in eine spätere größere Kommodenuhr eingebaut. Um sich die Anfertigung der hölzernen Stelzen zu ersparen, montierte man bisweilen den alten Boden der früheren Empireuhr mit hinein.

Vorteil der Stelzenmontage für uns heute: Man kann mit einem kleinen Spiegel die Unterseite der Grundplatte besichtigen und etwaige Einritzungen oder Stempelungen suchen.

Aber die Entnahme zumindest der alten Grundplatte kann man sich trotzdem nicht ersparen, denn man muss ja auch noch einem etwaigen Musikzettel suchen. Dieser hat dann zumeist durch die Schraubenmontage gelitten bzw. durchbohrt, kann jedoch durch den fehlenden Luftzutritt sehr gut erhalten sein! Siehe auch Distanzhalterscheibchen.

Sternrad, Steigrad, cam wheel

Das Sternrad fast immer mindstens vier verschiedene Plateauebenen auf. Bei Zwei-Musikstück-Werken sind es zwei jeweils gleich hohe Plateaus, 1-2-1-2, bei Vier-Musikstück-Werken deren vier, 1-2-3-4. Drei-Musikstück-Werken weisen sechs Ebenen auf, von denen jeweils zwei gleich hoch sind: 1-2-3-1-2-3. Nach jeder Umdrehung wird auf die nächste Stufe weitergeschaltet, sodass nie zweimal hintereinander das selbe Musikstück erklingen kann. Falls dies sehr wohl gewünscht wird, muss man, wenn vorhanden, den Schuber zum Ausschalten des Musikstückwechsels betätigen, und wenn nicht vorhanden, müsste man den Musikwechsel-Finger verbiegen oder ganz abnehmen oder, falls möglich, verschrieben.

Siehe unbedingt auch bei Musikstückwechsel.

Stifte der Walze, Walzenstifte, pins of the cylinder

Die Walzenstifte ragen etwa drei Mal länger in den Walzenhohlkörper hinein wie weit sie aussen überstehen. Die „Stiftwurzeln“ sind also etwa drei Mal so lang wie doe sichtbaren „Stiftrümpfe“. Die „Stiftwurzeln“ müssen durch heissen Schellack, der durch ein Rollen des Zylinders während des Erhärtens gleichmässig verteilt wird, befestigt wrden. Dadurch werden daran gehindert, in die Tiefe der Walze hinein zu rutschen und auch dararn, dass sie sich beim Abspielvorgang schräg stellen, sodass sie von den Zungenspitzen nicht mehr erreicht werden. Der Schellack bzw. die Baumharze sind sozusagen das feste Erddreich, in dem die Wurzeln stecken.

Zur Nachbestiftung bitte hier klicken.

Zum Vorgang des Rostens der Stifte bitte hier klicken.

Zu den Angaben zum Durchmesser der Stifte der Rzebitschek-Spielwerke und über die Bohrer für die Löcher in der Walze bitte hier klicken.

Stiftrumpf

Siehe „Stifte der Walze“

Stiftspur, Spur der Walzenstifte

Bei einem Spielwerk mit zwei Musikstücken sind doppelt so viel Spuren von Stiften auf der Walze wie Zungen am Kamm sind, bei einem mit drei Musikstücken dem entsprechend drei Mal so viele etc. PICT

Stiftwurzel

Siehe „Stifte der Walze“

Stimmfeilenspuren

Bitte hier klicken

Stimmfeilenspuren

Siehe Stimmmarken

Stimmmarken

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Stirnseite oder Aussenseite (des Kammträgers)

Die von aussen sichtbare Seite des Kammträgers, wo die Firmenmarke zu finden sein kann.

stop-at-once

Siehe repairman´s stop

stray notes

Oddities or observations that do not amount to an article but are nevertheless worth recording. A series by Luuk Goldhoorn in TMB (TMB 25, 2011, 3, 107)

Strichmarkierungen auf der Unterseite des Kammträgers, „presumably a counting tag“

PICT, etwa ein halbes bis ein Dutzend kleine Strichmarkierungen, als hätte jemand mitgezählt, wie oft er einen bestimmten Arbeitsvorgang wiederholt hätte.

Stuttered („gestottertes“) Einschlagen einer Ziffer (oder eines Buchstaben)

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„Sublime Harmonie“ bzw. „Sublime Harmonique Piccolo, „Sublime Harmonique Quatuor „Sublime Harmonique Tremolo

Um eine „Sublime Harmonie“ zu erzielen, müssen zwei identische gestimmte Musikkämme vorhanden sein, wobei die Walze so gepinnt sein muss, dass dieselbe Note an beiden Kämmen fast gleichzeitig angezupft werden. Durch den geringen zeitlichen Abstand wird dieser eine Ton besonders akzentuiert. Siehe quatour (unecht).

sur plateau (frz.)

