„Miraculous“: Querschnitte, Kuriositäten, Sonderbares, Außergewöhnliches, Begriffsverwirrungen, (rätselhafte) Fotos, etc.

 

 

Wie lautet Ihre Frage?

Hier könnte unsere Antwort zu lesen sein.

Vertikalmontage

oder hängende Montage: Ein kleines (mitgegossenes) Loch in einer kleinen Ausbuchtung an der oberen Kante der Grundplatte gestattet die Vertikalmontage eines Spielwerkes mit nur einer einzigen Schraube. Es dürfte sich nicht um eine herstellerspezifische Machart handeln, auf diese Idee werden wohl mehrere Spieldosenfabrikanten gekommen sein. Befinden sich noch weitere Löcher in der Grundplatte zur Verwendung mehrere Schrauben? Antwort: meistens ja, aber nicht immer. PICT

Sektionalkamm-Spielwerke: welche sind die häufigsten?

Von der Anzahl der Zungen pro Sektion sind es nach bisheriger Zählung die Spielwerke mit 14 Sektionen à 5 Zungen. Von denen bisher erfassten Spielwerken mit fünf Zungen pro Sektion sind allein solche mit 14 Sektionen (also insgesamt 70 Zungen).

Schweizer Lochplattenmusikwerke

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144 Musikstücke in einer Spieldose

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Abbildungen von Drehleiern bzw. LEIERMÄNNERN auf Musiktafeln

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Von dicken und dünnen Zungen

handelt dieser kurze Abschnitt, in dem es weniger zu lesen sondern mehr zu sehen gibt.

Was Sie an der erfundenen Geschichte stört?

Die Prügelstrafe? Nein, war damals durchaus üblich, und zwar danach noch mehr als ein halbes Jahrhundert lang. Die Geschichte hätte sich also durchaus so zugetragen haben können. Die Story ist natürlich erfunden, aber aus ganz anderen Gründen schlecht erfunden! Damals wurde der Firmenstempel noch auf der Grundplatte vor dem Kamm aufgebracht. Es handelt sich also nur um eine auffällige Kammnummerierung, ein Schaden war nicht entstanden. Nehmen wir also zur Kenntnis, dass erste Kammnummerierungen nicht am Kamm seitlich versteckt, sondern auch an auffälliger Stelle platziert wurden.

Gibt es Willenbacher & Rzebitschek-Spielwerke mit Musik von Verdi und Wagner?

Als sich die Wege von Alois Willenbacher und Franz Rzebitschek im Jahr 1842 trennten, im selben Jahr fanden sich übrigens in Wien Musiker zusammen und gründeten die Wiener Philharmoniker, in diesem Jaher 1842 also ging der Stern des 1813 geborenen Giuseppe Verdi auf: Seine Oper Nabucco, eine Abkürzung von Nabucodonosor, der italienischen Bezeichnung für Nebukadnezar, wurde am 9. März 1842 uraufgeführt und machte ihn schlagartig bekannt. Der ebenfalls 1813 geborene Richard Wagner folgte neun Monate später, am 2. Januar 1843, mit dem Fliegenden Holländer nach, einer Oper, die sich zwar nicht sofort, aber doch später durchsetzen konnte. Es ist eine bei Wagner nahezu unmöglich, dass eine seiner Komposition in Prag auf eine Walze eines Spielwerkes gestiftet wurde und bei Verdi zumindest sehr unwahrscheinlich, dass schon 1842 eine Nummer aus Nabucco ins Repertoire einer Prager Süielwerkfirma aufgenommen wurde. Die links stehende Frage ist also mit so gut wie sicher nein zu beantworten.

Warum gibt es Spielwerke mit Grundplatten, deren vier Ecken abgerundet sind?

Im Spielwerkfach einer Uhr ist ja genug Platz, sodass die Beschaffenheit der Ecken völlig belanglos ist!

