Franz Rzebitschek, 1801 – 1889

 

Der Zeitraum bis 1842: Willenbacher & Rzebitschek

1.) Maria Schein

2.) Josefov

3.) Theresienstadt

4.) Prag

 

Franz Rzebitscheks sieben Kinder

 

1842 bis 1870: Franz Willenbacher & Rzebitschek

 


Franz Rzebitschek (Goldhoorn S. 84)

 

„Mein Vater Franz Řebiček, von Beruf Uhrmacher und zugleich ein guter Musiker in Dašic bei Pardubice, versuchte schon als junger kaum 18-jähriger Mensch, ein Musikspielwerk zu erzeugen, was ihm auch mit ziemlichem Erfolge gelang. Er ging wie damals Sitte war zur Vervollkommnung seines Metiers auf Wanderschaft (selbstverständlich bei seinen geringen Mitteln zu Fuß) und kam im Jahre 1820 nach Mariaschein bei Teplitz, wo er bei dem aus Württemberg eingewanderten Uhrmacher Willenbacher in Condition ging. Er wusste sich durch seine Intelligenz bei seinem Meister so unentbehrlich zu machen, dass dieser ihm eine seiner Töchter zur Frau gab.“
[Goldhoorn S. 98]


1.) Maria Schein

Bohosudov, deutsch Mariaschein, ist der zentrale Ortsteil der Stadt Krupka in Tschechien. Er ist vor allem durch die Wallfahrtskirche der Schmerzhaften Mutter Gottes bekannt, die auch nach dem früheren Ortsnamen als Mariaschein bezeichnet wird. Die Zahl der Einwohner im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts ist nicht bekannt, diese kann nur einen kleinen Bruchteil der ersten bekannten Einwohnerzahl, 1494, gewesen sein, die von 1869 datiert.

1.) Maria Schein ...


Teplice, deutsch Teplitz, eine nordböhmischen Stadt, war am 1. August 1819 im Brennpunkt der Geschichte gewesen: An diesem Tag wurde die Teplitzer Punktation unterzeichnet, eine Vereinbarung zwischen dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Preußen über Vorkehrungen gegen „staatsgefährdende Bestrebungen“, die Einführung von Zensur und Überwachungsmaßnahmen und die Bekämpfung des Liberalismus und Nationalismus. Österreich wurde dabei durch den Außenminister Klemens Wenzel Lothar von Metternich vertreten, Preußen durch König Friedrich Wilhelm III. und Staatskanzler Karl August von Hardenberg. Die Einwohnerzahl von Teplitz im Jahr 1830 betrug 2091, die 310 Häuser bewohnten (Wikipedia).

... bei Teplitz


2.) Josefov

 

Josefov, deutsch Josefstadt, ist ein Ortsteil der Kleinstadt Jaroměř im nördlichen Tschechien. Etwa im Jahr 1814, in dem Jahr nach der Tod der Mutter von Alois Willenbacher, allerfrühestens noch im Jahr 1813 übersiedelte Alois Willenbacher nach Josefov. Im Jahr 1833 lebten in der Stadt 1704 Menschen, von denen zwei Drittel dem Militär angehörten. Vorher werden es etwas weniger Einwohner gewesen sein.

 

2.) Josefov


„Mit deren Bruder Alois Willenbacher (geboren 1796) gründete er die Firma Willenbacher & Rzebitschek, welche sich teils mit der Erzeugung von Uhren und Uhrenbestandteilen, vornehmlich aber mit der Erzeugung von Musikspielwerken befasste, und das Geschäft zunächst nach Josefstadt, dann nach Theresienstadt [...]“ (Goldhoorn S. 98), [Fortsetzung siehe weiter unten]


3.) Theresienstadt

Unbekannten Datums kam es zur Übersiedlung nach dem heutigen Terezín, damals auf Deutsch Theresienstadt, eine im 18. Jahrhundert als Festung errichtete Stadt in Nordböhmen, die nach der Kaiserin Maria Theresia benannt wurde.

3.) Theresienstadt

Goldhoorn vermutet, dass die Firma Willenbacher & Rzebitschek in Theresienstadt gegründet wurde, gibt aber keine Begründung für diese Annahme an.


4.) 1828: Übersiedlung nach Prag

Gründe für die Übersiedlung nach Prag

„Aus Franz Rzebitschek´s Ehe mit der Tochter [um zwei Jahre älteren seines Dienstgebers] Wallburga Willenbacher (geboren 1799) stammte ein Sohn, Wenzl, der jedoch vor 1828 in Theresienstadt starb. In einem Brief vom 8. November 1828 schrieb Franz seinen Eltern, dass Frau und Kind ihre letzte Ruhestätte nebeneinander auf dem Friedhof in Theresienstadt gefunden haben. Im selben Brief unterrichtete er seine Eltern von seinem Umzug nach Prag. Als Gründe führte er den Tod von Frau und Kind an, gab aber auch seiner Hoffnung Ausdruck, hier [in Prag] bessere Geschäfte tätigen zu können und rascher bekannt zu werden. Damit widersprach er seinem Vater, der ihm vorgeworfen hatte, `nur´ Spielwerke zu bauen. „Mit solchen Neuigkeiten soll man sich doch nicht beschäftigen. Das geht schnell vorbei“, meinte [Martin Rzebitschek, der] Vater von Franz.“ (Goldhoorn S. 99)


Brief von Franz Rzebitschek an seinen Vater vom 8. November 1828


Ausschnittvergrösserungen aus dem Brief von Franz Rzebitschek an seinen Vater vom 8. November 1828: Datum und Unterschrift


Martin Rzebitschek war es gar nicht recht, dass sich sein Sohn Franz mit der Herstellung von Spielwerken befasste und hätte es lieber gesehen, wenn sich sein Sohn dem Uhrmachergewerbe gewidmete hätte.