Siehe Scheibenspielwerk

tambour (frz.), ṭambūr (arabisch)

Trommel, Trommler (Bellamy S. 7 rechts unten)

In der Architektur wird unter Tambour ein vertikales, oft mit Fenstern versehenes Architekturelement mit einem meist runden, seltener auch polygonalen oder ovalen Querschnitt bezeichnet, das als verbindendes Zwischenglied oberhalb eines meist quadratischen Baukörpers und dessen aus einer Kuppel bestehenden Dach. (Wikipedia)

Tamburin (frz.)

Wörtlich übersetzt Trommelchen. Tamburine bestehen aus einer einseitig unter Verwendung von Nägeln mit Tierhaut (Kalb-, Ziegenfell) oder mit Kunststoff bespannten niedrigen zylindrischem Zarge (Reif) aus Metall oder häufiger Holz. Bei Spielwerken findet kann frau/man auch ein dünnes Blech statt des Tierhaut vorfinden.

tampon (frz.)

Siehe Walzendeckel

Tantalus liquor box

Buchattrappen mit einem Dekanter und mehreren Gläsdern sowie einem Spielwerk als Dekorationsobjekt. Weit verbreitet: Französische Firma SZL (Made in France).

Tellerspielwerk

Scheibenspielwerk

Timbre / jeu de timbres

1.) Klangfarbe eines Tones. Bei den Spielwerken aus Böhmen und aus Wien sind es oft die aus Prag, vornehmlich aus der Firma Rzebitschek stammenden Musikwerke, die das schönste und unnachahmlich „lieblichste“ Timbre aufweisen.

2.) Glocken. Ein jeu de timbres bezeichnet die Gesamtzahl der Glocken einer Spieldose bzw. das ganze set bzw. die accoutrements (Ausrüstung) an Glocken.

tine

Zinke

tip to tip distance

Abstand zwischen zwei benachbarten Zungenspitzen

Tremolo

Rasche Wiederholung eines Tones. Es müssen für eine Tremolo-Ton mehrere gleichgestimmte Zungen zur Verfügung stehen, da ein rasches Wiederanzupfen der selben Zunge zu störenden Geräuschen führt.

tune card

Musikzettel

tune gap

Nicht bestifteteter Teil der Walze zwischen den beiden Musikstücken. Siehe auch Nulllinie

tune indicator

Siehe Musikanzeiger

tune sheet

Musikzettel

tune change hook

Musikwechsler, Musikwechselschieber

tune sheet

Musikzettel

Tunguska-Walze

Walze mit vielen schiefen, verbogenen oder ganz umgelegten bzw. fehlenden Stiften

turntable musical movement

Scheibenspielwerk

two-per-turn

Zwei Musikstücke pro Umdrehung, eine Einrichtung, ohne die 12-Musikstücke-Werke nicht möglich sind.

unterer Windfangkloben

zugleich Basis des Windfanggetriebes, siehe Windfangkloben.

„Uhrenspielwerke“ oder kleine Spielwerke, die nicht in Uhren ihr Zuhause gefunden haben

Ausser in Uhren und Nähkistchen wurden Spielwerke auch noch in anderen Gegenständen gefunden wie
•Nähzeug. Reisenecessaire, Palais Royale Nähutensilien, Maniküreutensilien,
•Miniaturkommoden,
•Trinkgläser, Krüge und Teller aus Töpferwaren wie Steinzeug oder Steingut, Bierkrüge,
Große Servierteller,
Cognac- oder Likörglaser-Garnituren,
Karaffen,
•Riechfläschchen,
Dosen für Schönheitspflaster,
•Sofas,
Sessel, Armstühle,
Berlocken (Schmuckanhänger),
Moderner Schmuckanhänger (eine „Manivelle zum Umhängen“),
Broschen,
Zigarrenbehälter,
Parfumfläschchen,
Puderdosen,
Puder- und Zigarettendosen,
•Tabatieren, (sogar mit 12 (!) Musikstücken),
•Tafelaufsätze und
•Tischdekorationen und -untersetzer, (z. B. der Firma Boin Taburet)
•Barometer,
Devotionalien,
Photoalben,
•Buchattrappe (book dummy) (1),
•Buchattrappe (book dummy) (2),
Pillendöschen,
Miniaturklaviere mit und ohne Nähzeug,
Miniaturklaviere mit Sektionalkamm-Spielwerken,
•Kleiderhaken. Es wird auch von einer Spezialanfertigung einer
• Aktentasche berichtet (PICT), und ein Spielwerk der Brüder Stern fand den Ort seiner Endbestimmung in einer
•Toilettenmuschel, wovon ein Exemplar in einer Privatsammlung in Franken, Deutschland, zeugt.
•„Nachtgeschirr mit Musik“ und „musikalische Toilettenpapierrollenhalter“ sowie Schleuderpüppchen (Marotten), erwähnt Wimmer (S. 10-11), die drei alle letztgenannten wohl mit kleinformatigen Schweizer Spielwerke ausgestattet, ebenso wie
•ein goldener Stockknopf mit Spielwerk, der am 3. April 1805, S. 29, in der Wiener Zeitung annonciert wurde,
Humidor,
•Tantalus liquor box,
•Tisch mit Spielwerk (Wiener Zeitung vom 24. April 1911, S. 22), sowie
•Minitaurtischchen
•Set von vier Beistelltischchen, eigens angefertigt für eine Spieldose
Chiffonier (Schrank mit aufklappbarer Schreibplatte, hinter der sich Schubladen und Fächer befinden),
•„Metternichschrank“,
Stühle (Wimmer S. 10f.),
•„Musikmappen“,
Teppichkehrmaschine,
Kleiderbürste, noch ein weiteres Beispiel für eine Bürste,
Handschuhbehälter,
• Reiseandenken (zumeist mit einer Ansicht einer Stadt oder eines ihrer berühmten Gebäude, und sei es auch nur eine kleine Miniatur mit knapp einem Zentmeter Durchmesser).