Antwort: Das ist richtig, aber in den Tabatièren geht es um jeden Millimeter, und daher weisen deren Spielwerke meistens abgerundete Grundplatten auf. Es sind zwei Möglichkeiten annehmen: Entweder lagen in der Spielwerk-Offizin noch solche Grundplatten herum und wurden noch aufverbraucht oder es wurden die ersten nicht für Tabaksdosen gedachten Spielwerke noch traditionell gebaut, bis man draufkam, dass man sich die Arbeit des Abrundes durchaus sparen kann.

„Die österreichischen Spielwerke mit ihrem bescheidenen Lautstärke“ ist eine Äusserung, die man nicht so stehen lassen kann. Hans-lürgen Eisel hat eine ausführliche Stellungnahme dazu abgegeben, die in der rechte Spalte nachzulesen ist

„Trotz ihrer bescheidenen Größe als ein Mittelding zwischen den Tabatiere- und den meist größeren Cartel-Spielwerken haben die Erzeugnisse aus Böhmen und Wien ein großes Tonvolumen, dass denen der Cartellspielwerke nahekommt. Beim Frequenzumfang nehmen es die böhmischen und Wiener Werke oft sogar mit wesentlich größer dimensionierten Schweizer Spielwerken auf. (Natürlich muss man den Schweizer Spielwerken mit einem fat cylinder und oder einer grand-format-Bauart eine grössere Lautstärke zugestehen.) Im Detail:

Die Herausstellungsmerkmale der Prager und Wiener Werke sind die
•enge kompakte Bauweise,
der kleine Durchmesser der Walze,
die größere Anzahl von Zungen,
der grössere Frequenzumfang und die
relativ lange Spielzeit,
wenn man Vergleiche mit Schweizer Spielwerken zieht.

Ausnahmen gibt es fast nur Werken aus der Frühzeit der Schweizern und auch bei Werken von François Nicole. Diese vorgenannten Spielwerke waren in der Übergangszeit zu den grösseren Cartellspielwerken auch noch kompakt.

Das Spielwerk von Anton Olbrich im Wiener Geymüllerschlössel spielt seine sechs Musikstücke extrem laut, fast plärrend und besiegt beim Lautstärkevolumen wohl die meisten Schweizer Spielwerke.“ (Hans-Jürgen Eisel)

Wenn eine Abbildung ein Spielwerk mit nur zwei Kammschrauben zeigt ...

... ist unser Interesse auf dem Nullpunkt. Da kann nichts sein, was uns interessieren könnte. Fast nie!

Es gibt jedoch durchaus einige wenige Ausnahmen. Wenn ausser den beiden Kammschrauben ein Spielwerk abgebildet ist, das gar
kein Federhaus aufweist, wird es interessant.

Wie wurde bei der Einführung der gusseisernen Grundplatten das Fehlen der Messings kaschiert?

Durch einen Anstrich meist mit einer messingähnlichen Goldfarbe und durch die Riffelung der Grundplatte. Weitere Details dazu.

 

Wie viele Musikstücke hat das Spielwerk, aus dessen Kamm Sie rechts einen Audschnitt sehen?

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In welcher Region finden man welche Spielwerke?

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Schweizer Spielwerk oder eines aus nach böhmischer bzw. Wiener Machart?

In allererster Linie kommen natürlich Schweizer Werke in Betracht. Wenn die Beilagscheibe plan ist, könnte es sich auch um ein Spielwerk aus Prag handeln, allerdings nur eines aus der Musikwerkefabrik Rzebitschek.

Wenn die Beilagscheibe allerdings nicht plan sondern gewölbt ist, wenn es sich also auf gut englisch um einen domed brass comb washer handelt, dann kommen nur mehr die Schweizer bzw. Franzosen als Hersteller in Frage.

Das größstformatige Stück an Notenmaterial ...

... das je in einem Spielwerk aus Böhmen und Wien gefunden und dokumentiert wurde, ist Niko Wiegmann zu verdanken.

