Karrer

Ludwig Rudolf Karrer, 1790 – 1855, Vater von sechs Söhnen:
Hans (geb. 1826),
Rudolf (geb. 1828),
Ludwig (geb. 1830),
Samuel (geb. 1836),
Gottlieb (geb. 1839) und
Adolf (geb. 1843)

Samuel Karrer, geb. 1836
Karrer & Comp.
Hans Karrer, geb. 1826
Rudolf Karrer, geb. 1828
Ludwig Karrer, geb. 1830, Prokurist
Gottlieb Karrer, geb. 1839, Prokurist
Karrer & Wohnlich
E[lize] Karrer-Hoffmann (EKH)
Adolf Karrer, 1843 –1895
Eugen Weber, dann KWC (K=Karrer)


Vorbemerkung zur speziellen Situation der Hersteller namens Karrer und deren Spieldosen

Trotz verdienstvoller Vorarbeiten, besonders von Eduard C. Saluz: Die Musikdosenindustrie in der Deutschschweiz. In: Klangkunst, S. 57 und S. 59ff., ist die Quellenlage dünn und unvollständig, vor allem deswegen, weil die diversen Hersteller namens Karrer ihre Spieldosen fast nie bezeichnet bzw. mit einem Firmenstempel gekennzeichnet haben.

Somit steht dem umfangreichen firmengeschichtlichen Materal, das Eduard C. Saluz so vorbildich aufgearbeitet hat und aus dem hier zitiert wird und das die Grundlage der Firmenscgiochte bildet, die hier dargebotenen Zusammenstellung der Musiktafeln von Otmar Seemann insoferne unbefriedigend, weil sich nur selten Bezüge zu einer der Karrer-Firmen herstellen lassen. Der weitere Forschungsbedarf ist enorm, die Unsicherheit der Zuschreibung ist groß bzw. gar nicht gegeben.


Acht verschiedene Designs

Karrer: ❶Nr. 8/1, ❷Nr. 8/5, ❸Nr. 12/2, ❹Nr. 12/3,
❺Nr. 12/5, ❻Nr. 15/1, ❼Nr. 20, ❽Nr. 24 / +Karrer-Hoffmann: Nr. 26

Karrer: ()+()+()+()+()+()+()+Karrer-Hoffmann: () = Spielwerke


8/1: •RoWeMeyerFlot-SLabGSch•

Spielwerk: 6567


8/5: •BelWebHayMendel-VerSLabG•

Spielwerke: unnummeriert, unnummeriert


12/2: •BelMoRoWeMeyerFlot-VerDonSLabGG•

Siehe die Sitemap Kapitel 12/2, das Spieldosen umfasst


12/3: •BelMoRoWeMeyerFlot – VerDonSLabGSch•

Spielwerk: ohne Nummer


12/5: •SVerHalDonGouMeyer - BelMoFlotRoAubG•

Spielwerk: 1880


15/1: •MoBelBoiRoWeMeyerFlot – AubLecVerDonSOffGG•

Spielwerke: 1548, 4512, 4749, 6466, 6578, 6715


20: •BelMoRoWeHändHayMendelBeetMeyerFlot – VerDonSLabGSchHalAubBalfeJullien•

Spielwerk: ohne Nummer (mit Tauschwalzen)


24: •BelMoRoWeHayGouHändBalfeSchMendelMeyerFlot – VerBeetDonSLabJullienKettFaustMasseGAubHal•:

Spielwerke: Karrer unnummeriert, Sublime Harmonie, 671, 3070, 8577


Adolf Karrer-Roth (ab 1874 – 1895)
Musikdosenfabrikation, Rohwerke und Stahlklaviere
Prokurist ab 1903: Eugen Weber Nachfolgefirma ab 1897: Karrer & Weber, später KWC,
Leitung: Eugen Weber, bis 1902: Herstellung von Rohwerken
schon ab 1897: Giesserei, Herstellung von Wasser- und Gashähne

Der Namen Karrer überlebt bis heute als erster Buchstabe der Firma KWC

Die wichtigste Firma im Wynental war die Firma Adolf Karrer in Unterkulm.
Diese Firma finden wir weder bei Weltausstellungen noch bei nationalen Ereignissen, dabei stellte sie das mit Abstand größte Unternehmen der Branche in der Deutschschweiz dar.