Weitere Gegenstände, in die selten ein Spielwerk eingebaut wurde, waren
Petschaften, (Metallstempel, die in Siegelwachs eingedrückt wurden), die Hersteller hießen „Petschierer“. Wenn jemand in finanzielle Notlage geriet, wurden Einrichtungsgegenstände seiner Wohnung mit Siegelabdrücken gekennzeichnet und bald darauf zur Zwangsversteigerung abgeholt. Damit war der Gepfändete „pe
tschiert“, in eine Notlage geraten). auch ein „Nähpolster mit Spielwerk“ wurde angeboten.

•Sehr selten wurden Spielwerke auch in Schreibgarnituren eingebaut: PICT, PICT.

•Hübsche, aufwändig gemachte Originalkassetten oder -schatullen in größerer Stückzahl sind nur aus den letzten etwa zehn bis zwanzig Jahren der Firma Rzebitschek bekannt, aber auch manches Wiener Spielwerk fand etwa in den letzten eineinhalb Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts seinen Weg in eine Prunkkassette. Aufwändig gestaltete Originalkassetten aus der Frühzeit (vor 1840) haben sich nur sehr wenige erhalten und sind daher entsprechend rar
Miniaturpianinos,
Miniaturflügel mit Sektionalkammspielwerken,
Miniaturklaviere mit einer Tastatur auf dem Gehäuse

•Für diejenigen, denen während des Aufziehens des Spielwerkes fad wurde, gab es sogar Spielwerkschlüssel mit einem eigenen kleinen integrierten Spielwerk!

Mehr als zwei Dutzend Abbildungen sind in Preis-Courantes der Firma J. H. Heller zu finden, die in diesem Zusammenhang Beachtung verdienen!

Unterlegscheibe

Beilagscheibe

upset dents = raised pins

See raised pins

Verrosteter Kamm

Siehe Bimetallkorrosion und siehe evetuell Flugrost

Verschließbare Aufzugslöcher

engl. rod control for opering und closing the winding squares, siehe Aufzugslöcher

Verschub der Walze

Siehe Walzenverschub

Verschubbolzen

Siehe Musikwechselmechanismus und Walzenverschub

vertical folding crank-drive

Patent von Karrer, 1881 (PICT)

Vierfaches Federhaus, quadruple spring motor drive

PICT

Vis sans fin, axe de volant

Windfangwelle bzw. Schneckenwelle (mit der Endlosschraube), endless screw

voix celeste, vox celeste box

Cylinder music box with reed organ section (Rohrblatt-Pfeifen) tuned to produce a celeste or chorus effect (https://mbsi.org/glossary_terms)

volant compènse

the movemet is fitted with an compensated speed governor

Walze

engl. „cylinder“, Träger der Walzenstifte, „pins“.

Die Walzen weisen eine (nicht immer ganz gerade verlaufende)
Lötlinie , die Stelle der Zusammenlötung der beiden Enden des rechteckigen Walzenb
leches und eine durch Pünktchenartige Vertiefungen markierte
Nulllinie
auf.

Die in der Schweiz so verbreiteten zirkulären (Taster-)Linien kommen bei Wiener Spielwerken kaum vor, nur der junge Anton Olbrich senior experimentierte anfänglich ansatzweise damit.

Die Schelllackfüllung ist entweder nur randständig oder komplett. Bei randständiger Schelllackfüllung finden sich Korken, Notenblattreste, etc.

PICT

Durch die Walze wird die „Walzenwelle“ geführt, ein langer Zylinder, der in die Kraftübertragung miteingebunden ist und damit einer gewissen Torsion ausgesetzt ist. Der Begriff „Achse“ sollte vermieden werden, denn diese wäre ja starr und dreht sich nicht mit, und es findet auch keine Kraftübertragung statt, womit es auch zu keiner Torsion kommen kann.

Innenansicht einer Walze (mit oder ohne Endoskop fotografiert): PICT

Walze, Auffüllung mit Zement

Mit neun Bildern zeigt Niko Wiegman die Auffüllung einer Walze mit Zement.

Walzenboden

„Cylinder end plate“. Die nahe dem Großen Walzen(zahn)rad gelegene Verschlussplatte der Walze. H.-J. Eisel hat auf dem Walzenboden von Rzebitschek-Spielwerken schon Einritzungen der Musiknummern gefunden. Diese sieht man erst, wenn das Spielwerk zerlegt wird.