Multipler Bruch der Aufzugsfeder

Wenn eine Aufzugsfeder überdreht wird, kann sie brechen. Aber wie erklärt sich ein vielfacher Bruch in zwei oder drei Dutzend (!) Einzelteile? Zur Lösung bitte hier klicken!

Wieder einmal: Das Problem der fehlenden Zungen, und: Gibt es „überflüssige“ Zungen, also solche, für die keine Stifte vorgesehen waren?

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Spielwerke mit FÜNF Musikstücken

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Kulinarische Überraschungen: Sind Nelkenspielwerke und Frühlingsrollen genießbar?

Computerunterstützte Übersetzungen können missverständlich sein.

Mit den Wörtern Rzebitschek und Hrebicek (die Nelke) und barrel spring (barrel = Tonne, Gehäuse, Rolle; spring = Feder, Frühling) gehen manche Computerprogramme allzu leichtfertig um.

Das erste Musikstück klingt unbefriedigend, jedoch da zweite (und all weiteren) wunderbar. Wo liegt der Fehler?

Zur Beantwortung der Frage.

In welchen In welchen Ländern wurden Walzen- bzw. Kammspielwerke hergestellt?

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Der Beitrag Wiens zu Spielwerken aus der Schweiz

Ja, auch Wien hat einen (wenn auch nur) kleinen Beitrag zu den Schweizer Spielwerken geleistet. Das Handelsunternehmen J. H. Heller beauftragte zwei Wiener Druckereien, attraktive chromolithographierte Musiktafeln für ihn herzustellen. Die eine Firma hieß Habernal, und die zweite Herz und Kessler.

Nach der Abnahme und Wiederbefestigung der Grundplatte des Spielwerkfaches passt der Aufzugsschlüssel nicht mehr in den Dorn! Was ist passiert?

Der Fehler wurde schon bei der Entnahme des Bodens des Spielwerkfaches gemacht. Zuerst lockert man die Schrauben, dann entnimmt man sie, am besten mit assistierenden Händen einer zweiten Person, damit der Boden nicht herausfällt und das Spielwerk Schaden nimmt, und gerade in diesem Moment kann schon ein Fehler passieren: Bei der Entnahme der letzten Schraube muss man genau schauen, ob es ein oder mehrere Bohrungen im Holz des Spielwerkfaches gibt.

In diesem Fall hat ein Vorgänger schon einmal gepatzt und brauchte zwei oder noch mehr Positionierungen des Spielwerkes, bis er die einzig richtige herausgefunden hat. Man muss zuerst eruieren, in welchem Bohrloch die Schraube montiert war, und dieses markieren oder sich eine Skizze anfertigen. Besser ist eine Markierung des Bohrloches mit Bleistift, um bei einer weiteren Entnahme schon vorinformiert zu sein. Unterlässt man diese Vorsichtsmaßahme, muss man alle Bohrungen ausprobieren, und zwar so lange, bis der Dorn wieder genau so sitzt, dass der Aufzugsschlüssel perfekt hineinpasst. Der Teufel steckt, wie immer im Detail, und scheinbare Routinetätigkeiten können, wenn man nicht genau aufpasst, zu lästigen Schwierigkeiten und Verzögerungen führen.

Doch nehmen wir an, wir haben gut aufgepasst und die richtigen Bohrlöcher eruiert und markiert, versuchen wir den Boden zu entnehmen, und da könnte sich eine neue Schwierigkeit ergeben: Die Pinzette, mit welcher wir den originalen und daher unbedingt erhaltungswürdigen Bindfaden zur Spielwerksauslösung immer entnehmen, ist nicht im Werkzeugkistchen. Es bleibt nichts anderes übrig, als die Aktion abzubrechen, erst die Pinzette zu suchen, und dann erst fortzufahren.