[Fortsetzung von oben]

[...] und schliesslich nach Prag verlegte, wo nun das Etablissement seit 1828 bis 1842 unter der Firma Willenbacher & Rzebitschek, von da ab nach Austritt des Alois Willenbacher [im Jahr 1842] bis 1870 unter der firma F. Rzebitschek und schliesslich von 1870 bis 1897 das [heißt] bis zur Auflösung des Geschäftes unter meiner Firma verblieb.“


4.) Prag

 

Einwohneranzahl von Prag: 1837: 105.500, 1880: 162.323, 1900: 222.588


Grob geschätzt:

Zur Zeit des Bestandes der Firma Rzebitschek
hatte Prag

anfänglich rund 100.000,
zuletzt etwa 200.000 Einwohner


Zum Vergleich: Wien: 1830: 401.200, 1857: 700.000, 1869: 900.998 (und damit die viertgrößte Stadt der Welt!), 1890: 1,4 Millionen


Grob geschätzt:

Zum Vergleich:
Zur Zeit des Bestandes der Firma Rzebitschek
hatte Wien
etwa vier Mal so viel Einwohner wie Prag

 

Die Zahl der in Prag hergestellten „Musikwerke“, (wie sie die Firma Rzebitschek nannte), dürfte annähernd gleich groß wenn nicht sogar noch größer sein als die der in Wien entstandenen „Spielwerke“.

Es sind also sehr viele Prager „Musikwerke“, um in der Ausdrucksweise von Rzebitschek zu bleiben, nach Wien exportiert und von Wiener Uhrmachern in ihre Uhren eingebaut worden!


1828: Übersiedlung nach Prag

Mit der Übersiedlung wollte Rzebitschek näher an seine Kunden, die Uhrmacher, und deren Kunden, die Uhrenkäufer, heran. An letztere kam Rzebitschek jedoch – zumindest anfänglich – nicht heran:

 

Anfänglich nur vier Spielwerken in drei Jahren in Uhren eingebaut!

„Über seine Uhren und deren Vertrieb schrieb Franz in dem vom 3. November 1832 datierten Brief, diese würden via Prag verkauft, er habe allerdings in den letzten drei Jahren lediglich vier Spielwerke in Uhren eingebaut, was besagt, dass die Produktion von Spielwerken in seinen Prager Anfangsjahren sehr eingeschränkt war.“ (Goldhoorn S. 99)

 

Das soll aber nicht bedeuten, dass die Firma Rzebitschek nur vier Spielwerke in drei Jahren produzierte, sondern dass fast ausschließlich andere Uhrmacher Rzebitschek-Werke in ihren Uhren verbauten. Es fanden sich offenbar in den vier Jahren 1829 bis 1832 auch in Prag nur vier Kunden, die ihre Uhren zur Musikwerkefabrik Rzebitschek brachten und dort nachträglich ein Spielwerk montieren ließen.

 

1833: Zweite Heirat

„Am 25. November 1833 heiratete Franz ein zweites Mal[, und zwar die] die aus Prag gebürtige 20-jährige Christine Brandl, Tochter des Goldarbeiters Anton Brandl und seiner Frau Rosina, geborene Wittmann, war die Glückliche“, wie sich Goldhoorn auf S. 99 ausdrückt.

 

Franz Rzebitschek und und Christina Brandl waren Nachbarn gewesen: Sie wohnte auf NC 85-1, er auf NC 89-1, später lautete ihre gemeinsame Adresse: Bethlehemplatz 2, Ecke Liliengasse. Das Haus steht heute nicht mehr.

 


7 Kinder

Christina Rzebitschek schenkte ihrem Gatten Franz 7 Kinder, nämlich

1.) Rudolph, (im Säuglingsalter verstorben);

2.) Amalie, (ebenfalls im Säuglingsalter verstorben);

3.) Gustav Heinrich, geb. 24. Januar 1838, der die Firma weiterführen sollte und 78-jährig 1916 starb;

4.) Emil, der als `Spieluhrmachergehilfe´ bei seinem Vater gearbeitet hatte, verstarb im Alter von 20 Jahren;

5.) Maria Katharina, die einen gewissen Anton R. von Stowasser heiratete und hatte mit diesem 4 Kinder hatte, wie starb 1905 im Alter von 63 Jahren;

6.) Joseph Alois, meist Josef Rzebitschek genannt, geboren am 7. Februar 1844, Taufpaten: Franz Rzebitscheks Bruder Bruder Joseph und eine gewisse Frau Kokoschka, eine Goldarbeitersgattin, vermutlich die Schwester von Christina, Josephs Mutter, war ihr Vater doch auch Goldarbeiter gewesen; erster Geigenlehrer im Alter von 8 Jahren war Franz Rzebitschek, ein Ereignis, das die sein weiteres Leben bestimmen sollte: Josef R. wurde Komponist, Kapellmeister und schliesslich Dirigent der Berliner Philharmoniker. In einem Nachruf, erschienen in der Zeitschrift der Internationalen Musik-Gesellschaft, 5. Jahrgang, 1903/04, Seite 317–319, finden sich einige Anmerkungen zu seiner Lebensgeschichte, er heiratete eine gewisse Elisabeth Löffler und starb kinderlos 1904.

7.) Anna Theresa, die nur 16 Jahre alt wurde.

Von den 7 Kindern wurden also
nur zwei mehr als 20 Jahre alt
und nur ein Sohn
, Gustav, 1838–1916, bekam Kinder


Hat Franz Rzebitschek auch Eigenkompositionen beigesteuert?


Franz Rzebitschek war es vergönnt, die Geburt aller vier Enkelkinder zu erleben, den Kindern seines Sohnes Gustav (1838–1916).