Walzendeckel

„Cylinder cover plate“, „cylinder end cap“, „tampon“ (frz.). Die federhausnahe Verschlussplatte der Walze, bei späten Olbrich-Werken oft mit Einritzungen der Musiknummern oder auch der Werknummern.

Manchmal findet man bei Spielwerken von Rzebitschek zwei mit Harz gefüllte Löcher am federhausseitigen Walzendeckel, die wie Schraubenköpfe ausschauen können: PICT

Walzenfeder

„spring to hold cylinder against change snail“ PICT

Walzenglatze

Größere Areale auf der Walze, bei denen die Stifte abgebrochen sind. Auch umgebogene Stifte sind sehr bedenklich, weil sie beim Versuch, sie mit einer Injektionskanüle wieder aufzurichten, entweder sofort abbrechen oder nach dem Abspielen des Spielwerkes.

Walzeninnenleben, Walzeninnere

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Walzenkloben

„Cylinder bridge“, rechter (federhausnaher, „trunnion for cylinder arbor“), und linker (windfangnaher) Walzenkloben, der Befestigung der Walze an der Grundplatte dienend.

Walzenfüllung

Die Walzen der Prager Werke sind oft voll (Schellack, Kork, Reste von Noten- oder Zeitungspapier), bei den Wiener Werken oft leer. Wenn man mit dem Fingernagel zart auf die Walze klopft, gibt es einen dumpfen (bei gefüllten) oder hohlen Ton (bei leeren Walzen).

Walzenmitnehmbolzen

Einer der drei Bolzen in der Nähe des Großen Walzenrades

Walzenstifte

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Walzenstiftsetzmaschine, cylinder pins setting device

PICT

Walzenverschub, Zahlenangaben

Die Verschubstrecke kann unterschiedlich dimensioniert sein. Mit der Verschubstrecke müssen die Abstände zwischen den Zungenspitzen, die Breite der Zungenspitzen, und die Dimension der Stifte (pins) im Einklang stehen.

Wenn die Verschubstrecke 0,5 mm beträgt, schauen die Zahlenangaben bei einem Drei-Musikstück-Werk aus wie folgt: Der Abstand zwischen den Zungenspitzen dann 1,5 mm betragen. Und ganz wichtig ist auch die Stärke des Pindurchmesser, die etwa 0,25 mm ausmachen muss. Und die Zungenspitze hat etwa 0,4 mm breit sein.

Der Niveauunterschied lässt sich errechnen: Der Abstand zwischen zwei Zungen geteilt durch zwei bei Zwei-Musikstück-Werken, und geteilt durch drei bei Drei-Musikstück-Werken.

Die Stifte haben bei dieser Dimension einen Durchmesser von etwa 0,25 mm.

Mit einem Abstand von 0,175 mm zwischen den Stiften ist gewährleistet, dass die Zungen nicht fälschlich berührt bzw. sogar angerissen werden.

Sobald ein Zungenstift horizontal verbogen ist und die Abweichung mehr als 0,175 mm beträgt, hört man einen falschen Ton oder zumindest ein störendes Geräusch, da z. B. ein Pin der dritten Spur die Zunge beim Spielen des Musikstückes der ersten Spur fälschlicherweise berührt oder gar anreisst, wenn er nach rechts verbogen ist.

Deshalb kommt dem Adjustieren der Pins bei der Restaurierung eine große Bedeutung zu, um ein sauberes Spiel zu erzielen.

Je größer der Pindurchmesser, desto breiter sind die Zungenspitzen und je kleiner der Walzenverschub um so kleiner wird der Sicherheitsabstand der Pins der nicht gespielten Spuren zu den Zungenspitzen und um so größer die Gefahr von falschen Tönen, wenn die Pins nicht exakt senkrecht sitzen.

Wenn die Verschubstrecke nicht 0,5 mm, sondern 0,6 mm beträgt, was bei Rzebitschek-Werken häufig vorkommt, müssen alle anderen Dimensionen dem entsprechend angepasst sein. (Hans-Jürgen Eisel)

Walzenverschubfeder

siehe Rückstellfeder

Walzenwelle

„cylinder arbor“, fälschlich „Zylinderachse“ (bei der sich der Zylinder auf der Achse drehen würde). Walzenwelle, Walze und das Große Zylinder(zahn)rad sind miteinander verbunden und können sich nur gemeinsam drehen.

Wange (des Kammträgers)

Federhaus- oder windfangnahe Schmalseite des Kammträgers

Wechselwalze, interchangeable cylinder

Bei den Wechselzwalzen konnte Wechsel der walzen vom Spielwerkbesitzer selbst vorgenommen werden. Dies wurde durch eine spezielle (patentierte) mechanische Vorrichtung ermöglicht. Das Gegenteil sind die Austauschwalzen.

Zu einer Übersicht Walzenwechsel.