Die richtige Vorgangsweise lautet: Wenn der auslösende Bindfaden vorhanden und gespannt ist, müssen eine Pinzette mit langen Branchen und ein Bleistift griffbereit sein. Verneinendenfalls braucht man den Schraubenzieher erst gar nicht in die Hand zu nehmen.

Die Welt der Prager und Wiener Spielwerke in einer einzigen Fußnote

Der literarisch äusserst belesene Autor Ullrich Wimmer hat sein Buch Alles andere als Alltag aus dem Jahr 2000 den Drehorgeln gewidmet. Nebstbei wird auf wenigen Seiten auf Schweizer Kammspielwerke eingegangen. Den Prager und Wiener Herstellern ist immerhin eine einzige Fußnote gewidmet. Wie liest sich das, wenn eine Produktion von an die 100.000 Spielwerken in wenigen Sätzen abgehandelt wird?

Zumindest in einer Fußnote darf darauf hingewiesen werden, daß Walzenspielwerke auch in Wien und Prag gebaut wurden. Zu nennen sind seit 1823 die Schlesier Anton und Josef Olbrich [recte: um 1820 (Anton Olbrich) und 1823 [Josef Olbrich]], später u.a. Alois Bartl, Franz Einsidl, Josef Schidlo, Josef Wyskocyl in Wien, in Prag die Firma Rzebitschek. Sie haben sich auf Standardmodelle mit einheitlichen Abmessungen geeinigt. [?] Von den Schweizer Produkten unterscheiden deren Kämme sich dadurch, daß sie links mit dem Sopran beginnen und rechts mit dem Baß enden. Auch finden sich keine weiter hinzugefügten Instrumentierungen [gemeint: klangerzeugende Elemente] wie Glocken, Trommeln etc. (Wimmer S. 12, Fußnote 2). [Zur bis jetzt einzigen gefundenen Ausnahme eines Wiener Spielwerkes mit drei Glocken]

Wie lauten die beiden jeweils ältesten Spielwerkmacher von Prag und Wien?

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Unbekannte Teile in Spielwerken

Wer macht sich schon die Mühe, eine Spielwerkteil zu konstruieren und einzubauen, der offenbat keine Aufgabe zu erfüllen hat und (zumindest in der Position, in der dieser Teil aufgeunden wurde), nicht ins Geschehen eingreift?
Beispiel 1: Eine Blattfeder im Räderwerkblock
Beispiel 2: Eine Art Vordach über dem obere Windfangkloben

Uhrmacher-Genre-Bild um 1905?

Wir schauen in eine Auslage eines Uhrmachers um 1905.

„Von schmalen Zungen und dicken Walzen“

Genau genommen können sowohl Zungen wie auch Walzen besonders breit oder auffällig dick ausfallen.

Unwichtige Details, die man ruhigen Gewissens vergessen kann? Keinesfalls!

Mehr ...

Markung der Spielwerke, ja oder nein?

Manche Hersteller platzierten ihr Signet auf der

Grundplatte und auch am Kamm mit ihrem Firmensignet (wie Olbrich bis rund 10.000, Willenbacher & Rzebitschek), und Einsidl&Sagan, manche nur am

Kamm (z. B. Olbrich an 10.000, Einsidl, frühe Werke von Bartl),

manche gar nicht. Die Details dazu.

Fehlende Zunge: Kann man nicht die Pins versetzen?

Eine kuriose Anfrage: Wenn eine Zunge fehlt, kann man nicht die Pins, die in die Leere zielen, duplizieren und einfach die Nachbarzungen anreissen öassen?

ANTWORT: Alle Zungen sind immer (mit der unten erwähnten Ausnahme) unterschiedlich lang und klingen daher immrr höher bzw. tiefer als ihre Nachbarzungen. Manchmal erzeugen jedoch mehrere, bis zu vier nebeneinander liegende, jedoch unterschiedlich lange (!) Zungen eine Ton der selben Höhe. Hans-Jürgen Eisel im Originalton: „Die MASSE der unterschiedlich langen Zungen muss dennoch die selbe sein, jedoch ergibt die künstlich auf das Prokrustesbett der selben Tonhöhe gezwungene Zunge meist einen etwas leiseren Ton.“ — Die oben vorgeschlagende Methode ist also in bestimmten Fällen anwendbar, aber der Ersatz der fehlenden Zunge ist immer noch die beste Restaurationsmethode.

