Zeittafel / Timetable

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1796 ERSTES KAMM-SPIELWERK. Der Genfer Uhrmacher Antoine Favre-Salomon gibt bekannt, ein Spielwerk gebaut zu haben, bei dem ein Stahlkamm zur Tonerzeugung verwendet wird, der von dem Stiften einer Walze bedient wird. Es ist ziemlich sicher, dass es auch schon früher solche Versuche gemacht wurden, ohne dass dies irgendeinen Einfluss gehabt hätte und ohne dass dies publik gemacht worden wäre. Dass sich offenbar kein einziges signiertes Werk erhalten hat, und anscheinend auch keines, das gesichert Favre zuzuschreiben ist, ist erstaunlich, doch das Primat der Publikmachung sichert Favre eine Platz in der Geschichte des Spielwerkbaues, auch wenn er von der wohl nicht als Erstem erfundenen, aber doch erstmalig publik gemachten Kammspielwerktechnik offenbar kaum Gebrauch gemacht hat. Allein im Jahr 2020, 200 Jahre nach dem Tod von Antoine Favre-Salomon, wurden immer noch etwa 100 Millionen (vorwiegend kleinformatige) Kammspielwerke hergestellt.
1800 SCHEIBEN- oder TELLER-SPIELWERKE (sur plateau). Der Genfer Uhrmacher Isaac Daniel Piguet könnte der erste oder zumindest einer der ersten gewesen sein, der ein Scheiben- der Tellerspielwerk (sur plateau) gebaut hat, Diese Bauweise wurde von anderen Uhrmachern, die damit zu Spielwerkmachern wurden, übernommen und hielt sich bis etwa in die 1820-er oder vereinzelt sogar noch in die 1830-er Jahre. Es gibt kein Dokument aus dieser Zeit, das beweist, dass Piguet die Erfinderschaft zuzusprechen ist bzw. ist uns von eiou.at kein solches bekannt.
Knapp nach 1800 David Lecoultre in Le Brassus wendet sich von den Scheibenspielwerken ab und den Walzenspielwerken zu.
Nach 1800 Die Hersteller im Valle de Joux und in St. Croix beliefern die Genfer Spielwerkmachern mit Kämmen oder sogar Rohspielwerken (blanks). Diese enge Zusammenarbeit blieb noch bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts aufrecht und trug dazu bei, die Spielwerkindustrie im Kanton Wallis zu fördern.
1806 Franz Schuster, Anton Olbrich, Peter Götz und Eduard Heinrichsohn bauten, glaubt man den Autor Keeß, Schweizer Spielwerke in Wien nach, „die so vollkommen verfertiget waren, dass sie in Rücksicht der Stärke des Tones den Schweizer Carillons [gemeint: Kammspielwerke] vorgezogen werden“ (Keeß). Leider konnte bis jetzt keine Spielwerke nachgewiesen werden, die den Wahrheitsgehalt beweisen würden..
1814 /
1818

Der erste Kamm in einem Stück, Einzelkamm = single section comb, wird von François Lecoultre entwickelt, ohne jedoch sofort allgemeine Verbreitung zu finden. Erst ab 1818 und besonders nach 1820 wurden die Sektionalkämme (section combs or combs having individual teeth) von den Einzelkämmen (combs cast in one piece) abgelöst. (Literaturangabe, weitere Literaturangabe). Zu den ersten, die den Einzelkamm bevorzugten, war auch Henri Daniel Capt. (Siehe dazu ein auf von Horngacher-Blyelle auf 1802 bis 1812 geschätztes Spielwerk von Capt-Janin.).