Welle

Siehe Walze und siehe Windfang

Werknummer, (Produktionsnummer, Seriennummer, „Zahl“)

Die größere der beiden Zahlen. Die kleinere ist die „Melodiennummer“. Eine lückenlose Vergabe der Werknummern ist  bei keinem Hersteller nachgewiesen und auch nicht sehr wahrscheinlich.

wide and joined quare cut out under bass comb leads

Siehe Große Ausnehmung der Grundplatte

wide cut out of the bedplate

Siehe Große Ausnehmung der Grundplatte

„wide and joined quare cut out under bass comb leads“

Windfang, Windbremse, governor, air brake,(falsch „Fliehkraftregler“)

Gesamtheit von Windfangwelle bzw. Schneckenwelle (mit der Endlosschraube) und dem unteren und oberen Kloben.

Windflügel, „fan“, „l’hélice régulateur“, governor blades“; und WINDFANGGETREBE

Der Windflügel ist ein gerades oder S-förmig gebogenes, rechteckiges Stück Messingblech (mit oder ohne verstellbare „Flügel“ oder „Flügelchen“ zur Regulierung der Länge des Windfanges). Der Windfang ist auf einer Welle, der Windfangwelle oder Schneckenwelle, montiert, die einen schraubenförmigen Mittelteil aufweist, die als „Windfangschnecke“, umgangssprachlich nicht ganz richtig oft als „Windfangspindel“ oder kurz als „Spindel“ bezeichnet wird. Die Besonderheit beim Windfanggetriebe ist, dass die Kraftübertragung „umgekehrt“ verläuft. Nicht die Windfangschnecke treibt das Spielwerk an, sondern die Feder im Federhaus, und die Windfangschnecke hat nur die Funktion, die Laufgeschwindigkeit zu reduzieren. Das Schneckenrad greift in die ‎Schneckenwelle ein und setzt damit die Schneckenwelle mit dem Windflügel in Rotation. Deshalb benötigt die Sonderform „Windfanggetriebe“ ein Widerlager für den oberen Zapfen der Schneckenwelle, damit sich diese frei und möglichst reibungsarm drehen kann. Der Windfang ist somit ein Teil einer Sonderform des Schneckengetriebes. Da über die Schneckenachse keine Kraftübertragung auf das Gewinde erfolgt sondern diese dort endet, scheint der Terminus technicus Achse nicht ganz falsch zu sein. Da aber der Windflügel einen Luftwiderstand erzeugt, ist die „Achse“ ‎funktionell auf jeden Fall eine „Welle“, da die Kraftübertragung der Welle über den Windflügel an die Luft (mit ihrem Luftwiderstand) erfolgt. Bei Spielwerken von Slawik & Preissler sind die Windflügel extrem breit gestaltet. PICT, siehe auch Windflügeltypen.

Abspielgeschwindigkeit

Die Masse des Windflügels beeinflusst nicht den Luftwiderstand nicht. Eine größere Masse wirkt wie einen Schwungrad und reduziert daher etwaige Schwankungen des  Spieltempos. Der größere Reibungswiderstand der Zapfen dürfte kaum eine Rolle spielen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Schwungrad)

Man muss schon eine sehr große Vergrösserung der Masse vornehmen, um einen gwissen Effekt zu erzielen. Bastler haben ein 5 g schweres Stück Blei auf dem Windfang befestigt und damit den gewünschten Effekt, eine gewisse Verlangsamung der Abspielgeschwindigkeit erzielt. Dass durch die exzentrische Belastung die Zapfen der „endless“ übergebührlich belastet werden und dass es wohl demnächst zu einem „run“ kommen wird, haben so wohl nicht bedacht. Am besten, man vergisst das folgende Foto rasch wieder, da es nur ein warnendes Beispiel sein kann, wie es nicht geht:

Der holländische Restaurator Niko Wiegman hat einschlägige Erfahrungen bei den  besonders exakt und liebevoll gebauten Spielwerken der Firma Nicole Frères, speziell der  Ausführung „Grand Format“.

Bei größeren Schweizer Spielwerken wurden gelegentlich vom Hersteller fachgerecht Beschwerungen angebracht, während die böhmischen und Wiener Spielwerke ab und zu handwerklich solide gemachte Verstärkungen aus Messing aufweisen, die durchaus auch von der Erzeugerfirma stammen könnten.

Herrn Niko Wiegman verdanken wir ein Foto eines Lecoultre-Werkes mit zwei (zylinderförmigen) Beschwerungen der (verstellbaren) Windflügel:

Weiters macht Niko Wiegman darauf aufmerksam, dass es beim gleichzeitigen Anreissen sehr vieler Zungen durch die Walzenstifte unvermeidlicherweise zu einer kurzzeitigen, mehr oder weniger deutlichen Verlangsamung der Abspielgeschwindigkeit kommt oder kommen kann.

Mit dem Pirouetteneffekt der Eiskunstläufer hat die Abspielgeschwindigkeit des Spielwerkes jedenfalls gar nichts zu tun, wie sich in der Wikipedia nachlesen lässt.