Adolf Karrer, 1843 – 1895, war der jüngste Sohn von Ludwig Rudolf Karrer. Zunächst arbeitet er als Reisender für eine Badener Eisenhandlung, 1873 kaufte er (mit Hilfe seines Bruders Hans) eine Mühle in Unterkulm und gründete eine Werkstatt zur Verfertigung von „Musikdosen-Rohwerken“. Er errichtete dazu einen Anbau und begann 1874 mit der Produktion. Schon in diesem Jahr betrug die Belegschaft vierzig Arbeiter, und die Firma entwickelte sich gut.

Um 1880 begann Adolf Karrer, auch Tonkämme zu produzieren. Weiter wurde eine eigene Giesserei eingerichtet, und eine Turbine zur besseren Ausnützung des Wassers installiert. Zwei Jahre später wurde ein Gesuch um erweiterte Wassernutzung gestellt (und bewilligt). In diesem Gesuch findet sich eine Auflistung aller Maschinen, die in der Firma standen:

In der mechanischen Werkstätte: 7 kleine u. 2 grosse Drehbänke, 2 Hobelmaschinen, 1 kleine Schraubenschneidmaschine, 2 Zahnfraisen, 1 kleine Fraisemaschine, 2 vertikale Bohrmaschine, 2 horizontale Bohrmaschinen, 2 Schmirgelscheibenapparat mit 3 Scheiben, 1 Bleifraise mit Schlitzenfraise, 1 Bohrbank mit 2 Lamellenfraisen, 1 Stahlblechfraise, 1 Schleifstein und 1 Windflügel.

In der Schreinerei 1 Hobelmaschine, 1 Fraise … und 2 kleine Drehbänke

1883 wird die Firma ins Handelsregister eingetragen. Geschäftszweck: Musikdosenfabrikation; Rohwerke und Stahlklaviere zu diesem Artikel“.