AUSNAHME: Es gibt auch spätere Olbrich-Werke, bei denen die gleichstimmigen Zungen wirklich gleich lang sind, und nur eine kleine oberflächliche Einkerbung an der Zungenwurzel eine ungleiche Länge vortäuschen soll! Für diese Werke gilt natürlich ebenso der oben beschriebene Sachverhalt.

Gebete auf Spielwerken

In der Oper wird viel gebetet. Und welche Gebete finden sich auf Spielwerken? Nein, die Desdemona betet nicht auf Rzeitschek oder Olbrich, aber es gibt schon Beispiele.

Die Sammlung Luuk Goldhoorn

Unmittelbar nach Auktionsende ins Netz gestellt, wird diese Seite in Zukunft noch aktualisiert, wenn neue Details auftauchen sollten.

Warum erschien in den Jahren 1862 und 1863 kein Adressbuch in Wien?

Das Wiener Lehmann-Adressbuch konnte in den Jahren 1862 und 1863 nicht erscheinen, weil in diesem Jahr die Vorstädte miteinbezogen wurden und viele Straßen und Gassen umbenannt werden mussten. Da wurde aus der „Hauptstraße“ eine „Landstraßer Hauptstraße“ und aus einer „Feldgasse“ in Schottenfeld ein „Schottenfeldgasse“. Da die überwältigende Mehrheit der Wiener Adresseh umgeschrieben werden mussten, konnte zwei Jahre lang kein Adressbuch erscheinen.

Warum begegnet der Sammler gefühlt gleich viel Spielwerken von Rzebitschek (52000 Werke) und Olbrich (30000 Werke). Sollten nicht mehr Rzebitschek Werke auftauchen?

Antwort: Der Fragesteller hat die Werke von Josef Olbrich nicht ins Kalkül gezogen, das sind etwas mehr als 10300.

Weiters hat der Fragesteller die ersten 8000 ungemarkten Werke von Rzebitschek nicht abgezogen.

Rzebitschek: 52000 weniger 8000 ungemarkte ergibt etwa 44000.

Anton Olbrich (30000) und Josef Olbrich (etwas mehr als 10300) kommen zusammen auf mehr als 40300. Den geringen Unterschied zwischen 44000 (Rzebitschek) und „mehr als 40300“ (Olbrich) sollte man „ungefähr“, also „gefühlt“ eigentlich gar nicht bemerken, und genau das ist ja auch der Fall.

Welche Musikstücke gab es in den Jahren 1822 bis 1824 auf Wiener Spielwerken?

Nach dem „Rossinitaumel“ des Jahres 1822 hätte man vielleicht erwartet, dass Opern von Rossini überwiegen.

Dem war aber nicht so. Die etwas überraschende Antwort lautet: Den ersten Platz teilen sich Webers Freischütz, ein heute völlig vergessenes Musiktheaterwerk eines gewissen Volkert und mehrere Opern von Rossini. Zu den Details.

Hat der links zitierte Uhrmacher seine Spielwerke selber hergestellt?


Der Uhrmacher in Klagenfurt wird sicherlich seine Spielwerke nicht selber hergestellt haben, sonst hätte er auf diese damals noch extrem seltene Fertigkeit besonders hingewiesen. Aber von wem hat er seine Spielwerke zugekauft? Anton Olbrich kann es nicht gewesen sein, denn der stellte seine erstes Werk erst 1823 vor! Also kommt von den Wienern in diesem Jahr nur mehr Peter Götz in Frage. Am ehesten wird Johann Unsinn eine Schweizer Firma gekannt haben, bei der er im Bedarfsfall bestellen konnte.