Die Angabe, dass ein Genfer Spielwerkmacher den Einzelkamm schon 1810 erfunden haben soll, ist uns zu unsicher und wird hier nur vollständigkeiotshalber erwähnt (Wikipedia, Stand vom 5. Februar 2021, und zum Beispiel auf der Webseite Mechanische Klangfabrik).

um/about 1820 Willenbacher/Rzebitschek und Anton Olbrich senior beginnen ihre Firmentätigkeit
ab 1820 der Einzelkamm = single section comb beginnt sich langsam durchzusetzen, eine Entwicklung, die sich erst in den 1830-er Jahren allgemein durchsetzt. Als Ausnahmen sind kleinformatige Schweizer Spielwerke anzusehen die auch noch in späteren Jahrzehnten mit Sektionalkämmen ausgestattet waren.
1815 / 1820 (?)

ERSTES CARTEL-SPIELWERK. Jérémie Recordon was probably the first producer of a music box called cartel. His activities did not continue beyond the 1830s.
(Piguet 2004, p. 286)

~1816 / 1818 François Nicole erfindet die Stahldämpfer, die ab 1818 langsam bekannt und bald vereinzelt auch schon nachgemacht werden
~since 1818 first lead weights
~1820

John Sandy of Alyth, Perthshire, is credited with the invention of the "hidden hinge" on snuff boxes. Since Sandy had been bedridden following an accident in his youth,

Charles Stiven of Laurencekirk took over the manufacture and marketing of his design.

1825 Einzelkamm, single section comb, beginnt sich zu verbreiten, Sektionalkämme verschwinden jedoch gänzlich erst ab etwa 1845
bis/until 1832

Originalkassetten: Firnis innen klar

bis/until ~1832

Ende der Ära der Sektionalkammspielwerke vom Cartel-Typ (Literaturhinweis)

bis/until 1835 Originalkassetten aus Fruchtholz
Ca 1835 Sectional comb movements with three teeth (Lit.)
Ab 1835 Verbilligung von Messing durch industrielle Herstellungsmethoden
Ca 1840 Sectional comb movements with four teeth are the standard type (Lit.)
1844 – 1868 Originalkassetten: Bandintarsien am Deckel
ab/since ~1845 Originalkassetten: Eigenes Fach für die Hebeln auf der rechten Seite vergrößern die Kassette
Ab/since 1848 Mandolineneffekt (in St. Croix bei Louis Jaques & Fils)
Ab/since 1850 Flute
Ab/since 1850 Musikstückanzeiger
Ab/since 1850 black ebonite
Ab/since 1850

The first changeable cylinders, where made in the 1850/60 period PICT

See also the rechange cylinders (since before 1870) and

interchangeable cylinders (since 1880)

<1850 – >1860 The first Bells and Drums were hidden. Diese Zusatzinstrumente werden zuerst einmal schamhaft versteckt und sind erst nach 1860 zu sehen, später sogar liebevoll und aufwändig dekoriert
bis/until ~1855

Ende der Ära der Sektionalkammspielwerke in den Schnupftabaksdosen

ab/since ~1855 Originalkassetten: Angesetzte Füße der Originalkassetten
ab/since ~1860 Knapp nach der Einführung der Ratsche bekommt die Ratsche ein eigenes Fach in der Originalkassette, die dadurch größer wird
ab/since ~1860

Transition univisible to visible bells (Bellamy 2021 S. 9 oben links), die vorher hidden bells wurden in der Folge als in sight, en vue, bells exposed bzw. sichtbare Glocken bezeichnet

1862 First exhibition of a Plerodienique in London
ab/since ~1860

Castagnetten bereichern das Angebot an Zusatzinstrumenten in den Spieldosen

ab/since 1862 Originalkassetten: Deckelrand schwarz
ab/since 1865 Originalkassetten: Der umlaufende Sockel kommt auf
ab/since 1865 Originalkassetten: Langsam beginnt sich ein drittes Fach für die Hebel durchzusetzen
bis/until 1872 Originalkassetten: Innen Firnis rot
1874