Der größte Teil der Produktion wird nach Sainte-Croix geliefert. Bis 1888 steigt dieser Anteil auf 80 Prozent, was auch zur Eröffnung eines Verkaufsdepots im Jurastädtchen unter der Leitung von Eugen Weber führt. 1892 umfasst die Belegschaft 92 Personen, es wird eine Betriebskrankenkasse gegründet. Die weitere Entwicklung der Firma verlief wie folgt. 1893 wird Eugen Weber zum Prokuristen. Es zeichnet sich der Niedergang des Musikdosengeschäftes ab. 1894 hat die Firma nur noch 53 Arbeiter und Angestellte. 1895 stirbt Adolf Karrer, Eugen Weber übernimmt die Leitung. Man überlegt sich, wie die Kapazitäten besser genutzt werden können, und beginnt, auch andere Artikel zu giessen. In der Holzwerkstatt werden Parkettböden fabriziert. 1896 braucht es gar einen Giesserei-Neubau. Die Produktion verlagert sich immer mehr weg von den Musikdosen. 1897 startet die Produktion von Armaturen (Wasser- und Gashähnen), was sich als äusserst lukratives Geschäft herausstellt. 1902 schliesslich wird die Fabrikation von Musikdosen gänzlich eingestellt. Die Schreinerei wird liquidiert und die Firma unter dem Namen „Karrer & Weber“ als Kollektivgesellschaft geführt. Die Geschäfte entwickeln sich auch in Zukunft glänzend, und die Firma besteht noch heute als Armaturenfabrik „KWC“ in Unterkulm. Auch die Gründung der Druckgussfabrik „Injecta“ in Teufenthal nach dem Ersten Weltkrieg war eine Aktivität von KWC. Es war der Sohn von Adolf Karrer, der diese Firma aufbaute. Die Musikproduktion von Adolf Karrer scheint sich im wesentlichen auf die Rohwerkefabrikation beschränkt zu haben. Er ist bei keiner Ausstellung als Teilnehmer nachgewiesen. Bei den Patenten findet sich ein englisches Patent Nr. 9024 von 1886 für ein Werk mit langer Spieldauer, ebenso als US-Patent Nr. 355 244, die Seewener Sammlung besitzt eine nicht signierte Musikdose dieser Konstruktion. In der Schweiz sind keine Patente für seine Firma eingetragen. Es findet sich recht häufig eine Guß-Signatur „AK“ unter Tonkämmen. Auch die auf einigen Kämmen anzutreffende, von einem Kreis umschlossene Firmenmarke „AK“ stammt vermutlich von Adolf Karrer. Auch Grundplatten mit Signaturen von Adolf Karrer sind bekannt. Aufgrund der großen Arbeiterzahl muss die Produktion beträchtlich gewesen sein. So schreibt Adolf Karrer im Jahre 1882 sehr selbstbewusst an die Firma Nicole Frères in Genf, die günstigere Zahlungskonditionen will: „Nein meine Herren, kein anderer Fabrikant bietet bessere Konditionen. Ich habe große Mengen Rohwerke 5 1/2 Zoll zu einem speziellen Preis geliefert. Schlagen Sie mir einen gleichen Handel vor, dann ist die Frage eine andere.“ Es existiert im Musée Baud in L´Auberson das „Livre d´Etablissage“ der Firma Jules Cuendet von 1890/91, umfassend 1919 Nummern. Darin findet sich die Firma Karrer bei über 80 Prozent der Nummern als Lieferantin der blancs. Dabei handelt es sich um Werke aller Größen zwischen 4 und 16 Zoll Zylinderlänge. Ord-Hume erwähnt nur gerade das englische Patent von 1886 und den Eintrag der Firma „Karrer, Wwe. Ad.“ von 1903 in einem deutschen Händlerverzeichnis. Die Signaturen „AK“ werden von Bulleid zwar in Verbindung mit Adolf Karrer gebracht, auch kennt er das Verzeichnis der Firma Jules Cuendet, aber auch er konnte keine weiteren Angaben zur Firma beibringen. In den Unterlagen der heutigen Firma KWC ist zwar die eigene Geschichte der Musikdosenfertigung bekannt, die anderen Mitglieder der Familie Karrer werden aber fast vollständig verdrängt. Einzig Rudolf Karrer wird erwähnt - als diejenige Person, welche die Montage von Musikdosen in Heimarbeit in der Region eingeführt hat. Weder über Samuel Karrer noch Albert Wohnlich oder Carl Alpsteg findet sich ein Wort. Auch die Lokalgeschichte von Teufenthal hat diese Firmen vergessen. Einzige die Dorfchronik von Hallwil weiß noch einige ungenaue Details über Carl Alpsteg. Präzisere Informationen über die Firmen kamen erst bei intensiven Nachforschungen im Staatsarchiv Aarau und in den Ausstellungsakten im Bundesarchiv zutage. Diese Arbeiten wurden von Frau Ulrike Klauser und Frau Valeria Legena durchgeführt. Bei Nachfahren von Samuel Karrer fanden sich dann noch alte Verträge und Geschäftsunterlagen. Nachkommen von Carl Alpsteg besitzen ebenfalls noch Erinnerungsstücke. Im ganzen aber ist es fast unglaublich, dass von einer in die Zehntausende reichenden Produktion kaum noch Musikdosen vorhanden sind. In der Region um Teufenthal gab es eine eigenständige Musikdosenfertigung, die Mitte des 19. Jahrhunderts von Genf aus initiiert wurde. Ähnlich wie in Sainte-Croix hat es die größte Firma auch im Aargau geschafft, die Krise des Musikdosengeschäftes zu überwinden, indem das Know-how auf neue Produkte verlagert wurde. Die anderen Firmen hingegen gingen in Konkurs (Alpsteg) oder stellten ihre Tätigkeit mit dem Rückzug des Patrons ein (Samuel Karrer).

(Eduard C. Saluz: Die Musikdosenindustrie in der Deutschschweiz. In: Klangkunst, S. 57 und S. 59ff.)

 


Unterkulm ist eine Gemeinde im Schweizer Kanton Aargau und Hauptort des Bezirks Kulm (Wikipedia). The owner of the business has a foundry built (Giesserei errichtet).
The company is entered in the commercial register, with the purpose of the business stated as music box manufacture, mechanical movement blanks and keyboard Glockenspiele.