Die drei „Schnecken“ von Spielwerken

 

Von den drei „Schnecken“ der Spielwerke schaut nur die erste wirklich wie eine Schnecke aus:
1.) Kette und Schnecke (engl. „fusee“) bei Spielwerken knapp nach 1800.
2.) Das Sternrad wird im Englischen als „snail“, Schnecke, (besser: Schneckenhaus!), bezeichnet, weil die drei bzw. noch mehr die vier Niveaustufen des die Walzenverschiebung steuernden Sternrades eines Drei- oder Vier-Musikstücke-Spielwerkes wirklich an eine Schnecke erinnern.
3.) Die wichtigste und eigentliche „Schnecke“ des Spielwerkes wird umgangssprachlich als „Spindel“ bzw. „Windfang“ bezeichnet, wobei es sich technisch um keine Spindel handelt und der Windfang ja nur das rechteckige Messingblatt ist, das auf der Windangwelle montiert ist. Der Windfang und die Schneckewelle bilden die Schnecke, die allerdings gar nicht wie ein Schneckenhaus aussieht sondern im Deutschen technisch durch das Schneckengetriebe so definiert ist, dass ein Zahnrad schneckenartig langsam durch die so genannte Schneckenwelle angetrieben wird.

Ein wenig kurios ist, dass die
•richtige „Schnecke“ (im Sinne der Nummer 3 oben) zwar richtig, aber sprachlich nicht so geläufig ist,
•dass die Kette und Schnecke die allermeisten Spielwerkliebhaber aufgrund ihrer Seltenheit nicht so genau kennen, und
•dass das „snail“, das Sternrad, nur ein Besitzer eines Drei- oder Vier-Musikstücke-Spielwerkes kennt und das auch nur, wenn er dieses zerlegt, da es auf die Innenseite des Großen Walzenrades geschraubt ist und sich dem Zuschauer von aussen nur von der Seitansicht darbietet.

Mitgrund für diese Missverständnisse ist die Doppeldeutigkeit ist der einerseits der Vergleich mit dem Schneckenhaus, (Punkte 1 und 2 oben), und mit dem schneckenartig langsam angetriebenen Zahnrad des Schneckenantriebes (Punkt 3 oben).

Was haben die „Markierungen“ am Übergang zur Zungenspitze zu bedeuten?

Die Abbildung links zeigt bei Zungen am Übergang zur Zungenspitze zwei kleine Pünktchen als Lichtreflexe.
H.-J. Eisel macht es klar: Diese Lichtreflexe enstehen beim Fräsen der Zungenspitze. Das Ende der Zunge wird von beiden Seiten rechts und links auf die passende Zungenspitzenbreite abgeschliffen. Dadurch entsteht eine kleine Anschrägung, an der das Licht reflektiert wird. (Foto: H.-J. Eisel, Spielwerk von Olbrich 1532/-). Es handelt sich also um keine Markierungen, sondern nur herstellungsbedingte Anschrögngen die auf Fotos wie kleine Markierungen aussehen.

Rund um die Stifte der Walze sind runde Strukturen
(in Form eines Ringes,

oder Verfärbungen
als Hof um den Stift) zu sehen. Was hat das zu bedeuten?

1.) Beim Einschlagen der Stifte, dem „Bestiften“, kann das dazu nötige Instument, die Poussette, (frz., wörtlich übersetzt „Anschieber“), eine kleine ringförmige Einkerbung verursachen.