Windfang-Beschwerungsversuche

Windfang-Verstärkungs- und -beschwerungsversuche.

Windfanggalgen

Siehe Windfangkloben.

Windfanggetriebe
(Windfangblock,
Räderwerkblock oder
Getriebeblock,
„gear train block“)

PICT

•Die Schnecke, (fälschlich „Spindel“), und das

•Schneckenrad (Schneckenzahnrad) mit den

•zwei (bei frühen Spielwerken wie z. B. von Götz drei) vorgeschalteten Zahnrädern („first wheel“, „second wheel“, frz.: „roue première“, „roue deuxième“)

bilden das Windfanggetriebe, zu dem auch die Windfangwelle und die Windfangkloben gehören.

Zum einem Foto des Großen Zahnrades des Windfanggetriebes (samt Erklärung bitte hier klicken).

Beim Rahmen des Räderwerkblockes unterscheidet man einen inneren und äusseren Längsteil und einen walzennahen und einen windfangnahen Querteil. Der innere Längsteil der Rzebitschek- und Maly-Werke weist manchmal eine Senke nahe des Zylinders auf, ein Merkmal, dass den Slawik & Preissler-Werken fehlt.

Die historisch erste Verwendung des Wortes „Räderwerk“ fand Hans-Jürgen Eisel in der „Genauen Beschreibung der Verbesserung an dem Räderwerke musikalischer Spielmaschinen zum Behufe des Gesuches zur Erwerbung eines ausschließlichen Privilegiums“ vom 16. Juni 1841.

Windfangkloben (Windfanghalterung, Schneckenkloben)

Der Windfang samt der teilweise als Schraube aufgeformten Windfangwelle, die oft nicht ganz richtig als Windfangspindel oder kurz als Spindel bezeichnet wird, wird durch den oberen Windfangkloben auf die Grundplatte montiert.

Der senkrechte Teil des „oberen Windfangklobens“ ist einem Galgen nicht unähnlich, und daher unterscheidet man beim diesem den senkrechten Teil („Galgenpfosten“)

und den oberen (querliegenden) Teil („Galgenquerbalken“, „cock“, „bracket“). Seine Form ist
•stark nach vorne verjüngend (wie bei den Spielwerken der Firma Rzebitschek),
nur ganz leicht nach vorne verjüngend, (wie bei den Spielwerken aus Wien) oder
stark von vorne verjüngend und bogenförmig, mit einer Verdickung am Schluss (curved tapering governor cock with a swell at the end) (in der Art der späteren Spielwerke von Ducommun-Girod mit Nummern ab mehr als 2500 bzw. auch schon beim einem frühen Schweizer Werk mit Zigzag-Sektionalkamm: PICT).

Der „untere Windfangkloben“ ist von aussen nicht zu sehen und im Räderwerkblock (=Windfanggetriebe bzw. -block, siehe oben) verborgen. ACHTUNG: Etwaige Schäden an diesem Teil des Spielwerkes kann man nur dann feststellen, wenn man es zur Gänze zerlegt!

Auf der Oberseite des Windfangblockes sind bei Rzebitschek-Spielwerken manchmal Markierungen (Punkt, kursives „S“ oder eine palmettenartige Markierung zu sehen. Diese Markierungen sind entweder Erkennungszeichen von Zulieferfirmen oder bei Eigenproduuktion Typenbezeichnungen.

Am mittleren, vertikalen Teil der Spielwerke wurden bisher keine Auffälligkeiten gefunden. Der obere Teil des Windfangklobens ist entweder nur schwach oder gar nicht nach vorne zu konvergierend (bei Olbrich-Werken) oder stärker bzw. deutlich nach vorne zu konvergierend (bei Rzebitschek-Werken).

Windfanglose Spielwerke

In der Frühzeit der Spielwerke gab es auch kleinformatige Ausführungen bei denen der Einbau eines in Windfanges nicht nötig war. Glaubt man Keess, wurden solche Werke auch in Wien hergestellt. PICT

Windfangschlitten ANIM PICT

Eine Möglichkeit zur Feinadjustierung der Windfangwelle oder Schneckenwelle gibt es bei österreichischen Spielwerken nicht. Es gibt daher auch keine deutsche Bezeichnung für diese Vorrichtung, im Englischen wird sie auch nur umständlich und wortreich umschrieben, doch im Französischen heißt sie „Lardon“. Im Deutschen bietet sich „Windfangschlitten“ an. Sprachlich korrekt ist der Ausdruck „Windfangschlitten“ jedoch nicht, denn mit Windfang ist eigentlich das rechteckige Messingblatt gemeint, das auf der „Windfangwelle“ montiert ist.