Adolf Karrer 3316



„A K“ auf der Unterseite der Kammbasis





Massenware und auch hochwertige gemarkte Ware

Über die Produktion von Rohwerken (ab etwa den 1870-er Jahren) liegen leider keine genauen Informtationen und schon gar keine Zahlen vor. Diese Rohwerke wurden in Bern von Heller und in Genf von verschiedenen Herstellern gekauft, mit der Bestiftung der Walze versehen und durch andere Fertigstellungsarbeten wie Ausstattung mit Musikzetteln, Anbringung des Firmenzeichens etc. „finissiert“, wie es damals hieß.

Neben dieser Produktionsschiene der (natürlich ungemarkten) Rohwerk-Massenware wurden auch eigene hochwertige gemarkte Spieldosen hergestellt und fiel auch durch Innovationen auf, wie die bereits 1881 eingeführten Kurbeln und ab 1887 die von E. Karrer-Hoffmann lancierten Wechselwalzenspielwerke beweisen. (Danksagung an Hans-Jürgen Eisel)

Zu anderen Herstellern, die roulants oder blanks produzierten


Samuel Karrer, geb. 1836, Firmenin- oder -teilhaber von 1857 bis 1905, gest. 1910


Zu einer Liste der der Medaillengewinner bei der Ausstellung in Philadelphia 1876

Teilnehmer bei der Nationalen Ausstellung in Zürich 1883



Karrer & Wohnlich
1885: Karrer & Wohnlich sind bei der „International Inventions Exhibition“
in South Kensington durch P. Born vertreten

Karrer-Hoffmann

26: •GouMeyerMoGluckWeRo – VerBelMetraFlot – AdamAubAudHal – MassenetPaladSaintGrétryHerReyer – WagDonDelLecBoiMendel•

Spielwerk: 6B2A




Karrer & Comp.: Gründung am 2. Dezember 1854 in Genf

Am 2. Dezember 1854 vereinbarten die beiden Brüder
Rudolf Karrer, geb. 1828, „Musikdosenfabrikant“ in Genf, und
Hans Karrer, geb. 1826, aus Teufenthal
die Gründung der Firma „Karrer & Cie.“ Diese Firma sollte sich der Fabrikation und dem Verkauf von Musik- bzw. Spieldosen zu widmen.

Hauptsitz der Firma war Genf, wo sich Rudolf Karrer die Musikwerke „vollendete“,
die Hans Karrer als Rohwerke in seiner fabrique d´Ebauches in Teufenthal produzierte.

Hauptgeldgeber war vermutlich der Vater der beiden, Ludwig Rudolf Karrer, 1790 – 1855, der somit bereits ein Jahr nach der Firmengründung verstarb. Eine namentlich nicht genannte und vermutlich 1853 ins Leben gerufene Vorläufergesellschaft, die in lokalhistorischen Quellen „Uhrenfabrik“ genannt, wurde mit dieser Firmengründung liquidiert.

Über das Fabrikationsgebäude herrscht keine Klarheit: Einerseits ist vom Schloss Trostburg die Rede, die Familie nennt ein Gebäude „neben dem Familienhaus“.

Gemäß Angaben von Ord-Hume existiert in der Guinness-Sammlung in New York eine große Musikdose mit auswechselbaren Zylindern und einer mit „Karrer et Cie à Genève“ bezeichneten Grundplatte. Die Spieldose sei von Henry Capt prodziert worden, stellte Ord-Hume fest. Diese Dose ist also der Vorläufergesellschaft zuzuordnen und muss 1853 oder spätestens in den ersten elf Monaten des Jahres 1854 entstanden sein.

Bereits am 9. September 1857 kaufte der 1836 geborene und der erst 21 Jahre alte Bruder Samuel die „Fabrik zur Verfertigung von Musikdosen“, und verpflichtete sich, eine bei der Familie aufgenommene Schuldsumme von 3400 Schweizer Franken baldigst zu tilgen.

Die Teilnahmen an den vier

Weltausstellungen in London (1862),

in Wien (1873, Anerkennungsdiplom),

in Philadelphia (1876, prämiert), und

Paris (1878, Bronzemedaille)

beweisen den internationalen Erfolg der Firma Karrer.