2.) Verfärbungen, quasi als Hof rund um den Stift herum (bzw. bei eng stehenden Stiften um eine Gruppe herum) sind Oxidationsspuren. H.-J. Eisel vermutet, dass es sich hier um die Folge von Öl oder Fetten handelt. Die Stiftspitzen werden, folgt man der zeitgenössischen Literatur, zur Spielwerkrestaurierung eingefettet mit einer Folie, auf welcher ein dünner Fettfilm verteilt wurde. Die Walze wird über diese Folie gerollt und ich vermute, dass das Fett in der Folge bis zur Walzenoberfläche um den Stift herum kriecht. Das Fett verhindert dann die Oxidation,  ‎sodass an den Stellen, wo kein Fett auf die Walenoberfläche gelangte, die Oxidation anders verläuft und dieser Unterschied für das Auge sichtbar wird. Diese Verfärbungen sind völlig harmlos und müssen nicht entfernt werden.

Kammspitzen weisen Furchen auf ...

und das Spielwerk spielt dadurch deutlich leiser, weil der die Stifte anreissnede Teil der Kammspitze weiter weg gerückt ist. Was tun? H.-J. Eisel macht legt ein 2000er-Körnung-Feinschleifpapier auf eine dicke ebene Glasplatte und schleift die Kammspitzen ab. ACHTUNG: Dazu gehört viel Erfahrung und ein ganz ausgezeichnetes Gehör. Durch diesen Vorgang kann die Stimmung des Kammes leiden und das Spielwerk ist womöglich wieder laut, ist aber stark verstimmt. Preisfrage; Welche Töne werden mehr verstimmt sein, die tiefen oder die hohen? Zur Auflösung hier klicken.

Ungelöstes Rätsel

betreffend den Rzebitschek-Patentantrag von 1841 (?)
Bitte hier klicken

Wo ist rechts?

Eine scheinbar dumme Frage: Die Basszungen der österreichischen bzw. der schweizer und französischen Spielwerke sind ... links oder rechts? Bitte hier klicken

Kammspitzen weisen Furchen auf

... und das Spielwerk spielt dadurch deutlich leiser, weil der die Stifte anreissende Teil der Kammspitze weiter weg gerückt ist. Was tun? H.-J. Eisel macht legt ein 2000er-Körnung-Feinschleifpapier auf eine dicke ebene Glasplatte und schleift die Kammspitzen ab. ACHTUNG: Dazu gehört viel Erfahrung und ein ganz ausgezeichnetes Gehör. Durch diesen Vorgang kann die Stimmung des Kammes leiden und das Spielwerk ist womöglich wieder laut, ist aber stark verstimmt. Preisfrage; Welche Töne werden mehr verstimmt sein, die tiefen oder die hohen? Zur Auflösung hier klicken.

Man sieht nur was man weiß

Wer ein Spielwerk ausführlich betrachtet, wird in kürzester Zeit „alles“ gesehen haben. Je mehr man sich mit den Details befasst, umso mehr weiß man und umso länger braucht man, weil man Vergleiche ziehen kann und mehr sonst unbeachtete Details sieht.

Bässe und Soprane

Generell zum Klang der Bass- und Sopranzungen und meint H.-J. Eisel: „Ich habe auch schon von Anton Olbrich Spielwerke gehört, die einen sehr schönen Bassbereich aufwiesen. Dagegen habe ich auch Rzebitschek-Werke gehört, deren Bass etwas taub klangen.
Joseph Olbrichs Bässe gefallen mir nicht immer. Aber auch seine Sopranstimmen fallen ganz unterschiedlich aus. Oft klingen sie hart laut und schwingen schnell aus. Manchmal sind sie jedoch zart und und schön und langanhaltend im Klang. Solche guten Sopranstimmen habe ich sowohl bei Spielwerken von Anton Olbrich, Rzebitscheks und Slawik & Preiszler gehört. Selbst bei ein und dem selben Hersteller gibt es erhebliche Schwankungen in der Güte und Beschaffenheit der Kämme und anderer Details.
Ich mit gutem Gewissen sagen kann, dass die Firma Rzebitschek kontinuierlich hochwertige Qualität produzierte.“

Aktentasche mit Spielwerk

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Hat das Spielwerk einen Schlüssel?

Oder hat der Schlüssel ein Spielwerk? PICT