Windfangstopper, Windfangstoppstift

Siehe Start-Stopp-Mechanismus

Windfang-Verstärkungs- und Beschwerungsversuche

Zusatzgewichte bzw. Beschwerungen sind dilettantische und völlig ungeeignete Versuche, einen zu schnellen Ablauf zu verlangsamen. Die Gewichtserhöhung beansprucht die Zapfen und Lager enorm und führt zu schnellem Verschleiß, der einen Zapfenbruch bewirken kann, und damit zu dem gefürchteten Run. Die Geschwindigkeitsreduzierung wird korrekt nur durch Vergrößern der Windflügel ereicht, um den Luftwiderstand zu erhöhen. Umgekehrter Weise bringt die Verkleinerung eine Geschwindigkeitserhöhung. Die Windflügel sollten möglichst aus dünnem Messingblech sein, um das Eigengewicht gering zu halten. Die zusätzlich angebrachten Gewichte verursachen zwar einen langsameren Lauf, dies jedoch leider durch Erhöhung des Reibungswiderstandes in den Lagern und Getriebe - und genau das ist Gift für die Mechanik! (Hans-Jürgen Eisel). PICT PICT

Nur der geteilte Windfang oder eine Verkleinerung bzw. Vergrößerung des Windfanges sind, fachmännisch gemacht, („fachmännisch“ bezieht sich auf beide Geschlechter!), geeignet, die Geschwindigkeit zu regulieren (Hans-Jürgen Eisel).

Zu den Windfangtypen

Wenn nach einem irreparablen Federbruch eine zu starke Aufzugsfeder eingesetzt wird, also nicht fachmännisch repariert wird, sind Basteleien am Windfang jedenfalls dilettantische und gefährliche Versuche, einen Pfusch durch einen zweiten Pfusch, der eine Verschlimmbesserung darstellt, zu beheben (Hans-Jürgen Eisel).

Windfangwelle

Zur teilweise schraubenförmig ausgeformten Windfangwelle, die oft nicht ganz richtig als „Spindel“ bzw. „Windfangspindel“ bezeichnet wird, siehe beim Windfang

Winkelgetriebe

right-angled drive, angular gear. Die Kraftübertragung erfolgt auf 90 Grad versetzte Wellen. „Das Rad im Federhaus ist ein geradeverzahntes Tellerrad und überträgt die Kraft auf ein ebenfalls geradeverzahntes Ritzel, welches die Walzenwelle antreibt.“ (Hans-Jürgen Eisel)

(Ausschnitt aus PICT 1)

Variante mit beidseitigem Zahnkranz:

(Ausschnitt aus PICT 2)

Hans-Jürgen Eisel meint dazu: „Das Tellerrad im Federhaus ist auf beiden Seiten verzahnt, die obere Verzahnung treibt das Ritzel der Walzenwelle an und in die untere Verzahnung greift eine starke Blattfeder ein, welche den Sperrklinkenmechanismus ersetzt, also das Zurückschnappen beim Aufziehen verhindert. Diese Konstruktion ist sehr billig und nur bei Massenware anzutreffen. Schon das Geräusch beim Aufziehen ist für mich bei dieser Billigkonstruktion unangenehm.“

Zahl(en)

Die beiden Zahlen auf Spielwerke bedeuten:

Produktions-, Werk- oder Seriennummer, die im Durchschnitt etwa zehn Mal so groß wie die

Musikzahl ist, die das Musikprogramm bezeichnet.

Der Begriff der „Melodie“ sollte in diesem Zusammenhang vermieden werden, weil eigentlich ein oder mehrere Motive aus einer oder mehreren verschiedenen Musikstücke eines oder mehrerer Komponisten gemeint sind.

Zähne

Besser: Zungen, Siehe Kammgriff

Zahnkranz (am Federhaus)

„great wheel in spring barrel“

Zahnkranzrille

„Zahnkranzrille der Ausnehmung des Grundplatte für das Federhaus“, siehe die Abbildung

Zapfen

Das verdünnte Ende einer Welle (von Rädern oder Trieben) nennt man Zapfen, und dieser ruht in der Höhlung des Lagers, des Klobens. Im Lauf der Jahre können Zapfen durch Abnutzung dünner werden, bis sie schließlich brechen. Im Fall der Windfangwelle ist das eine Katastrophe, da es zu einem ungebremsten schnellen Durchlauf, dem gefürchteten „Run“, kommt.

„Zauberer und Tempel-Automaten“ mit Spielwerk

Drei Typen sind bekannt:

1) Tempelautomaten (fünf bekannte Exemplare): ein Magier schwingt den Zauberstab und lässt einen singenden Vogel erscheinen. PICT

2) Tempelautomaten (drei bekannte Exemplare): Ein Zauberer bringt Säulen des Tempels zum Drehen und das Spielwerk ertönt.

3) Zwei Figuren (zwei bekannte Exemplare dieser technisch aufwändigsten am ausgeklügeltsten Bauart): Die beide Figuren, die als zwei Musiker oder als Tänzer und ein Priester oder Zauberer aufzufassen sind, bringen die Säulen zum Drehen, ein Stern bewegt sich und eine Tür öffnet sich, ein Heiligtum erscheint und ein Altar brennt, während das Spielwerk zu hören ist.

Preislich bewegten sich die genannten Automaten im Jahr 2020 von 100.000 bis weit mehr als 500.000 €. PICT.