Weiters beschickte Samuel Karrer zwei Schweizer Ausstellungen, die Gewerbe- und Industrieausstellung in Aarau (1880) und die Landesausstellung in Zürich (1883) sowie zwei internationale, die in Kalkutta (1884) und in Launcestone (1891).

An der Gewerbeausstellung in Aarau 1880 präsentierte Samuel Karrer eine Musikdose mit 12 Melodien, 40 Zentimeter langem Zylinder, Glocken und „Harfenklang“. Daneben wurden ebenfalls „Phantasiegegenstände mit Musikwerken“ fabriziert.

Der Katalog zur Weltausstellung Wien 1873 vermerkt: „Der Aussteller verfertigt Musikdosen mit einem und mehreren Cylindern, mit sichtbaren Trommeln, Glocken, Castagnetten, Pauken, Mandolinen, Zitherstimmen, Himmelsstimmen, Nationalmelodien aller Länder.“

Das einzige Patent, das auf Samuel Karrer lautet, betrifft wie dasjenige Hellers eine Auslösevorrichtung für Musikautomaten mittels Münzen (Schweizer Patent Nr. 6765 von 1893).

Rudolf Karrer blieb mit der Firma „Karrer & Cie.“ auch weiterin aktv.

Um 1873 arbeitete auch der vierte Bruder Ludwig, 1830 – ?, kurzzeitig als Prokurist mit.

Das wichtigste auf einen Blick:

Im Jahr 1853 gründete Rudolf Karrer eine Musikdosenfabrik in Genf, die zugekaufte Rohwerke finissierte und verkaufte. Auf Betreiben des Vaters der beiden, Ludwig Rudolf Karrer, sollten zukünftig, ab dem 2. Dezember 1854, die Rohwerke ausschließlich von Hans Karrer in Teufenthal hergestellt werden und untertützte dieses Vorhaben finanziell. Am 9. September 1857 kaufte ein weiterer Bruder, der 1836 geborene Samuel Karrer, 1836 – 16, April 1910, die Firma, löste damit seinen zehn Jahre älteren Bruder Hans ab und blieb 48 Jahre lang, blieb bis zum Jahr 1905 Firmenchef. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Samuel trotz der oben genannten internationale Erfolge seine Musikdosen nie als Produkte seiner Firma auswies.


Rudolf Karrer

Rudolf Karrer heiratete 1868 Elise Hoffmann. 1879 erscheint der letzte Eintrag von „Karrer & Comp., Teufenthal, Karrer Rudolf“ im Ragionenbuch.

Ab 1880 findet sich dort eine neue Firma: E.Karrer-Hoffmann, Teufenthal

Der Eintraf spezifiziert weiter: „Karrer-Hoffmann, Elise, ohne Unterschrift; Karrer, Gottlieb, per Prokura“. Dies war ein weiterer Bruder (*1839).

1881 vermerkt das Ragionenbuch bei Elisa unter „Pflegschaft“, 1884 dann ausführlich: „E. Karrer-Hoffmann. Elise Karrer-Hoffmann von und in Teufenthal. Procurist: Rudolf Karrer von und in Teufenthal. Spieldosenfabrikation.“

Offenbar stellt die Firma Karrer-Hoffmann eine Nachfolgefirma von Karrer & Comp. dar. Entsprechend bezeichnet sie sich 1883 an der Landesausstellung in Zürich als „gegründet 1853“. Die Firma scheint recht aktiv gewesen zu sein, denn schon 1883 wurde das Diplom der Landesausstellung vergeben „für Vereinfachung des Triebwerkes, vortreffliche Ausführung, hübschen Ton seiner Musikdosen“. Der Begriff „seiner“ mag erstaunen (oder auch nicht), handelte es sich doch um die Firma einer Frau. Bei allen Patentanträgen und Inseraten findet sich nur das Initial „E“, niemals der Vorname „Elise“.

Bei den Patentanmeldungen finden sich einige Einträge, die mit dieser Firma in Verbindung gebracht werden können: So das englische Patent Nr. 3241 von 1880, lautend auf „E K. Hoffmann“, was vermutlich als „E. Karrer-Hoffmann“ zu lesen ist. Es betrifft nämlich einen „Federmotor, der direkt mit der Zylinderachse verbunden ist“, - ein Patent, das als US-Patent 241 373 ein Jahr später unter dem Namen Rudolf Karrer erscheint.