In 1874, Paillard invented a way to increase the volume of their music boxes without creating a harsh, tinny sound: The invention Sublime Harmonie called for the use of two or more combs of equal scale, each tuned alike or with a slight intentional dissonance in order to provide a louder volume without harshness

bis/until 1875 Originalkassetten: Füsse integriert
ab/since 1868 Originalkassetten: Innen Firnis schwarz
<1860 bis/until >1880 Engelszungen (voix celeste)
ab/since ~1861 Musikstückwähler kommen auf
bis/until ~1862 Schlüsselaufzug
ab/since 1858 – 1862 Ratschenaufzug
ab/since 1862 Sublime Harmonie
ab/since ~1862 Ducommun-Girod bezeichnet Orgel-Spieldosen als Harmoniphónes
<1860 – >1881 Longue marche
ab/since 1865 „Orchester“, Spieldose mit vielen Zusatzinstrumenten, wie Glocken, Trommeln, Pfeifen, Kastagnetten etc., wie sie ab etwa 1870 in der Schweiz hergestellt wurden
ab/since vor/before 1870

rechange cylinders (schwer auszutauschende Walzen) im Gegensaz zu den Wechselwalzen (interchangeable cylinders) ab 1880 (siehe weiter unten)

See also the first changeable music boxes of the 1850/60 period

1872 Letztes Jahr vor der Krise. Im Jahr 1872 lieferten die Schweiz Uhrmacher 366.000 Uhren in die Vereinigten Staaten, aber nur drei Jahre später, 1875, waren es nur noch nur noch 70.000. Warum? In den Vereinigten Staaten hatte man erfolgreich begonnen, Uhren in Fabriken mit Hilfe von Spezialmaschinen und unter Anwendung von maximaler Arbeitsteilung herzustellen
ab/since 1870

Die polierte Messinggrundplatte wird in der Schweiz langsam von der rauen Gusseisenplatte abgelöst. Diese wurde gold- bronze- oder silberfarben angestrichen um vom Fehlen der der Politur des Messings abzulenken. Etwas später, um 1884, wurde aus der Not eine Tugend gemacht indem die Grundplatte hübsch geriffelt / gerippt wurde. In Wien setzt sich das Gusseisen knapp ab den frühen 1870er Jahren ebenfalls langsam durch, goldfarben angestrichen aber immer ungeriffelt, daneben wird jedoch auch noch Messing verwendet. In Prag darf das Gusseisen in der Firma Rzebitschek gar keinen Einzug halten, bei Maly nur ganz vereinzelt. In der Spätzeit wird in Wien die Grundplatten oft nicht einmal mehr angestrichen, es wird offenbar auch bei der Farbe gespart!

ab/since ~1870 plerodiénique
ab/since ~1875 Revolvermechanismus zum Wechseln der Walzen
1878 Harpe, a special attachment which, according to L. G. Jaccard, was invented about in this year by a workman named Marcel. (Mosoriak p. 234-235)
ab/since 1878 Zither A special attachment which, according to L. G. Jaccard, was invented about 1878 by a workman named Marcel. (Mosoriak p. 234-235)
ab/since 1880

Wechselwalzen (interchangeable cylinders) im Gegensatz den rechange cylinders (schwer auszutauschende Walzen) von vor 1870 (siehe weiter oben)

See also the first changeable music boxes of the 1850/60 period

1882 Patent for a Plérodieniqe by A. Jeanrenaud for Paillard
ab/since 1884 Vernickelung des Spielwerkes
ab/since 1884

Gusseiserne Grundplatten wurden gerippt

 

ab/since 1885 Quatuor
ab/since 1885 Die Dimension der Originalkassette erreicht ihr grösstes Ausmaß. Der Kamm des Spielwerkes macht oft nur einen Bruchteil der Länge der Schatulle aus
ab/since
~1890

Kurbelaufzug

 

ab/since
~1890

Cylinder and the spring drive axially in line: By 1890 adopted partly by most Ste. Croix makers  (Bulleid, Technology, p. 40)

ab/since
~1890
1891/1893 Patent der Zylinderhülsen von Alfred Junod
1893 Im Jahr 1893 machte der Münzeinwurf an Spieldosen bei der Weltausstellung in Chicago großen Eindruck, sodass die Erfinder, Mitarbeiter von Mermod Frères (aus Sainte-Croix) geehrt wurden
1896 Helicoidal-System
1886

Advent of the German disc-playing boxes, and the music box industry of Switzerland showed signs that confirmed the downward trend.