 

Zementfüllung der Walze

Wie eine Walze teilweise mit Zement befüllt wird, ist auf neun Fotos von Niko Wiegman dokumentiert.

Zickzackkamm

Anordnung von (zwei oder) drei Kämmen bzw. drei Abschnitten von Sektionen, PICT, vermutlich um Resonanzphänomene zu reduzieren.

zigzag comb

Zickzackkamm

Zinken (engl. tines)

Veralteter Ausdruck für Zungen. Siehe auch Kammgriff

Zither

Der zu- und abschaltbarer Zither-Effekt wird dadurch erzielt, dass es eine entsprechende Mechanik ermöglicht, eine Papierrolle ganz leicht auf einen Teil oder fast den ganzen Tonkamm zu drücken.

Zoll

Daumenbreit, engl. inch, angekürzt „in“, 1 in = 2,54 cm = der zwölfte Teil eines Fußes.

Das Französische Längenmaß pouce wird heute gleich gesetzt, 1 pouce = 1 inch. In der Schweiz des 19. Jahrhunderts galt jedoch der Umrechnungsmodus 15 pouces = 16 inch, der pouce war also eine Spur länger als das Inch.

Zunderschwamm

Der Zunderschwamm ist eine Pilzart aus der Familie der Stielporlingsverwandten. Er befällt geschwächte Laubbäume, vor allem Buchen und Birken, und bildet an den Stämmen dicke, invers konsolenförmige Fruchtkörper. Die mehrjährigen Gebilde können im Durchmesser bis zu 30 cm erreichen. Möglicherweise wurden statt den Korken, die in die Walzen Wiener Spielwerke zu deren Stabilisierung eingeführt wurden, gelegentlich auch Stückchen von Baumschwamm oder Zunderschwamm verwendet.

Zungen

Siehe Kamm. Bei den Wiener Werken und bei denen von Slawik und Preissler ist oft ein größerer Abstand zwischen der letzten und vorletzten Basszunge.
Zwei Zungenspitzen auf der längsten Basszunge findet man häufig bei Rzebitschek-Werken

Zungenbasisrille

Siehe Kammrille

Zungenmarkierungen am Kammträger

Siehe Stimmmarken

Zungenspitze

Engl. „tip“, deren Fehlen sich genau verhängnisvoll auswirkt wie das Fehlen der gesamten Zunge: Der entsprechende Stift der Walze greift ins Leere, die Zunge bleibt stumm, und mit Pech fehlt ein wichtiger Ton einer Melodie. PICT
H.-J. Eisel rät unbedingt für den Einsatz einer Lupe, um alle Details zu sehen. Bei oft gespielten Spielwerken sieht man, dass die Zungenspitzen Kerben aufweisen. Diese sind natürlich nicht bei allem Zungenspitzen gleich tief, da diese ja verschieden oft angespielt werden.

Zungenspitzennahe Senke der inneren Wand des Windfangblockes“

Siehe „Senke ...“

Zwei-Musikstücke-pro-Umdrehung-Werk

Das Aufkommen von Spielwerken, die pro Umdrehung zwei Musikstücke abspielen können, ist eng mit der Entwicklung der dicken Walzen, „fat cylinder“, verknüft. In der Schweiz findet sich zum Beispiel schon ein Werk wie eines von F. Lecoultre Nr. 20254 von 1857 (!), das 12 Musikstücke anbietet. Von der Schweiz aus kam diese Neuentwicklung auch nach Böhmen und Wien.

Zweireihige Anordnung von alternierend kurze und langen Zungen

Zweck: Vermeidung von Resonanzphänomenen, die bei benachbarten Zungen entstehen können. PICT

Zwischenscheibe

Beilagscheibe bei der Kammschraube

Zylinder

Walze

„Zylinderachse“

„cylinder arbor“, fälschlich „Zylinderachse“, (fälschlich da sich bei einer Achse der Zylinder durchdrehen müsste), richtig: Walzenwelle (siehe dort). Die wörtliche Übersetzung von „cylinder arbor“, Zylinderdorn, der im Deutschen nicht üblich ist, wäre durchaus richtig, weil sich ja der Dorn mit dem Zylinder, also mit der Walze, mitdreht.

Zylinderboden

Siehe Walzenboden

Zylinderdeckel

Siehe Walzendeckel

Zylinderdorn

Siehe Zylinderachse

Zylinderfeder

Unüblicher Ausdruck für Walzenfeder

Zylinderhülsen

In den Jahren 1891 und 1893 reichte Alfred Junod Patente für eine spezielle Konstruktion der Walzen ein, die den Wechsel der Walzen erleichtern sollte. Diese Erfindung kam bei den so genannten Alexandra-Musikdosen zur Anwendung, die es in sieben verschiedenen Größen gab. Mehr ...

 

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©Otmar Seemann,
mit Danksagung an Herrn Hans-Jürgen Eisel für zahlreiche Beiträge,

Univ.-Doz. Dr. Helmut Kowar,

und an Herrn Wigmann, Spielwerkestaurator in Utrecht, sowie an andere Autoren