Vermutlich handelt es sich um die an der Zürcher Ausstellung erwähnte „Vereinfachung des Triebwerks“. Auch in der Schweiz taucht der Name Karrer-Hoffmann in der Patentliteratur auf: 1893 findet sich unter diesem Namen das Patent Nr. 7183, ein „vereinfachtes Musikwerk mit auswechselbaren Walzen“, das eine neuartige Lagerung der Zylinder vorschlägt. 1894 wurde noch ein Zusatzpatent beantragt, das dieses Prinzip für Revolver-Zylinder betrifft. Musikdosen dieser Art gehörten schon damals zum obersten Segment des Angebotes. Es erstaunt also nicht, dass die Firma dieses Produkt auch bekannt machte. Ab 1887 finden sich Inserate in der „Schweizerischen Uhrmacherzeitung“, 1895 lesen wir: „Musikdosen-Fabrikation bester Qualität; Automaten; lose Werke zum Einsetzen […] Neuheit: Revolver-Musikwerke mit 3 Walzen.“ Bemerkenswerterweise sind nur wenige signierte Musikdosen von „Karrer & Cie.“ überliefert. Von „E. Karrer-Hoffmann“ fand sich bis heute überhaupt keine bezeichnete Dose. Einzig eine Revolver-Zylinder-Musikdose mit dem Patenthinweis ist uns bis heute bekannt. In der Seewener Sammlung findet sich eine unsignierte Revolver-Zylinder-Musikdose aus Aarauer Besitz, deren Konstruktion ebenfalls exakt dem Patent 7183/172 entspricht. Das Melodienblatt trägt deutsche Beschriftung: vermutlich also auch ein Stück aus der Produktion von „E. Karrer-Hoffmann“. Angesichts der Tatsache, dass Karrer-Hoffmann so grosse und anspruchsvolle Musikdosen baute, muss man annehmen, dass die Firma eine recht grosse Produktion hatte. Zahlen sind aber bis heute nicht bekannt.

1854

Beginn der Produktion

1880

Werknummer ca. 4000

1885/86

Werknummer: 8883

Ralf Smolne DMM 116 (2012, S. 28ff)

1889

Werknummer: <10000

(Bulleid 3rd Suppl., Chart 15: „highest serial number“: 9331)

Zu einer Liste der der Medaillengewinner bei der Ausstellung in Philadelphia 1876


Übersichtstabelle von Karrer-Spieldosen

Serie


Tunes |
Design

Card

teeth

Zyl.-länge

Ø

Belles

 

1302

6 | K15/1

engl.

 

 

 

 

 

1548

6 | K15/1

engl.

 

 

 

 

 

3026

12 | ?

-

85

+8 bell

49,7

6

8

 

4512

6

Dt.

 

 

 

-

 

4749

6

Engl.

 

 

 

-

 

4557

10

Dt.

62

27,5

5,4

-

 

5959

10 | K 12/2

 

 

 

 

 

 

6461

6 | ?

-

94
+8 bell

27,6

6

8

E. Karrer

 Teuffenthal

 Suisse

6567

6 | K 15/1

Engl.

 

 

 

 

 

6578

6 | K 8/1

Dt.

 

 

 

 

 

6715

8

Dt.

 

 

 

 

 

8317

8

Franz.

50

18,4

5

-

Teufenthal Suisse

8577

10

Dt.

46

+6 bell

24

6

6

 

8678

6

Dt.

103

28

6,0

-

 

8841

4

Dt.

67

15,7

4,3

-

E. Karrer-Hoffmann Teufenthal

9331

8

Dt.

49
+8 bell

39

6

8

 

 


Frühestens 1899 oder später: Karrer als Komponist?


Signatur Teufental Suisse auf der Aussenseite des Federhausdeckels eines Karrer-Spielwerkes


E[lize] Karrer-Hoffmann, Teufenthal


Spielwerkmacher im östlich des Kantons Zürich gelegenen Kanton Aargau ließen sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh. nieder


Teilnehmerin bei der Nationalen Ausstellung in Zürich 1883