Die ersten Plattenspielwerke aus Deutschland (Leipzig und Umgebung) kamen auf und machten den Walzenspielwerken gehörige Konkurrenz, da die disc music boxes billig waren und die durch den Nachkauf von Platten den Aufbau eines großen Repertoires ermöglichten. Die Schweizer Antwort darauf war die Universelle, bei der die Walzen zwar leicht austauschbar sehr fragil waren.

1890 Perlmuttkrise, Uhrgehäuse ohne Perlmuttverzierungen
1890

Cylinder and the spring drive axially in line: By 1890 this design was adopted partly by most Ste. Croix makers  (Bulleid, Technology, p. 40) Three PICT

Knapp vor 1900 Ende der Krise der Schweizer Uhrmacher. Durch eine Umstellung der hausgewerbliche Uhrenherstellung (Heimarbeit) auf industrielle Methodenngelang die Rückeroberung des ersten Platzes des Uhrenexportes von den amerikanischen Uhrmachern
Knapp vor 1900

Schweren Krise der gesamten Spielwerkindustrie da Musikautomaten mit einer Reihe neuer Technologien das althergebrachte Walzenspielwerk zunehmend verdrängten. Einige Firmen (wie zum Beispiel Thorens) stellten sich schnell auf die neuen Anforderungen ein und konnten überleben. Durch die Umstellung auf die Herstellung sehr preiswerter kleinst- und kleinformatiger Spielwerke für die Andenken- und Spielwarenindustrie konnten sich einige Firmen ganz gut behaupten bis der Zweite Weltkrieg die Verkaufszahlen nach unten schnellen ließ.

1900

replacement of the inlay on the lid by a transfer decoration, which can easily be rubbed off.

1920-er Jahre

Diversifikation. Guido Reuge erfand die Kandahar-Schibindung, Adrien Lador machte es ihm gleich und produzierte auch Schistöcke.

1948 Nach der Depression durch den Zweiten Weltkrieges explodierte der Spielwerkmarkt weltweit im Jahr 1948.
1950-er Jahre, besonders um 1970, und ganz besonders ab 1978

In Japan wurde eine eigene Spielwerkindustrie aufgebaut, die zu einer Implosion des Scheizer Spieldosenmarktes führte. Großautträge blieben immer häufiger aus bzw. wurden nach Japan vergeben.

1978 boten die Japaner Spielwerke zum Kampfpreis um eineinhalb Schweizer Franken an.

1958

Erfindung der raised pins (upset dents) durch die Léon Jaccard SA, als erster übernahm Reuge diese neue Technik

1992 In diesem Jahr kaufte die Firma Reuge den letzten Konkurrenten, den sie in der Schweiz als Spieldosenhersteller hatte, die Firma Cuendet, und ist seither der einzige Spielwerkproduzent nicht nur der Schweiz, sondern ganz Europas.
Mitte 1990er Jahre

Durch den Einstieg chinesischer Spielwerkhersteller in den Weltmarkt erwuchs ihren japanischen Kollegen eine harte Konkurrenz.

1996 kostete ein 18-Zungen-Spielwerk aus Yvderon SFR 4.50 Grancs, aus Japan SFR 2.50 francs und aus China nur SFR 1,-.

 

Modifiziert nach DMM 20, 1981, 16; nach Literaturangaben, und Eigenbeobachtungen von Otmar Seemann und Hans-Jürgen Eisel